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Beate Zechmeister beantwortet Ihre Fragen

Im Rahmen der „Gerne Frau sein“-Talks 2021 beantwortete Dipl.Päd.in Beate Zechmeister, M.A. Beate Zechmeister, Leiterin des Frauenreferats des Landes Oberösterreich, Fragen rund um Gender-, Gleichstellungs- und Frauenpolitik, Empowerment und Anlaufstellen für Frauen in herausfordernden Zeiten.

Wie können Gesellschaft und Politik junge Familien besser unterstützen, damit sie sich partnerschaftlich um die Kinder kümmern können? Wie können Frauen Spaltungen in der Gesellschaft entgegenwirken? Gibt es positive Beispiele in der Politik und Initiativen?
– Anna Fuchs-Rinnhofer, Sankt Andrä-Wördern

Das Kapitel 2 „Familie, Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen“ der Frauenstrategie Frauen.Leben 2030 des Landes OÖ, die vor drei Jahren einstimmig in der oberösterreichischen. Landesregierung beschlossen wurde, widmet sich genau diesem Thema. Dort sind ganz konkrete Maßnahmen formuliert, die junge Familien in Oberösterreich unterstützen sollen, damit sie Beruf und Familie besser vereinbaren und partnerschaftlich lösen können.

Maßnahmen wie beispielsweise die verstärkte Informationsarbeit für Eltern über ihre Rechte wie Väterkarenz, Elternkarenz, Elternteilzeit und Karenzmodelle für geteilte Elternschaft, die Attraktivierung der Väterkarenz sowie der Ausbau der Kinderbetreuung stehen hier auf dem Programm.

Als positives Beispiel wurde vor 10 Jahren auch vom Land OÖ KOMPASS, das Kompetenzzentrum für Karenz und Karriere gegründet. Diese Einrichtung begleitet Unternehmen bzw. auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den Themen: Frauen im Arbeitsleben, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Karenz-, Pflege- und Auszeitenmanagement, betriebliche Kinderbetreuung, Information und Projektinitiierung von einzelnen und überbetrieblichen Maßnahmen zur Gleichstellung- bzw. Frauenförderung.

Bei der Frauenpolitik bzw. Gleichstellungspolitik geht es nicht um Spaltung, sondern um die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen in Oberösterreich. Damit diese weiter forciert wird, gibt es ganz viele verschiedene Aktionen, Initiativen und Maßnahmen in Informationen dazu findet man HIER.

Wäre es nicht auch möglich, Mädchen nach der Matura oder dem Lehrabschluss zu einem verpflichtenden Dienst (Kindergarten, Altersheim, Umweltpflege, Familienunterstützung, Einkaufsdienste, Sommerferien- und Aufgabenbetreuung, Lesepatendienst … )  – Dienste, die eben für die Allgemeinheit dienlich sind und den Sinnfindungsprozess der Jugendlichen fördern könnten – für 1–6 Monate zu verpflichten und dafür Zugänge zur Uni/ FH/College zu erleichtern? 
– Gabriele Langbauer, Linz

Dies ist ein guter Ansatz. Derzeit gibt es In Österreich verschiedene Arten von Freiwilligendiensten für Mädchen und Burschen wie beispielsweise das freiwillige soziale Jahr, ein freiwilliges ökologisches Jahr, der Freiwilligendienst im Ausland, etc. Nähere Informationen dazu HIER.

Ich hätte gerne Informationen zum momentanen und geplanten zukünftigen Status von Genderfragen, Intersektionalität und dergleichen in Gesellschaft, Recht, Medien usw., sowie Anregungen, wie Rassismus und/oder Sexismus und/oder jeglicher Form von Diskriminierung entgegengewirkt werden kann. Wie erkennen, wie darauf aufmerksam machen und und und …
– Monika Andlinger, Hirschbach i. Mühlkreis

Dazu darf ich auf die Frauenstrategie Frauen.Leben 2030 verweisen, die vor 3 Jahren einstimmig in der oberösterreichischen Landesregierung beschlossen wurde. Sie enthält 8 Handlungsfelder und über 100 Maßnahmen und 32 Wirkungsindikatoren zur Frauen- und Gleichstellungspolitik in Oberösterreich. Diese Strategie wird auch jährlich evaluiert. Aktuelle Zahlen, Daten, Maßnahmen und bereits umgesetzte Projekte finden Sie HIER.

