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Anna Maria Dieplinger beantwortet Ihre Fragen

Im Rahmen der „Gerne Frau sein“-Talks 2021 beantwortete Dr.in Anna Maria Dieplinger, Expertin für Gendermedizin, Fragen rund um Frauengesundheit und die Besonderheiten, Stärken und Schwächen des weiblichen Körpers aus dem Blickwinkel des noch relativ jungen Forschungsfeldes Gendermedizin.

Ich bin Hashimoto- und Fibromyalgie-Patientin, dieser lange Leidensweg (20 Jahre Schmerzen) könnte Frauen wirklich erspart bleiben, wenn es Zentren gäbe, die speziell diese vermehrten Frauenkrankheiten früher aufspüren könnten. Gibt es in Oberösterreich speziell ÄrztInnen für Frauensymptome oder ein Zentrum, die auch eine Vitalstoffmessung im Blut, eine Östrogendominanz oder Progesteronmangel anschauen, wo Darmparasiten überprüft und behandelt werden oder. wo ein Mitochondrienstatus gemessen wird? Gibt es Gesundenuntersuchungen speziell für Frauen?
– Herta Edtl, Zell an der Pram 

Ein gendermedizinisches Zentrum gibt es so nicht, aber es gibt in jeder größeren Klinik eine Abteilung für Endokrinologie mit Hormonspezialisten, die sich damit befassen und die auch die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sehr gut kennen, gerade auch in der Feineinstellung. Ansonsten ist primär der Hausarzt Ansprechpartner.

Ich empfinde jetzt im Wechsel eher die Last der Hormone und nicht die Kraft der Hormone – vor allem der weiblichen, abnehmenden. Gibt es praktische Tipps gegen das Schwitzen?
– Sabine Jellinek, Linz 

Viele Frauen kennen dieses Problem – generell sollte ein Hormonstatus (Blutuntersuchung) gemacht werden. Eine Substitution, also Medikamente könnte eine Ärztin/ein Arzt verschreiben. Das muss aber sehr individuell betrachtet werden.

Kann auf Basis der bisherigen Erfahrungen gesunden Frauen 50+ die Impfung mit Astra Zeneca Impfstoff empfohlen werden? 
– Martina Honsig, Eidenberg 

Nationale Impfgremien haben ja den Impfstoff ab dem 18. Lebensjahr freigegeben und man hat gesehen, dass diese ungewünschten Nebenwirkungen gerade bei jungen Frauen auftreten, jedoch Frauen im fortgeschrittenen Alter eher nicht betroffen sind. Es gibt bei jeder Impfung Nebenwirkungen, das muss man auch sagen. Aber aus meiner Sicht sollte es unbedenklich sein.

Wie kann Frau heutzutage den psychischen und physischen Belastungen durch Berufs- und Privatleben standhalten und ihre Gesundheit bewahren und fördern?
– Julia Dröge, Pinsdorf 

Als erstes sich ganz bewusst machen: Wo sind meine Belastungen? Wo sind die Faktoren, die mich wirklich massiv beeinträchtigen? Zeige ich Symptome? Habe ich Schlafstörungen? Habe ich irgendwie das Gefühl, ich werde immer müder, fühle mich wie zusammengeschlagen? Dann gilt es, ganz bewusst auch einmal eine Pause einlegen und sagen: „Und heute nehme ich mir die Zeit und gehe eine Stunde spazieren“. Oder ich mache Sport. Dieses Ganz-bewusst-Machen vergessen Frauen sehr, sehr oft. Der Trott und der Alltag, die Kinder, die Familie … Dann ist das Wochenende da, dann schnauft man kurz einmal durch, und dann geht es eigentlich schon wieder weiter. Pausen sind wichtig.

