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Buchempfehlung: Abgrund

Manche Hoffnung ist vergebens. Es gäbe so viel über unglückliche Beziehungen zu sagen.

Gut und Böse: Dieses Schwarz-Weiß-Schema das funktioniert in dieser Abgrenzung schon lange nicht mehr. Gleich Helgi, das erste Mordopfer, hält sich ziemlich lange – und man bedenke, es geht bei Helgi wirklich um seine letzten Stunden, für unschuldig. Da wird er betäubt, über Geröll gejagt – er hat doch niemandem etwas angetan? Oder?

Aber das machte nichts. Es war ja ein Traum. So musste es sein. Wenn er fiel, würde er fliegen. Bald würde der aufwachen, und dann verschwänden der Schmerz und diese unwirkliche Stimmung, die der Nebel in seinem Kopf verursachte.

Dass ausgerechnet eine ausländische Delegation die Arbeit der Spurensicherung stört, dass Helgis Leiche so rüde vom Galgen genommen wird, das konnte selbst der Täter/die Täterin nicht wissen: Der isländische Präsident würde wohl bald mit seinem Staatsgast, dem chinesischen Außenminister, am Tatort vorbeifahren. Da galt es, schnell die Spuren zu beseitigen, der Gast sollte Island in guter Erinnerung behalten!

Baldur zählt zu den besten Ermittlern der Kriminalpolizei, auch er hat so seine dunklen Seiten. Freyja, die Psychologin, hütet den Hund ihres Bruders, der im Gefängnis sitzt, kümmert sich auch um ihre kleine Nichte und registriert Baldurs Flirtversuche. Da gibt es die eitlen Ermittler, da agiert die ehrgeizige Chefin mehr als ungerecht, da trauern Helgis Eltern um ihren Vorzeige-Sohn.

Es ist ein kleiner Junge, der die Ermittlerinnen auf eine neue Spur bringt: Ist er tatsächlich entführt worden? Warum hat Helgi eine „geheime“ Wohnung? Was verschweigen seine Freunde aus Schulzeiten der Polizei?

Die Fäden laufen langsam zusammen: Da wurde ein junges Mädchen vergewaltigt, die Tat wurde gefilmt, das Video befand sich auf Helgis Rechner. Auch andere junge Frauen wurden beim Geschlechtsverkehr gefilmt, dabei kam ein Clip in die falschen Hände. Gewalt gegen Frauen und Kinder zieht sich durch die Handlung, ebenso die Ohnmacht der Justiz, der Sozialarbeiterinnen und -arbeiter und der Ärztinnen und Ärzte. Dieser Roman beschreibt Gesellschaft, dringt tief in die unterschiedlichen Milieus ein und verrät: Gut und Böse, das gibt es in dieser Abgrenzung nirgends, bei niemandem. Auch das Wegsehen macht schuldig.

Was Sie versäumen, wenn Sie diesen Roman nicht lesen

Gerechtigkeit, Spannung, irre Typen und noch irrere Verwicklungen, das Bemühen, die Gerechtigkeit siegen zu lassen, Zweifel, dass die Gerechtigkeit siegt sowie Selbstjustiz und ihre Verzweiflung.

Die Autorin Yrsa Sigurdardottir

Die Schriftstellerin (geboren 1963) gilt zurecht als Bestsellerautorin, sie lebt in Reykjavik und zeigt exakt, dass der Kriminalroman wie der Thriller die Rolle des Gesellschaftsromans formatfüllend eingenommen hat.

Yrsa Sigurdardottir:
Abgrund.
Thriller
Aus dem Isländischen von Tina Flecken.
München: btb 2020.
396 Seiten.

Christina RepolustChristina Repolust

Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss, wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”
www.sprachbilder.at

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