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Buchempfehlung: „Trauer ist das Glück, geliebt zu haben“

Ein sehr persönlicher Abschied der Autorin von ihrem Vater, eine sehr intensive Beschreibung der Trauer.

Trauer ist ein grausamer Unterricht

Ein sehr persönlicher Abschied der Autorin von ihrem Vater, eine sehr intensive Beschreibung der Trauer, des Sich-Erinnerns: Wunderschön, wie intensiv die Liebe zum Vater sein kann, wie sehr dieser Vater seine Tochter liebte.

„Wer trauert, erfährt die Liebe neu.“

Wenn sich die Familie – immer am Sonntag! – zu Zoom-Meeting, einem ausgelassenen Lockdown-Ritual – traf, waren die Geschwister und Eltern der Autorin stets sehr mitteilsam. Auch die Politik des Dorfes fließt ein, der Vater ist stur, widersetzt sich und will alles über seine im Ausland lebenden Kinder wissen. Das Meeting ist beendet, der Vater wirkte ein wenig müde. Am 10. Juni starb er, die Autorin bricht zusammen.

„Okey hält meinem Vater das Handy vors Gesicht, und mein Vater sieht aus, als würde er schlafen, die Züge entspannt, ruhig und schön. Unser Zoom-gespräch ist jenseits von surreal, wir weinen und weinen und weinen, in unterschiedlichen Teilen der Welt, blicken ungläubig auf den Vater, den wir lieben, der jetzt reglos in einem Krankenhausbett liegt.“
Seite 10

Die Kapitel sind in sich geschlossen, gewähren Rückblicke und stellen Bezüge zur eigenen Familie der Autorin her: Wie trauern Menschen in der Pandemie, weit weg vom Verstorbenen? Welche Erinnerungen kommen und wollen bleiben? Die Lektüre der Beileidbekundungen irritiert, macht melancholisch, so viele Menschen, so viele Worte!

Die Familie rudert sich emotional aus den Stürmen des Verlustes, Söhne und Töchter teilen Erinnerungen, organisieren weitere Zoom-Meetings, leben in ihren jeweiligen Ländern weiter, verletzlich, irritiert und jede/jeder auf eine andere Weise einsam.

„Ich schreibe über meinen Vater in der Vergangenheitsform, und ich kann nicht glauben, dass ich über meinen Vater in der Vergangenheitsform schreibe.“
Seite 75

Was Sie versäumen, wenn Sie dieses Buch nicht lesen:

Trauer und Liebe, Liebe und Trauer und noch einmal Liebe, Empathie, Verzweiflung, Auflösung, Zerfall, Aufstehen und das Schreiben über die Liebe, den Verlust, Dankbarkeit, hier dabei sein zu dürfen und große Gefühle mitzulesen.

Chimamanda Ngozi Adichie

Die Autorin 1977 in Nigeria geboren, lebt in Lagos und in den USA. Ihre Romane erhielten internationale Preise, u. a. den Hermann-Hesse-Preis. Ihr TED-Talk „We shoul all be feminists“ steigerte ihre Popularität noch weiter. Romane wie Die Hälfte der Sonne“ oder „Americanah“ erzählen von Machtszenarien, Unterdrückung, Aufbrüchen und der Ungleichheit der Geschlechter

Anette Grube

Die Übersetzerin: 1954 geboren, lebt in Berlin; sie übersetzt u. a. Arundhati Roy, Kate Atkinson, Manil Suri …

Chimamanda Ngozi Adichie
Trauer ist das Glück, geliebt zu haben.
Ins Deutsche übersetzt von Anette Grube.
75 Seiten.
ISBN 978-3-10-397118-7.

Christina RepolustChristina Repolust

Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss, wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”
www.sprachbilder.at

Mehr Lesestoff von Christina Repolust erscheint regelmässig in der „Welt der Frauen”, Rubrik Staunen & Genießen. Hier können Sie ein kostenloses Testabo bestellen.

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