Aktuelle
Ausgabe:
Energie
01-02/24

„Spenden ist eine Vertrauenssache“

„Spenden ist eine Vertrauenssache“
Foto: AdobeStock

Welche Bedeutung Spenden für die Organisation SOS-Kinderdorf haben, wohin das Geld der ÖsterreicherInnen fließt und was das Unternehmen tut, um die Verwendung der Mittel transparent und nachvollziehbar zu machen, verrät Geschäftsführerin Nora Deinhammer im Interview.

Frau Deinhammer, zur Weihnachtszeit sind die Menschen angeblich besonders spendenfreudig. Stimmt das? 

Ja, auf jeden Fall. Etwa 25 bis 30 Prozent aller Spenden erfolgen um Weihnachten. Überhaupt sind die ÖsterreicherInnen sehr hilfsbereit und spenden sehr viel. Mehr als 60 Prozent spenden mindestens einmal im Jahr, in welcher Form auch immer. Dabei sind wir ein Land der KleinspenderInnen. Sie sind unser Rückgrat, denn die meisten Einnahmen erhalten wir von vielen tausenden SpenderInnen, die mit ihren Kleinbeträgen etwas Gutes tun möchten.

Viele Menschen hinterfragen, ob es Sinn macht, zu spenden. Welche Bedeutung hat die Unterstützung der Menschen für SOS-Kinderdorf?

Jeder einzelne Euro hilft. Rund 30 Prozent unseres Budgets sind Spendeneinnahmen, davon sind wir abhängig. Nur so können wir vieles tun, was sonst nicht möglich wäre.

Foto: SOS Kinderdorf
„Ob in Österreich, in Nepal oder auf der ganzen Welt: Es ist unsere Vision, Kindern ein liebevolles Zuhause zu ermöglichen.“

Welche konkreten Projekte oder Programme werden durch Spenden finanziert? Wie profitieren die Familien davon?

Wir sammeln in Österreich sowohl für österreichische als auch für internationale Projekte. Von den Spendeneinnahmen geht etwa ein Drittel ins Ausland, zwei Drittel bleiben in Österreich. Es profitieren in Österreich jene rund 1.900 Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Eltern leben können und stattdessen in einem unserer Angebote, etwa in Kinderdorffamilien oder familienähnlichen Wohngemeinschaften, untergebracht sind. Zusätzlich helfen die Einnahmen aber auch jenen rund 3.500 jungen Menschen, deren Familien unsere beratenden und begleitenden Angebote in Anspruch nehmen. Sie sollen verhindern, dass Kinder ihre Eltern und ihr Zuhause verlassen müssen. Ob in Österreich, in Nepal oder auf der ganzen Welt: Es ist unsere Vision, Kindern ein liebevolles Zuhause zu ermöglichen.

Welche Maßnahmen treffen Sie, um sicher zu gehen, dass Spenden effektiv und nachvollziehbar eingesetzt werden?

Wir veröffentlichen jedes Jahr unseren Jahresbericht, der auch online auf unserer Webseite abrufbar ist und zeigt, wohin die Gelder fließen. Zusätzlich informieren wir regelmäßig und geben Einblick, was mit den Spenden passiert. Wir möchten größtmögliche Transparenz liefern. Wir sind TrägerInnen des Spendengütesiegels. Im Zuge dessen werden wir von externen, unabhängigen SteuerberaterInnen und WirtschaftsprüferInnen jedes Jahr aufs Neue überprüft. Dabei wird nachverfolgt, ob wir Spenden auch wirklich zweckgewidmet verwenden. Wir waren Gründungsmitglieder des Spendengütesiegels, weil es sich dabei um eine wichtige Vertrauensbasis handelt – und Spenden ist eine Vertrauenssache. 

Häufig stellt sich auch die Frage, ob Geld- oder Sachspenden besser sind. Was macht in Ihren Augen mehr Sinn?

Beides. Geldspenden helfen uns auf der einen Seite, um Rechnungen bezahlen und unsere Familien beispielsweise bei Einkäufen unterstützen zu können. Auf der anderen Seite helfen uns Sachspenden, wenn sie bedarfsgerecht ausgerichtet sind. Gerade zu Schulbeginn weiß jeder, dass mit Kindern viele Besorgungen anstehen. Mit Sachenspenden kann das Familienbudget entlastet werden.

Wo erfahren Interessierte, was gerade benötigt wird?

Am besten wäre es, einfach nachzufragen, weil es regionale Unterschiede gibt. Während in Nepal zu Beispiel eine Waschmaschine benötigt wird, braucht das Kinderdorf in Altmünster – dort haben wir gerade ein großes Bauprojekt am Laufen – neue Fenster. Und das Kinderdorf Hinterbrühl benötigt derzeit Schultaschen. Bekleidung kann außerdem in unserem Babäm!-Store abgegeben werden, sowohl am Standort in Wien als auch online. Schul- und Spielwaren sind im Wiener SOS-Ballon sehr gefragt, in Niederösterreich gibt es die AR.SOS-Shops. Genaue Informationen, was gerade besonders gebraucht wird, sind auf unserer Website abrufbar. 

Was ist Ihnen im Umgang mit Ihren SpenderInnen wichtig?

Wenn SpenderInnen uns ihr Vertrauen schenken, sind wir auch in ihrem Auftrag unterwegs. Wir leisten stellvertretend für sie unseren Beitrag, damit es Kindern und Jugendlichen gut geht, und wir erheben unsere Stimme für ihre Bedürfnisse in unserer Gesellschaft.

 

Mehr Informationen unter sos-kinderdorf.at

Übersicht für Sachspenden: sos-kinderdorf.at/service/sachspenden-fur-sos-kinderdorf

  • Teile mit:
  • Veröffentlicht: 12.12.2023
  • Drucken