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Das erste Zuhause

Zwischen den beiden Orten Braunau und Marktl liegen tatsächlich nur fünfzehn Kilometer, welche Geburtsorte, welche Begeisterung; die für Papst Benedikt sogar im Bier Niederschlag findend, die für Adolf Hitler wohl noch immer versteckter, in Einzelfällen ans Tageslicht schwappend. Die Zuständigen verweisen auf die 24 Monate, die Windelkind Adolf hier in Braunau verbracht hätte, die anderen Zuständigen im nahen Marktl wieder finden die ersten Jahre als prägend, der Benedikt, der kommt von ihnen.

Ludwig Laher trägt historisches Wissen und tagespolitische Beleuchtung zusammen, er greift in die braune Brühe und stellt die richtigen Fragen nach Berühmtheit und Berühmtheiten. Er geht den Dingen auf den Grund, lässt EntscheidungsträgerInnen zu Wort kommen und sich manchmal selbst dabei verraten.

Vergessen wir auch nicht auf das „nur“ im Titel des Essays: Da waren keine ersten Auftritte, da waren keine Bühnen für die Porträtierten aufgestellt. Aber da sind die wendigen VermarkterInnen der Marktgemeinden, die die großen Söhne und Töchter ins Licht rücken, egal, wie viel Schatten die beiden aus Braunau und Marktl auch werfen. Es ist das Verhältnis der Städte/Märkte zu ihren Berühmtheiten, das hier im Fokus steht.

Als der österreichische Innenminister sich vor der Presse wild entschlossen zeigte, Hitlers Geburtshaus in Braunau demolieren zu lassen, stand das Lutherjahr unmittelbar bevor. Ein Blick nach Sachsen-Anhalt hätte genügt, um die simple Theorie Lügen zu strafen, Erinnerung, Verehrung, Neugierde würden unweigerlich getilgt, Pilger würden ausbleiben, sollte statt dem Originalgebäude ein völlig anderes die Stelle markieren, wo eine Prominentenmutter sich in Wehenkrämpfen wand. (S. 47)

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Essay über „Windelorte“, über früh verlassene Geburtsorte berühmter Menschen: Hitler, Papst Ratzinger, Johann Sebastian Bach, Paul Celan, Engelbert Dollfuß, Robert Musil, Jean Paul, Bert Brecht, Paul Klee und Rosa Luxemburg …

Manche Orte werden begeistert besucht, andere begeistert vor Abriss/Schleifen geschützt, die großen Töchter und Söhne werden verehrt und aus der Verehrung wird Gewinn gezogen … eine kritische Bestandsaufnahme

 

Der Autor:
Ludwig Laher, 1955 in Linz geboren, lebt als freier Schriftsteller in St. Pantaleon, Oberösterreich, aber ganz ganz nah bei Salzburg. Er hat Germanistik, Anglistik und Klassische Philologie in Salzburg studiert, wo er als engagierter Lehrer arbeitete; seine Texte sind politisch, gesellschaft- wie sozialpolitisch, Lesungen mit ihm sind ein Erlebnis, junge Leute wollen mehr und mehr von ihm hören. Romane wie  „Verfahren“ (2011), „Bitter“ (2014) oder „Überführungsstücke“ (2016) sind aktuell, packen heiße Themen an, stellen provokante Fragen.

Ludwig Laher:
Wo nur die Wiege stand.
Über die Anziehungskraft früh verlassener Geburtsorte.
Otto Müller Verlag 2019.
104 Seiten.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”

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