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10/22

Role-Models im Vatikan

Role-Models im Vatikan

Eine First-Lady als Türöffnerin, eine Vatikan-Botschafterin als Vermittlerin und eine Gruppe österreichischer Frauen als Motor für Vernetzung und für Gespräche zum Thema Frauen und Kirche: Von 2. bis 4. Mai reiste mit der die Katholische Frauenbewegung Österreich erstmals eine weibliche Delegation unseres Landes nach Rom, um für Geschlechtergerechtigkeit zu werben.

„Wer Forderungen an die Kirche hat, muss sie im Dialog stellen. Durch Schweigen, aber auch durch lautstarken Protest hätten wir niemals so viel erreichen können“, so beschrieb die österreichische Vorsitzende der KFB, Angelika Ritter-Grepl das Vorgehen anlässlich der Vatikan-Reise ihrer führenden ehrenamtlichen Landesvorsitzenden. Bei einer erstmals zusammengestellten Delegation aus Österreich hatte sie viele Fragen, aber auch Erfolgsbeispiele für geschlechtergerechte Zusammenarbeit in der Kirche im Gepäck.

Als prominente Delegationsleiterin fungierte Doris Schmidauer, Ehefrau des österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen. Österreichs Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Franziska Honsowitz-Friessnigg, stellte ihre verbindenden Qualitäten sowie ihr weitreichendes Netzwerk in Rom zur Verfügung. Sie ist die erste weibliche Botschafterin für Österreich im Vatikan und konnte in dieser Rolle auch erstmals eine derart starke, weibliche Delegation begrüßen.

Ziel dieser Reise war es also nicht, Proteste kundzutun oder offensiv für Frauen in kirchlichen Ämtern zu werben. Vielmehr ging es darum, Verbindungen zu jenen höchst positionierten, weiblichen Führungskräften und Entscheidungsträgerinnen im Vatikan zu knüpfen, die das neue Rollenverständnis von Papst Franziskus leben.

„Dass Frauen dem Papst wichtig sind, zeigt er immer wieder im Rahmen seiner Möglichkeiten und Maßnahmen. Zuletzt bringt die jüngste Kurienreform dies deutlich zum Ausdruck, in der er die Leitung von Dikasterien (Anm. vergleichbar mit Ministerien) für Laien und damit für Frauen und Männer geöffnet hat“, weiß Franziska Honsowitz-Friessnigg.

Bildergalerie, zum Vergrößern klicken / Fotos von Sabine Kronberger

So traf sich die österreichische Delegation auch mit der höchsten vatikanischen Kurienbeamtin, der Wirtschaftswissenschaftlerin und katholischen Don-Bosco-Schwester Alessandra Smerilli. „Smerilli ist der Beweis in Person, dass Papst Franziskus schrittweise positive Veränderungen in Richtung Geschlechtergerechtigkeit herbeiführen will“, ist KFB-Vorsitzende Angelika Ritter-Grepl überzeugt. Welche Herausforderungen die Berufene zu bestehen hat, wie sie Vernetzungsarbeit betreibt oder wichtigen Positionen in ihren Gremien mit Frauen besetzt, darüber ging man in einen regen Austausch, der mit dem Rom-Besuch nicht enden, sondern vielmehr erst beginnen soll.

Eine weitere Gesprächspartnerin war Sr. Nathalie Becquart, Untersekretärin der Bischofssynode und die erste Frau, die in diesem Gremium ein Stimmrecht hat. Mit Systemtreue und doch viel weiblichem Geschick treibt sie ihre Anliegen im Sinne der Frauen und der gesamten Kirche voran. „Wir dürfen nicht nur nach vorne streben, sondern müssen auch all die Zwischenräume im kirchlichen System als Frauen und Männer sinnvoll ausnützen“, sagt sie. „Wichtig ist mir, mehr und mehr Frauen in die Synode einzubinden. Sie ist ein Prozess, die Abstimmung erfolgt dann am Ende.“

Die sogenannte Weltsynode, ein Treffen von mehreren tausend Bischöfen mit Entscheidungsbefugnis, die im Herbst 2023 stattfinden wird, ist dann das Finale eines Prozesses, den Papst Franziskus im Oktober 2021 mit dem Leitmotiv „Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung“ angestoßen hat.

Erstmals sind im Vorfeld auch Laien und Geistliche, TheologInnen und JugendvertreterInnen eingeladen – Menschen aller Ebenen, Länder, Herkunft – um die Bischöfe mit Informationen versorgen und ihnen ihre Sichtweisen darzulegen. Vor allem viele pastoral Tätige, Jugendliche und Frauen, setzen große Hoffnung auf die Synode.

Die österreichischen Frauen sind deshalb schon jetzt auf ihre GesprächspartnerInnen zugegangen, haben sogar Papst Franziskus bei einer Generalaudienz eine Ikone übergeben auf deren Vorderseite zwei slawische Heilige, die durch ihre Stolen als priesterliche Figuren gedeutet werden können, abgebildet sind. „Auf der Rückseite haben wir unsere Statements zur geschlechtergerechten Kirche platziert“, erklärt Ritter-Grepl.

„Nun wurden Dialoge geführt, es wurden Grundsteine für weitere Gespräche gelegt, die Frauen der Katholischen Frauenbewegung haben sich im Vatikan sichtbar und hörbar gemacht. Bei der Audienz am Petersplatz hatten wir am Ende noch die Gelegenheit, mit dem Papst zu sprechen. Meinen Dank konnte ich für seinen Einsatz für die Frauen entbieten. Ein berührender Moment“, resümierte Firstlady Doris Schmidauer.