Ich bin 62 Jahre, habe seit 6 Jahren erhöhtes Gesamtcholesterin, die anderen Werte sind in der Norm. Nun nehme ich zum 1. Mal Simvastatin 20 mg. Meine Mutter hatte mit ca. 68 Jahren erste Demenzerscheinungen, sie starb mit 78 Jahren. Ich bewege mich genug, esse die richtigen pflanzlichen Fette. Welche Möglichkeiten gibt es noch? Ich bin besorgt wegen einer möglichen Demenzerkrankung. 
– Ulrike Schwinger, Waidhofen an der Ybbs

Ich würde auf alle Fälle mit einem Spezialisten – einem Neurologen, vielleicht auch noch mit einem Internisten – sprechen, weil man ja nicht weiß, ob nicht noch andere Erkrankungen dazukommen. Gemeinsam schauen: Kann man da präventiv auch schon etwas machen?

Wie kann ich in der männlich geprägten Arbeitswelt dennoch mehr mit meinem weiblichen Zyklus/Rhythmus übereinstimmend arbeiten?
– Isabella Stöllner, Linz

Unbedingt sich nicht beirren lassen, der weibliche Zyklus ist ganz normal. Frauen sollen sich hier gar nicht von Männern beeinflussen lassen. Wenn wir uns bewusst auf unseren Zyklus einlassen und auf unsere Bedürfnisse in den verschiedenen Phasen eingehen, gewinnen wir sogar an Kreativität, Intuition, Produktivität und Energie.

Kann Bluthochdruck bei Frauen um die 50 (die schlank sind, Nichtraucherinnen sind, sich gesund ernähren – also keine typischen Bluthochdruckpatienten sind) hormonell bedingt sein? 
– Melissa Hinterleitner-Hromek, Wien 

Ganz wichtig: Bluthochdruck kann von vielen Faktoren abhängen, Niere, genetisch/vererbt, Hormone etc. Unbedingt hier eine ganz klare Abklärung und genaue Befundung durch MedizinerInnen anstreben.

Mein Lebensgefährte und ich haben uns vor kurzem darüber unterhalten, warum es – trotz aller Bemühungen zu political correctness und Bewusstsein über Alltagsrassismus und Diskriminierung von Randgruppen – gerade wenn Männer unter sich sind, anscheinend immer noch absolut in Ordnung ist, (äußerst derbe) Witze und unschöne Bemerkungen über Frauen zu machen. Konkret hat er das in mehreren digitalen Männergruppen festgestellt, in denen sich Freunde, Bekannte oder Kollegen austauschen, die durchaus jede andere Form von Diskriminierung verachten, in liebevollen Partnerschaften mit Frauen leben, verantwortungsvolle Väter sind usw. In den besagten Chatgruppen wird jedoch lauthals gelacht über frauenverachtende und sexistische Bemerkungen oder Bilder. Überspitzt gefragt: Ist die Frauenfeindlichkeit die letzte Bastion des Patriarchats, die immer noch hochgehalten und regelrecht gepflegt wird, auch wenn Mann es eigentlich schon besser weiß?
– Silvia Hackl, Linz 

Meine Meinung als Sozialwissenschaftlerin: Witze über Frauen sind leider immer noch in unserer Gesellschaft „lustig“; gerade hier sollten auch Frauen dagegenstehen und Männer auch darauf ansprechen und sie weiter sensibilisieren. Aber viele Frauen tun das nicht. Hier ist es einfach wichtig, sich gegen Frauenfeindlichkeit einzusetzen. Aus meiner Sicht braucht es noch ganz viel, um hier eine Gleichstellung zu erreichen. Anmerkung: Bis in die 1970er-Jahre haben Frauen noch die schriftliche Zustimmung vom Ehemann gebraucht, um arbeiten zu gehen.

Ich bin Jahrgang 1968, mein subjektiver Eindruck ist, dass die Frauen unter 35 fast keinen Wert mehr legen auf Emanzipation. Die hart erkämpften und eigentlich erst seit relativ kurzer Zeit bestehenden Rechte der Frauen werden nicht mehr geschätzt und als zu selbstverständlich erachtet. Dabei schwingt das Pendel gerade wieder in Richtung Frauen an den Herd?! Gibt es dazu Studien oder täusche ich mich?
– Anita Kenedi, Eisenstadt

Das kann ich als Sozialwissenschaftlerin leider nur bestätigen – wir sind vor zehn Jahren in der Gleichstellung schon weiter gewesen. Unsere jungen Frauen gehen eher wieder „zurück an den Herd“. Ich persönlich finde das wirklich dramatisch!

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