Welche frauenspezifischen Gesundheitsprogramme sind geplant?
– Regina Barth-Gößler, Ried im Innkreis

In Oberösterreich sind eine Vielzahl an frauenspezifischen Gesundheitsprogramme geplant. Hier ein paar Beispiele:

Das Erwachsenenbildungsforum stärkt die Gesundheitskompetenz der Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher. Wissen und Bildung sind der Schlüssel zu einem gesünderen Leben. Das Land Oberösterreich setzt im Rahmen seiner Gesundheitsstrategie mit einem neuen Präventionsmodell verstärkt darauf, dass die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher gut über ihre eigene Gesundheit informiert sind, deshalb mehr auf sich und einen gesunden Lebensstil achten und somit länger gesund bleiben. Die Erwachsenenbildung setzt mit dem Schwerpunkt „Was hält uns gesund“ genau auf dieser Strategie an.

Gebärmutterhalskrebs stellt weltweit die zweithäufigste Krebsform und die dritthäufigste Krebstodesursache bei Frauen dar. Seit 2014 wird eine Impfung gegen HPV im nationalen kostenlosen Kinderimpfkonzept für alle Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren angeboten. Um die Akzeptanz zu steigern, wird die HPV-Impfung nicht mehr in der 4., sondern in der 5. Schulstufe durchgeführt.

„Es gibt eine Impfung gegen Krebs…“ – mit diesem Informationsprogramm zur Bewusstseinsbildung für die HPV-Impfung sollen Eltern und Erziehungsberechtigte darauf aufmerksam gemacht werden, dass es eine Chance gibt, ihre Kinder (Mädchen und Burschen) durch die kostenlose HPV-Impfung im Rahmen des Schulimpfprogrammes frühzeitig zu schützen. Teil der „Petrol Ribbon Aktion“ ist eine Informationsveranstaltung für Schulärztinnen und Schulärzte sowie das Verteilen von Info-Broschüren an Volksschulen.

Die Homepage „Gesundes Oberösterreich“ bietet Informationen über alle Angebote zur Thematik Essstörungen bzw. Kontaktdaten zu Beratungs-, Betreuungs- und Behandlungsangeboten an. Im Jugendreferat des Landes OÖ gibt es dazu eine Broschüre „Wege aus der Essstörung – Zurück zum Genuss“. Sie wendet sich an Betroffene, Freundinnen bzw. Freunde von Betroffenen und an Interessierte, die mehr darüber wissen wollen.

Das Angebot der Hebammensprechstunde ist ein wichtiges Kooperationsprojekt im primärpräventiven Bereich, das vom Land Oberösterreich finanziell unterstützt wird.

Das Gesundheitsressort setzt in Zusammenarbeit mit dem Institut Suchtprävention im Bereich der Schulen in Oberösterreich verschiedene Angebote zum Themenbereich Internet, Cyberkriminalität und Mobbing. Da sich eine Vielzahl der Cybermobbing- und „Hass im Netz“-Attacken gegen Frauen richten, führ das Frauenreferat derzeit eine Social-Media und Plakat Kampagne vor, die zu Beginn des Jahres 2020 in Oberösterreich gestartet wurde. Sie steht unter den Schlagwörtern CYBERMOBBING SPERRT AUS./ CYBERMOBBING VERLETZT./CYBERMOBBING KANN TÖTEN. Ziel ist es, zu sensibilisieren und Bewusstsein dafür zu schaffen, was Schülerinnen und Schüler sowie Eltern aktiv dagegen tun können und welche Hilfs- und Unterstützungsangebote es in Oberösterreich dazu gibt.

Angebote zum Thema Gesundheitsförderung und Prävention, zu Frauen- und Mädchengesundheit, Selbstwert, Selbst- und Körperbild, werden unter anderem auch im Rahmen der „Gesunden Gemeinde, gesetzt.

Die Direktion Gesundheit fördert die Frauengesundheitszentren in Oberösterreich. Die Tätigkeitsschwerpunkte der Frauengesundheitszentren liegen in der direkten Prävention und Bildung. Grundlage ist ein ganzheitlicher Beratungs- und Behandlungsansatz mit Berücksichtigung des Lebenszusammenhangs der Frauen als Faktor für Gesundheit. Angesprochen werden Frauen und Mädchen, wobei besonderes Augenmerk auch auf finanziell weniger gut gestellte Frauen gelegt wird.

Ausbau Primärversorgungszentren: Primärversorgungseinheiten sind neben Einzelordinationen von Hausärzten eine neue Form der medizinischen Versorgung. Hier arbeiten verschiedene Gesundheitsberufe unter einem Dach oder als Netzwerk an verschiedenen Standorten. Sie sind für die Patientinnen und Patienten die erste Anlaufstelle für Fragen rund um das Thema Gesundheit und Krankheit.

