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10/22

Weg mit tradierten Bildern!

Weg mit tradierten Bildern!

Ein Tatsachenbericht über angeblich gut gemeinte Nachfragen unter Frauen

In diesem Sommer bin ich ein Jahr bei „Welt der Frauen“. Keine Angst, das wird keine Rückschau auf das, was alles geleistet wurde. Vielmehr möchte ich auf Konversationen zurückblicken, auf Meinungen und Bilder, die mir seither als Frau begegnet sind. Kurz bevor ich beim ältesten Frauenmagazin Österreichs die Chefredaktion übernehmen durfte, übernahm auch mein Ehemann in seinem Unternehmen eine Führungsrolle. „Herzlichen Glückwunsch!“, rief man ihm aus diesem Anlass zu.

Als meine neue Funktion bekannt wurde, erhielt ich ebensolche Gratulationen natürlich auch. Doch eine Frage eilte mit besonderem Tonfall – vorwiegend von Frauen – immer hinterher: „Und wie machst du das mit den Kindern?“ Die ersten Male lächelte ich es weg, tat das als altmodisches Denken oder „gut gemeint“ ab. Doch die Frage wollte nicht aufhören, durchquerte alle Altersschichten. Erst letztens meinte eine Frau: „Na ja, große Freude werden deine Kinder nicht haben, wenn du so viel arbeitest, oder?“

Nun bin ich nicht besonders zart besaitet, seit ich an meinem vorherigen Arbeitsplatz von einem Kollegen sogar einmal als Rabenmutter tituliert wurde, weil ich abends noch im Büro war. Dennoch wäre es gelogen, würde ich behaupten, es wäre mir einerlei. An jede Frau, an jede Mutter werden Erwartungen gestellt, die in ihrer Gesamtheit und Vielfalt niemals zu erfüllen sind. Und hier rechne ich die Erwartungen an uns selbst, die aus eigener familiärer Sozialisation stammen, noch nicht einmal mit hinein. Die Steigerung all dessen, so finde ich, sind aber solche Nachfragen, die bemüht emanzipiert klingen sollen: „Hilft dein Mann dir wenigstens im Haushalt?“ Ich verstehe die Frage nicht. Denn es ist unser beider Haushalt, unsere gemeinsame Familie. Highlight in meinem Ranking: „Du musst aber einen braven Ehemann haben, dass du so viel arbeiten darfst!“ Habe ich. Ohne Zweifel. Und viele österreichische Männer mehr haben eine brave Partnerin, weil sie so viel arbeiten „dürfen“, nicht wahr? Die Sache ist die: Wir schreiben das Jahr 2022. Eine Zeit, in der besonders wir Frauen einander – auch verbal – unterstützen sollten und außerhalb der tradierten Familienbilder tolerant werden dürfen. Unsere Söhne und Töchter brauchen neue Vorbilder und längst auch andere, zeitgemäße Glaubenssätze für ihr weiteres Erwachsenwerden.

Sabine Kronberger fragt sich, wann wir, anstatt einander vorwurfsvolle Fragen zu stellen, gegenseitige Gratulationen für das jeweilige Lebensmodell aussprechen.