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Irene Mitter: „Zu viel Sehnsucht kann auch gefährlich werden“

Was bedeutet Sehnsucht für Sie? Worauf richtet sich Ihre Sehnsucht? Welche Sehnsucht hat sich für Sie in Ihrem Leben schon erfüllt? Unsere Leserinnen haben uns ihre Gedanken dazu geschrieben.

Die pensionierte Geschäftsfrau und Resilienz-Trainerin Irene Mitter (68) aus Steyr hat einen eigenen Umgang mit der Sehnsucht entwickelt. Sie gibt ihr eine Bühne und spielt mit ihr, aber nie zu lange …

Als das Thema „Sehnsucht“, von Ihnen in der „Post aus der Redaktion“ angesprochen, auf mein „Denk-Spielfeld“ geraten ist, habe ich es gelesen und registriert. Aber irgendwie hat es sich in meinem Kopf verhakt und mich nicht mehr losgelassen … Wirklich Gedanken über meine Sehnsucht, habe ich mir bewusst bisher noch nie gemacht.

Ich hatte sie einfach, immer wieder mal. Diese Sehnsüchte nach dem einen oder anderen wechselten sich auch ab. In 68 Lebensjahren kommt schon einiges zusammen an Varianten. Manche besondere Sehnsucht begleitet mich aber auch beharrlich über Jahrzehnte.

Meistens ist es genau diese, von der man mit Sicherheit weiß, dass sie sich nie erfüllen würde, weil sie zu unmöglich, zu unrealistisch, zu unlogisch ist.

Trotzdem gönne ich mir bisweilen gerade DIE. Ich baue ihr eine Bühne, auf der ich mich bewege, in einem Stück, in dem mir die Hauptrolle zugedacht ist. Ich male mir verschiedene Szenenbilder aus, spüre dem nach, wie es mir ginge in einem Leben, in dem sich diese Sehnsucht erfüllt hat. Das ist wie ein warmes Luxusbad, und ich bleibe drinnen, solange ich will.

Es ist eine der zahlreichen „Treue-Prämien“, die mein Leben für mich bereithält, indem es mich (meistens) ein recht gutes Gespür dafür entwickeln hat lassen, was mir guttut: Denn ich merke dann auch zum rechten Zeitpunkt, dass es genug ist … Dann mache ich mir einen guten Kaffee und gehe eine Runde spazieren. Diesen Umgang mit der Sehnsucht empfinde ich für mich als genau richtig, weil ich gelernt habe, dass zu viel Sehnsucht, auch eine Falle sein.

Und dass es gefährlich werden kann, zu lange in diesem Luxusbad liegen zu bleiben. So harmlos Sehnsucht als Refugium und Zufluchtsort in der Phantasie daherkommt, so zerstörerisch und hemmend kann sie sich gleichzeitig auf meine Lebensrealität auswirken.

Sobald sie beginnt sich so breit zu machen, dass sie mir den Blick darauf versperrt, was doch auch und ohnedies um mich herum an Gutem, Schönem, Erfreulichem und Lebenswertem vorhanden ist, wird es höchste Zeit, aus der Wanne zu steigen. Die Dosis macht (eben doch auch) das Gift – gerade in Zeiten wie diesen.

Welt der Frauen April 2021

 

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Foto: privat

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