Das Familienressort des Landes OÖ fördert bzw. die Kinder und Jugendhilfe unterstützt verschiedene Einrichtungen in OÖ, wie beispielsweise den Verein ZOE für Beratung rund um Schwangerschaft und Geburt sowie das Haus für Mutter und Kind der Caritas OÖ, welches Schwangeren und Frauen mit ihren Kindern nach einer Scheidung oder in einer Verlust- bzw. Krisensituation hilft, ihr Leben neu zu ordnen.

2020 hat auch ein runder Tisch gemeinsam mit Frauen- und Soziallandesrätin zur anonymen Geburt stattgefunden. Manche Eltern sind mit der Geburt eines Kindes überfordert. Es entsteht für die werdenden Mütter manchmal eine Ausnahmesituation. Deshalb ist der Weg der anonymen Geburt für Kind und Mutter die sicherste Lösung. Babynester, auch Babyklappen genannt, geben ebenfalls die Möglichkeit, ein Neugeborenes an einem sicheren Ort abzugeben. Genauso wie bei der anonymen Geburt geht die Obsorge für das Kind an die Kinder- und Jugendhilfe über und es werden geeignete Pflegeeltern gesucht. Für Eltern in vermeintlich auswegloser Situation ist es sehr hilfreich, über das Angebot der anonymen Geburt und der Babyklappe informiert zu sein. Man will bereits in der Schule ansetzen, um die Jugendlichen auf dieses Thema zu sensibilisieren und einen Ausweg im äußersten Notfall aufzuzeigen. Hier werden auch die Kinder- und Jugendhilfe sowie Sozialarbeiter/innen dafür sensibilisiert, mit den Jugendlichen über dieses Thema zu sprechen. Auch über die in ganz Oberösterreich verteilten Frauenberatungsstellen sowie die „First Love Ambulanz“ des Kepler Universitätsklinikums wurde gesprochen, an die sich die Jugendlichen bei einer (ungewollten) Schwangerschaft zu einem Beratungsgespräch wenden können.

Verstärkte Information für Frauen mit migrantischem Hintergrund in Bezug auf das oberösterreichische und österreichische Gesundheitssystem. Das Gesundheitsressort des Landes OÖ unterstützt das Projekt MammaMia: Mütter im Gespräch. Herkömmliche Elternbildungsangebote sind nicht für alle Eltern gleichermaßen hilfreich und nutzbar. Vor allem für Mütter aus Familien mit Migrationshintergrund ist es der Austausch mit anderen Müttern, der im Alltag Sicherheit geben kann. Genau hier setzt MammaMia an: Es treffen sich mehrere Mütter zu einer in der jeweiligen Muttersprache moderierten Gesprächsrunde in einer möglichst angenehmen, zwanglosen Atmosphäre bei einer Gastgeberin zu Hause. Die Gesprächsthemen betreffen grundsätzlich Kinder und Erziehung, zum Beispiel „Kinder stark machen“ oder „Computer, Handy, Internet“. Für das Projekt MammaMia wurden Elterntipps zu den Themen „Kinder stark machen“, „Medien“ und „TV“ in mehrere Sprachen übersetzt.

Weiterentwicklung des Projektes „Frühe Hilfen“, um die Belastung von Eltern frühzeitig zu erkennen; Gesundheitskompetenz der Eltern stärken, Information: Im Vergleich mit den anderen Bundesländern gibt es auch in Oberösterreich die meisten regionalen Frühe-Hilfen-Netzwerke. Derzeit sind in Oberösterreich insgesamt 5 in Kirchdorf an der Krems, Wels, Linz, Steyr und Vöcklabruck beratend, begleitend und unterstützend aktiv.  Bei „Frühe Hilfen“ handelt es sich um ein Maßnahmenpaket, das darauf abzielt, gesundheitliche Belastungen von Familien und Kindern frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern. Im Mittelpunkt stehen Familienbegleiterinnen und –begleiter als konkrete Ansprechpersonen für die Familien. Als freiwilliges Angebot helfen sie Betroffenen, geeignete soziale und gesundheitsbezogene Angebote zu finden und in Anspruch zu nehmen. Um diese Angebote möglichst niederschwellig zu gestalten, gehen die Familienbegleiterinnen und –begleiter aktiv auf belastete Familien zu, idealerweise bereits während der Schwangerschaft.

