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Buchempfehlung: Die Welt auf dem Teller

Die Freude am Scherzl, das auch Knust heißen kann

Die Autorin gibt sogleich als Brotfanatikerin zu erkennen, man ahnt Brotbrösel, man riecht frisches Brot und schon ist man miteinander vertraut. So nannte sie in ihrer Heimat Norddeutschland „die Brotendstücke“ Knust, heute in München lebend, erfreut sie sich am Scherzl. Ja, Endstück ist doch ein banaler, keine Erinnerungen weckender Begriff dagegen. Teller um Teller lernen wir wieder zu genießen, uns am gemeinsamen Essen zu erfreuen, Bekanntes wieder zu entdecken: Leichte Kost, niemals banal, sehr ästhetisch angerichtet von einer großen Autorin.

Ist der Knust, das Scherzl verspeist, ist der Rest des Brotlaibes manchmal schon langweilig gelesen. Dörrie, eine wahre Puristin, nahm bereits als Schulkind tagtäglich ein frisches, knuspriges Brötchen als Jause mit: Es musste ohne Belag sein und durfte nicht in eine Jausenbox gesperrt werden.

Nichts tröstet so gut wie ein frisches knuspriges Brot. Und wenn ich Angst habe, dass ich bei einer endlosen Veranstaltung darben muss, stecke ich mir ein Stück trockenes Brot in die Handtasche, am liebsten natürlich einen Knust.

Reiseerlebnisse, tägliche Küchenfestspiele, dazu das Glück beim Karottenschneiden – Alltag bekommt in Dörries Beschreibungen enorme Sinnlichkeit. Das sollte man sich bewahren und einfach mit der Karotte durch die Küche tanzen. Eine Karotte ist eine Karotte, ist eine Karotte – oder so.

Was Sie versäumen, wenn Sie diese literarische Speisekarte nicht lesen

Genuss, sehr feinen Humor, Kulturgeschichte diverser Speisen und Essgewohnheiten, Toleranz mit sich und den eigenen Ansprüchen, Kalorien werden zu Freunden, Essen darf hier Genuss sein, Literatur und Genuss sind aber niemals Lesefutter zu nennen, nein, das ist der Gaumenkitzel, die Freude am Kosten, Abschmecken. Delikate Kurztexte, immer wieder zum Nachlesen geeignet.

Die Autorin Doris Dörrie

Doris Dörrie ist in Hannover geboren, Studium Theater und Schauspiel in Kalifornien, schreibt Kurzgeschichten, Romane und hält Schreibwerkstätten, worüber sie auch ein Buch verfasste. Sie leitet den Lehrstuhl Creative Writing an der Filmhochschule München, wo sie auch lebt.

Doris Dörrie:
Die Welt auf dem Teller.
Inspirationen aus der Küche.
Diogenes 2020.
199 Seiten.

Christina RepolustChristina Repolust

Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss, wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”
www.sprachbilder.at

Mehr Lesestoff von Christina Repolust erscheint regelmässig in der „Welt der Frauen”, Rubrik Staunen & Genießen. Hier können Sie ein kostenloses Testabo bestellen.

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