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Columbo wird eins mit seinem Projekt

Obwohl Inspektor Columbo seine Freunde wieder sehen kann, ist für ihn nichts mehr so wie vorher. Seine Gefühle verarbeitet er nun mit Do-it-yourself-Projekten.

Inspektor Columbos Herz klopfte wild, als Frauchen ihm erzählte, dass die Ausgangsbeschränkung aufgehoben wird. Endlich konnte er seine Freunde wieder treffen. Das wurde auch höchste Zeit, denn als Columbo seine krankhafte Lethargie besiegte, kehrte seine Energie zurück und seine Vorstellung, diese abzubauen, stimmte nicht immer mit jener von Frauchen überein. Obwohl sie, wie er fand, einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat, war sie beleidigt, als er die Blumen aus dem Erdloch befreite. Inspektor Columbo verstand nicht, warum, denn er unterscheidet nicht zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen, er setzt sich für alle Lebewesen ein. Dieses Erlebnis nagte an Columbos Selbstwert, er hatte das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, obwohl er sich sicher war, richtig gehandelt zu haben. Auch Frauchen kam ihm plötzlich fremd vor, und sie fing an, ihn zu nerven. Vielleicht hatte dieses Covid-19 alles verändert, inklusive Frauchen und seine Freunde. Seine Angst bestätigte sich, als er sich gleich nach Aufhebung der Ausgangsbeschränkung mit seiner Freundin Mia verabredete – natürlich mit Einhaltung von einem Meter Sicherheitsabstand. Früher tänzelte sie mit federnden Schritten auf ihn zu, sie war eine Augenweide, und der Gesprächsstoff ging ihnen nie aus. Doch nun schleppte sie sich wie aus letzter Kraft zum Treffpunkt, sie hatte noch mehr zugenommen und selbst mit Abstand bemerkte er, dass sie müffelte. Sie wussten nichts mehr miteinander anzufangen, einmal fauchte Mia sogar, ehe sie verkündete, dass sie müde war und sich wieder aufs Ohr legen wollte. Als Columbo nach Hause kam, war auch er schlecht gelaunt, alles nervte ihn. Sein Aussichtsturm gefiel ihm nicht mehr, das Sofa ödete ihn an, er hatte keine Lust auf Snacks, die jeden Tag gleich schmeckten, und die dauerhafte Anwesenheit von Frauchen konnte er auch nicht mehr ertragen. Alles kam ihm sinnlos vor. So könnte es auch Mia gehen, und er erkannte, dass sie Depressionen hatte und auch er kurz davor war, welche zu bekommen. Da Columbo in den letzten Wochen viel Zeit zum Nachdenken und Reflektieren hatte, erkannte er, dass sein Selbstwertgefühl eine Stärkung brauchte. Er musste sich nützlich fühlen, große Aufgaben aus eigener Kraft schaffen. Also schickte Columbo Frauchen zum Baumarkt, denn sein Aussichtsturm könnte einen Ausbau vertragen, Frauchen wünschte sich eine Aufbewahrungskiste im Garten, und das Quietschen von Frauchens Bett störte ihn auch schon viel zu lange. Seitdem gibt es immer was zu tun, er wurde eins mit seinen Projekten und fühlte sich nach Fertigstellung glücklich. Vielleicht würde das Heimwerken auch Mia helfen? Er musste ihr gleich davon erzählen – Yippiejaja Yippie Yippie Yeah!

Sophia Lang

und ihr Kater Inspektor Columbo denken vorm Einschlafen an das nächste Projekt, das sie in Angriff nehmen.

Foto: Alexandra Grill

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