u.v.m……

Warum gibt es in Österreich noch immer gut 3 Monate Schulferien? Elternpaare können nur mit getrennten Urlauben und Unterstützung von z.B. Grosseltern diese freie Zeit für die Kinder gut gestalten. Alleinerziehend können diese 3 Monate bei einem üblichen Arbeitsverhältnis gar nicht bewältigen. Das geht an jeder Lebens-und Arbeitsrealität vorbei und steht im krassen Gegensatz zu anderen europäischen Ländern.  
– Karin Proyer, Steyr

Noch immer stellt uns die Corona-Pandemie vor die Herausforderung, Familie, Kinderbetreuung, Freizeit und Beruf unter einen Hut zu bringen. Damit berufstätige Eltern in Richtung Ferien blicken können und sich keine Gedanken über ausreichend übrige Urlaubstage machen müssen, hilft das Land OÖ. Es gibt bereits viele Ferienbetreuungsmöglichkeiten, die von Schulen, Kindergärten oder Horten angeboten werden. Die finanzielle Unterstützung für betriebliche Kinderbetreuungsprojekte geht heuer in die fünfte Runde und wird auf die Herbstferien sowie auf Kooperationen mehrerer Unternehmen ausgeweitet. Firmen erhalten für Kinderbetreuung in den Sommer- oder Herbstferien vom Land OÖ, von Wirtschaftskammer OÖ und KOMPASS, dem Kompetenzzentrum für Karenz und Karriere, eine finanzielle Unterstützung.

Warum verwendet die Gemeinden, Finanzamt (der Staat) in der Anschrift immer nur den Mann. Wir sind beide zur Hälfte Eigentümer, jedoch die Frau existiert da nicht. Wenn eine Firma die Anschrift nicht korrekt führe, gibt es Strafen (Finanzamt) Wenn man dem Ehegatten einen Teil schenkt, schreibt die Gemeinde, das Finanzamt, das Grundbuch nur mehr „ an Herrn…….eine Frau gibt es dann nicht mehr. Eine Gleichberechtigung beim Staat gibt es nicht. Warum?
– Martina Schafzahl, Straß i. Steiermark

Frauen sollen in Wort und Bild präsent sein, da sind wir ganz bei Ihnen. Wir empfehlen Ihnen, direkt das Finanzamt darauf aufmerksam zu machen bzw. zu sensibilisieren, dass Sie dies beim nächsten Schreiben berücksichtigen.

Wie können wir viel mehr Frauen dazu bewegen, sich vor den Vorgang zu stellen und sich mehr zuzutrauen?
– Elfriede Höplinger, St. Wolfgang

Es gibt mehrere Wege. Ein guter Weg, den wir auch im Frauenreferat gehen, ist, Vorbilder zu suchen, die Mädchen und Frauen an der Hand nehmen und sie in neue Welten eintauchen lassen. Zum anderen braucht es sicher auch Rahmenbedingungen. Es gibt viele mutige Frauen in Oberösterreich, es braucht aber einfach auch vielleicht flexiblere Sitzungstermine. Corona hat uns auch geschult in Sachen Online-Meeting – vielleicht kann man da das eine oder andere mitnehmen in die Zukunft nach Corona.

Noch immer sind berufstätige Frauen geplagt von schlechtem Gewissen: in der Arbeit, weil sie nicht bei den Kindern sind; zuhause, weil sie nicht mehr Einsatz für die Arbeit erbringen können. Gibt es praktische Tipps für den Alltag, damit halbwegs zurecht zu kommen?
– Evelyne Stumper, Hellmonsödt 

Ich denke, diese Frage stellt sich jede Mutter. Es braucht auf alle Fälle Vertrauen. Vertrauen in die OÖ Kinderbetreuungseinrichtungen und in die PädagogInnen, dass das Kind gut aufgehoben ist. Ich finde, es braucht auch Vertrauen in den Partner, damit man manches partnerschaftlich regelt, auch wenn manches dann nicht so abläuft, wie man sich das selber vorgestellt hätte – aber das ist vielleicht auch gut so. Und ich finde, es braucht Mut zur Lücke. Mir ist es noch nicht gelungen, beides hundertprozentig auszufüllen.
Und Gott sei Dank hat sich da auch in der Gesellschaft schon vieles getan. Es gibt Betriebe und Unternehmen, die vieles machen zum Thema Vereinbarkeit Familie und Beruf. Vor kurzem hab‘ ich auch einen Slogan einer deutschen Politikerin gelesen: „Ich bin da – aber auch mal weg, wenn meine Familie mich braucht.“

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