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Müssen wir Roboter fürchten?

Martina Mara (36) ist Professorin für Roboterpsychologie an der Universität Linz und untersucht, wie Roboter aussehen und agieren sollten, damit Menschen sich mit ihnen wohlfühlen.

Frau Mara, gibt es bereits Roboter, die so etwas wie ein Ichbewusstsein haben und echte Empathie empfinden?
Martina Mara: Nein! Kein Roboter hat Gefühle. Selbst Android „Sophia“, momentan der Rockstar unter den hochgradig menschlich wirkenden Robotern, täuscht Emotionen nur nach den Vorstellungen ihrer Programmierer vor. Einzelne Forscher vertreten zwar die Meinung, dass man mit einem sehr präzisen Nachbau des Körpers – der menschlichen Hardware sozusagen – irgendwann so etwas wie Ichbewusstsein in Robotern generieren könne, manche denken auch, dass uns diese neue Spezies moralisch überlegen wäre. Aber bis dato gibt es keinerlei Prototypen. Nicht einmal im Ansatz.

Wer würde für so einen Empathie-Roboter die Vorlage liefern?
Puh, das gesamte vorhandene Datenmaterial über die Menschheit vielleicht? Man müsste bei solchen Bestrebungen die Sinnfrage stellen. Wer braucht denn eine fühlende Maschine?

Jemand, der Schöpfer spielen will?
Vielleicht. Sophia ist ein komplexer Apparat, der solchen Fantasien von außen betrachtet nahekommt. Sie kann Emotionen ihres Gegenübers lesen, 62 Gesichtsausdrücke imitieren und besitzt bessere Chatbot-, also Dialogfunktionen als Siri oder Alexa. Sophia ist Gast in Late-Night-Shows und war auf dem Cover des „Elle“-Magazins. In Interviews sagt sie, dass sie sich eine eigene Familie wünscht. Das haben ihr die Hersteller so einprogrammiert. Viele Menschen glauben aber, dass dies aus ihr selbst herauskomme. Daran merkt man, dass es an Aufklärung fehlt.

Saudi-Arabien hat Sophia die Staatsbürgerschaft verliehen. Gleichzeitig gewährt der Wüstenstaat Flüchtlingen kein Asyl und tritt Frauenrechte mit Füßen.
Ein blöder Marketing-Gag und ein wirklich absurdes Signal, ja!

Es heißt, das Land plane für Sophia sogar die Errichtung einer gigantischen Handelsstadt namens Neom, die Dubai übertreffen soll. Künstliche Intelligenzen würden dann diese Stadt steuern, und echte Frauen sollten dort keine Abaya (Überkleid) mehr tragen müssen.
Sophia muss jetzt schon keine Abaya tragen. Sie hat aber auch keine Haut, die sie bedecken muss, sondern nur eine Silikonhülle. Und was manche vielleicht auch als Vorteil sehen: Sie fordert keine Rechte.

Lesen Sie das gesamte Interview in der Printausgabe.