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10/22

Licht ab auf der Welt, es wird gespart!

Licht ab auf der Welt, es wird gespart!

Warum die dunklen Flecken für Frauen aber leicht zu „blinden Flecken“ werden können.

Die Welt braucht zu viel Energie, beleuchtet zu viele öffentliche Einrichtungen und sollte doch längst ans Sparen denken. Stromsparen im großen Stil ist nun angesagt. Die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz, wo „Welt der Frauen“ ihren Sitz hat, wird ab sofort an 31 Bauwerken die Beleuchtung reduzieren. Internationale Städte sind Vorbild dafür: Seit mehr als einer Woche liegt die historische Altstadt von Madrid im Dunkeln, der Königspalast und das “Teatro Real” werden nicht mehr wattstark angestrahlt. Nirgendwo in Spanien dürfen überdies öffentliche Gebäude und die Schaufenster von 900.000 Geschäften nachts beleuchtet werden. Damit fiel der Stromverbrauch sofort um mehr als fünf Prozent. Deutsche Städte, wie etwa Leipzig, tun es gleich. Hier stehen mehr als 230 öffentliche Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten nun im Dunkeln. Andere Städte beginnen abends später und hören früher am Morgen auf, die Straßen zu beleuchten, weil jede halbe Stunde einen Unterschied mache. Was 2007 vom WWF Australien als „Earth Hour“ (= Stunde der Erde) ins Leben gerufen wurde und jedes Jahr im März als Mahnung stattfindet, erhält nun seine Fortsetzung. Ausgelöst durch die Energiekrise, die Erderwärmung, die Lichtverschmutzung und eine Menschheit, die spät, aber scheinbar doch, nicht nur zu denken, sondern auch zu handeln beginnt. So weit, so gut. Was bei allen Vorteilen jedoch nicht vergessen werden darf: die Frauen. Jene, die in der Dunkelheit ihren Heimweg antreten müssen. Umfragen belegen deutlich: Viele Frauen fühlen sich im Dunkeln unwohl und unsicher, meiden gewisse Plätze oder Wege. „Licht aus“ ist daher nur eine kurzfristig überlegte Lösung, die nicht unklug, aber eben nicht langfristig gedacht wurde. „Gender Planning“, also eine Stadtplanung im Sinne von Frauen und Minderheiten, muss ein Faktor sein, der miteingerechnet wird. Sie zielt darauf ab, eine systematische Qualitätsprüfung in Hinblick auf Chancengleichheit unterschiedlicher NutzerInnengruppen zu ermöglichen. Schauen wir gemeinsam darauf, dass die hochgelobten dunklen Flecken in den Städten nicht zu „blinden Flecken“ werden.

Sabine Kronberger ist für das kollektive Energiesparen auf der Welt, wünscht sich aber, dass vor dem Abdrehen der Lichter an alle Geschlechter und Bedürfnisse gedacht und danach gehandelt wird.