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Eine Ordensfrau als Clownin

Die Worte „Ordensfrau“ und „Clownin“ fallen eher selten im selben Satz. Das ändert sich, wenn man Sr. Monika Miriam Wedenig kennenlernt. Seit einigen Jahren ist sie als Clownin „Minna“ für die ROTEN NASEN in Graz im Einsatz. Anstoß dazu gab auch eine eigene schwere Erkrankung.

Es war ein Traum aus ihren frühen Tagen als Ordensfrau, an den sich Sr. Monika Miriam Wedenig zurückerinnerte, als bei ihr mit Mitte 40 bereits zum dritten Mal Lymphknotenkrebs diagnostiziert wurde. „Ich hab‘ von einem Gaukler geträumt, der mit mir tanzt. Und das war wunderschön. Aber ich bin immer weggegangen, weil ich gedacht habe, ich habe etwas Ernsteres, etwas Wichtigeres zu tun. Jedes Mal, wenn ich weggegangen bin, bin ich schwach geworden. Und immer wieder bin ich zurückgeholt worden. Dem Gaukler war es viel ernster in seiner Liebe zu mir als mir selbst“, erzählt die jetzt 58-Jährige. Als sie dem Traum im Gebet nachspürte, habe sie erkannt:

 

„Gott ist der Gaukler. Er möchte mit mir meinen Lebenstanz tanzen.“

Doch es war auch ein Teil von ihr, der sich da zu Wort meldete und gelebt werden wollte, wie sie später noch feststellen sollte. Dabei hatte sie doch ganz andere Pläne gehabt. Eingetreten in den Orden der Kleinen Schwestern Jesu ist sie im Alter von 21 Jahren und begab sich schon bald auf die Spuren von Ordensgründer Charles de Foucauld, der nach seinem Leitspruch „Verkündige das Evangelium nicht durch dein Wort, sondern durch das Leben“ unter anderem in Algerien lebte und wirkte. „Das hatte mich schon lange fasziniert – dieses einfache Leben, den Alltag zum Ort der Gottesbegegnung zu machen“, so Sr. Monika Miriam.

Mühevoller Weg

Es folgten Jahre in Marokko und Algerien, ein Jahr lang lebte sie mit Nomaden in der Wüste. Immer hatte sie gedacht, genau das sei es – das sei ihr Leben. Bis erstmals Krebs bei ihr diagnostiziert wurde, da war sie 40 Jahre alt. Sie musste ihre Zelte am Rande der Sahara abbrechen und nach Österreich zurückkehren, um sich hochdosierten Chemo- und anderen Therapien zu unterziehen. Nach rund einem Jahr, „sobald es mir wieder besser ging“, packte sie wieder ihre Sachen und reiste nach Algerien – „weil ich wusste, dort sind die Menschen, zu denen ich gesendet bin.“ Mitten in der muslimischen Gesellschaft wollte sie eine Brücke sein und Freundschaft leben über alle kulturellen Grenzen hinaus.

Ein Rückfall durchkreuzte ihre Pläne. Weitere Behandlungen in Österreich folgten. Und die erste Annäherung an eine bis dahin nicht gelebte Seite in ihr. „Meine leibliche Schwester hat mich zu einem Clownseminar eingeladen. Sie meinte, das sei ganz ich, dieser Spur müsse ich nachgehen. Diese zwei Tage, die Begegnung mit meiner eigenen Clownin, haben in mir so eine Freude geweckt. Das war wie ein Heimkommen, ein Finden von einem Teil meiner Persönlichkeit, der bislang noch eher im Schatten war“, erzählt sie. Aber da waren auch die Menschen in Algerien, die sie so ins Herz geschlossen hatte. Ihre Entscheidung, zurückzukehren in die Wüste, stand fest. Bis ein zweiter Rückfall sie zwang, in Österreich zu bleiben. „Als ich wieder diesen Befund bekommen habe, dachte ich: Vielleicht ist jetzt doch etwas anderes dran. Ich habe gewusst, ich muss dieser Clownin einen Platz geben in meinem Leben.“ Noch während der Behandlungsphase begann sie, sich ausbilden zu lassen. Clownin „Minna“ war geboren.

Ja zum Leben sagen

Neben der Begleitung durch viele Menschen und Gebete habe ihr unter anderem diese Entscheidung bei der Genesung geholfen, sagt Sr. Monika Miriam im Rückblick. „Der Kontakt mit dem inneren Clown oder der Clownin, das ist auch der Kontakt mit dem inneren Kind und den Lebensenergien. Es waren ganz viele Menschen, die mich sehr heilsam begleitet haben. Aber nachdem ich zum dritten Mal durch diese Krankheit gegangen bin, habe ich gewusst: Ich muss selbst die Spur zurück ins Leben finden. Und da war es die Clownin, die mich wieder mit mir selbst, mit Gott, mit dem Leben verbunden hat. Denn Gott ist für mich das Leben.“

Menschsein in seiner Essenz

ClownIn sein – das ist für Sr. Monika Miriam Menschsein in seiner Essenz. „Clowninnen und Clowns scheitern, stehen immer wieder auf und sagen Ja zum Leben.“ Etwas von diesem puren Menschsein, vom Ja zum Leben, will die 58-Jährige weitergeben. Seit rund zehn Jahren ist Sr. Monika Miriam als „Minna“ für die ROTEN NASEN im Einsatz, begleitet unter anderem Kinder durch Behandlungsabläufe und besucht Menschen in einem Wachkomadepartement. Eine fordernde Aufgabe – aber eine, aus der sie oft auch mit mehr Energie wieder hinausgeht als sie ursprünglich mit hineingebracht hat, erzählt sie. Dann zum Beispiel, wenn sie WachkomapatientInnen zum Lachen bringen kann. Das sind die ganz besonderen Momente, die Clownin und Ordensfrau tief berühren.

Sr. Monika Miriam im Gespräch

Ein Gespräch mit Sr. Monika Miriam Wedenig über ihr Leben als Ordensfrau und Rote-Nasen-Clownin „Minna“ zum Nachhören gibt es bei „Orden on air – der Podcast der Ordensgemeinschaften Österreich“

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