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Buchempfehlung: Auf den Spuren eines Phantoms

Wildkatzen als verwilderte Hauskatzen zu betrachten, ist falsch. Wildkatzen sind auch keine verwilderten, keine Streunerkatzen. Christine Sonvilla, weiß, wovon sie überaus kämpferisch spricht.

Vielleicht gelingt es mit vereinten Kräften von Wort und Bild, ein Wildtier, das regelmäßig mit unseren schnurrenden Hauskumpanen verwechselt wird, als eigenständige, emanzipierte Art zu etablieren, die aus ihrem Schatten und jenem ihres großen Bruders tritt. Der Luchs ist nämlich nicht die einzige wilde Katze Europas.
Seite 26

Dass Wildkatzen häufig aufgrund eines fehlgeleitenden Verständnis von Wildtieren als Streicheltiere wahr- und von einem Waldspaziergang mit nach Hause genommen werden, dient der Sache nicht. Die Autorin macht immer wieder deutlich, wie selten Wildkatzen in Deutschland und Österreich vorkommen, wie schnell sie sich den Versuchen, sie auf Video aufzunehmen bzw. zu fotografieren mit wenigen Sprüngen entziehen.  Dieses Plädoyer für Forschung über diese Tiere ist zugleich ein Plädoyer für geschützten Lebensraum sowie selbstverständlich auch für Artenschutz. Mich begeistert an diesem Band, wie akribisch hier die Meinungen der ExpertInnen zusammengetragen sind. Diese Pointe will ich Ihnen nicht vorenthalten, sie stammt von Leopold Slotta-Bachmayr:

Du musst Mäuse verstehen, um Wildkatzen zu verstehen. Denn wo Mäuse sind, da sind auch Wildkatzen!

Hier wird neben einer faszinierenden Spurensuche auch gleich eine originelle Porträtsammlung prominenter wie engagierter ZoologInnen, WildbiologInnen und VertreterInnen unterschiedlicher Disziplinen: Auch sie begleiten wir lesend mindestens ein Kapitel lang. Da wird mit viel Geduld geforscht, gewartet und gehofft. Vielleicht kommt sie doch vorbei, die scheue wie stolze Wildkatze. Vom Spannungsbogen her betrachtet, reicht dieses Buch an so manchen Kriminalroman heran, der Autorin gelingt es ganz hervorragend, dass man sich in Wildkatzen ein wenig „verliebt“, zu viel muss es dann ja auch nicht sein.

Was Sie versäumen, wenn Sie diesen Roman nicht lesen:

Neun klar strukturierte Wege der Annäherung und Differenzierung, Wissen über das Leben und die Lebenswelten der echten Wildkatzen von den schottischen Highlands bis zum Schwarzen Meer, Lust an Zoologie, Begeisterung für die Schaffenskraft der Autorin

Die Autorin Christine Sonvilla

ist 1981 in Klagenfurt geboren, Studiem der Germanistik und Biologie, sie arbeitet als selbstständige Fotografin, Filmerin und Autorin rund um ihre Fachgebiete Arten- und Naturschutz. Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet.

Christine Sonvilla
Europas kleine Tiger. Das geheime Leben der Wildkatzen.
Residenz Verlag
256 Seiten.

Christina RepolustChristina Repolust

Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss, wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”
www.sprachbilder.at

Mehr Lesestoff von Christina Repolust erscheint regelmässig in der „Welt der Frauen”, Rubrik Staunen & Genießen. Hier können Sie ein kostenloses Testabo bestellen.

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