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Buchempfehlung: Und dann wurden wir volljährig

„Nur hier sind wir einzigartig“ ist ein wunderbar poetischer Roman über das Erwachsenwerden und die Freundschaft. Eine Ode an die Freiheit.

Der Erzählton ist behutsam und melancholisch, während die Abenteuer, die das „Wir“ hier beschreibt, wagemutig erscheinen. Dieser vom Umfang her kurze Entwicklungsroman zeigt eine Gruppe von Kindern, die ihr Paradies findet, Sommer für Sommer. Sie wachsen heran, probieren sich aus und ahnen, dass mit ihrer Kindheit auch ihre radikale Offenheit zur Neige geht. Ein besonderer Roman, für Jugendliche und für Erwachsene ebenso: Man kann sich wirklich „jung“ lesen und das meine ich überhaupt nicht kosmetisch.

Die einzelnen Kapitel sind stets mit einem sehr treffenden Titel überschrieben, schon ist man dabei, drinnen in der weiteren, in der nächsten Episode. Da lassen junge Leute ihre Beine im Gleichtakt baumeln, betrachten das Grabungshaus, in dem die Eltern als Archäologen arbeiten, ihnen viel Freiraum lassen. Wie froh war man, dem Vorstadthäuschen entkommen zu sein und damit auch den Begonientöpfen der Großeltern. Hier, auf der Insel, ist alles heller, strahlender, echter.

Mit fünf oder sechs Jahren kommt uns das Grabungshaus riesig und unübersichtlich vor. Dabei ist es schlicht gebaut, geradezu klösterlich. Vielleicht war das sogar die ursprüngliche Absicht des Architekten; zweifellos war er gläubig, er glaubte an das heilige Amt des Archäologen.
Seite 14

Wenn die Familien auf der Insel zusammenkommen, verändern sich sogar die Kindernamen, werden kürzer: Niso, Zac und Evi. Da klingen farbenfrohe Silben durch die Hitze, denn von September bis Juni sind die Kinder Denis, Giacomo und Isabelle. Hier erzählt ein Ich, das gern das „wir“ bemüht, um in Vielfalt diese Sommermonate zu beschreiben.

Hier scheinen alle lieber, leichter und einfacher zu leben, auch mehr sie selbst zu sein. Es ist ein Paradies für die Kinder, Jahr für Jahr: Sie schaffen ihre Rituale, ihre Erkundungen, werden jedoch bei jeder Rückkehr ein wenig verschlossener, bedachter, scheuer, schüchterner. So geht nicht nur ein Sommer, sondern wohl auch für alle die Kindheit zu Ende und mit ihr die Leichtigkeit.

Was Sie verpassen, wenn Sie diesen Roman nicht lesen:

Sonne, Jugend, Mut, Herausforderung, Entwicklung, Befreiung von Regeln, Wildheit, erste Liebe, Träume.

Die Autorin Christine Avel

geboren 1958, arbeitete nach dem Studium für eine NGO in Kombodscha, war nach dem Erscheinen ihres ersten Romans weiterhin als Beraterin in der Entwicklungszusammenarbeit in Afrika und Asien tätig.

Die Übersetzerin Christine Ammann

übersetzt seit zwanzig Jahren aus dem Englischen, Italienischen und Französischen.

Christine Avel
Nur hier sind wir einzigartig
Übersetzt aus dem Französischen von Christine Ammann
Mare Verlag 2021
158 Seiten.

Christina RepolustChristina Repolust

Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss, wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”
www.sprachbilder.at

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