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10/22

„Es ist unser Geburtsrecht, glücklich zu sein“

„Es ist unser Geburtsrecht, glücklich zu sein“

Selbst eine Optimistin wie sie muss sich von Zeit zu Zeit eingestehen: Das Leben ist zwar prinzipiell schön, aber manchmal ganz schön anstrengend.

Sandra König, Aufweckerin und Sprecherin bei Ö3 und damit berufsbedingt eine Frühaufsteherin, die der Wecker schon um 4 Uhr morgens aus den Federn holt, hat es wieder getan. Nach ihrem Erstlingswerk „Guten Morgen Leben“ in dem es um Morgenrituale geht, hat sie ihr zweites Buch vorgelegt. Wie es zur aktuellen Optimisten-Lektüre „Auf die Plätze, Lächeln, los!“ kam, erzählt die Moderatorin und Yoga-Studio-Besitzerin im Gespräch.

Sandra, Sie sind uns als Stimme aus dem Radio vertraut, als würde man Sie ewig kennen. Plötzlich haben Sie mit dem ersten Buch einen österreichischen Bestseller vorgelegt, prompt folgte Buch Nummer zwei. Woher kommt der Drang, zu schreiben, wenn man eigentlich ein ganz anderes Genre bedient?

Viele viele Jahre beim Radio und ein eigenes Yoga-Studio gaben den Impuls für das erste Buch, das sehr gut angekommen ist. Das Schreibfieber hatte mich gepackt, und ich wollte noch ein Buch schreiben. Die Redakteurin des Verlags kam auf mich zu und meinte, ich solle ein Gute-Laune-Energiebuch schreiben, weil ich anscheinend eh voller Energie bin. Trotz anfänglicher Skepsis habe ich mich drangemacht. Es ist ja so: Ich mache jetzt seit 15 Jahren mit Robert Kratky den Ö3-Wecker und mein Lachen kennt wahrscheinlich wirklich ganz Österreich. Ich finde ja an allem was lustig und lache gerne. Deshalb habe ich mich gern nach den letzten beiden schweren Jahren mit dem Lachen beschäftigt, weil es wichtig ist, gerade in Situationen des Drucks und der Energielosigkeit die Positivität wieder zu finden. Es ist einfach wichtig, dass man die Freude, das Glück, die Ruhe und die Gelassenheit in sein Leben integriert. Daraus lässt sich neue Energie schöpfen.

Energie ist gerade für Frauen, die viele Hüte tragen und mehreren Rollen gerecht werden müssen, ein wichtiges Thema. Wie bewältigen Sie Ihr Leben in der Fülle Ihrer vielen Aufgaben?

Ich mach immer eines nach dem anderen. Und wenn ich mich entscheiden muss, dann mach ich das Lästige zuerst. Dann mach ich das und freu mich auf die schönen Aufgaben danach. Wäsche waschen oder Hausübungen kontrollieren ist ja manchmal wirklich nicht die Freude des Tages. Aber wenn ich es bewusst, bedächtig und achtsam mache, dann kann Freude aufkommen und ich kann Energie tanken. Auch wenn es eine Aufgabe ist, die ich eigentlich energieraubend empfinde. Ich stell mir immer vor, dass ich Glücksmomente sammle. Man muss Augen, Nase, Ohren aufmachen und versuchen, so viele tolle Momente wie möglich zu sammeln. Es kann sein, dass dich jemand an der Kasse vorlässt, dass jemand vor dir ausparkt, wenn du gerade einparken willst. Das ist nichts Großes. Du lässt jemandem den Vortritt beim Einsteigen in den Bus. Du kannst dir deine Glücksmomente suchen und wirst viele finden.

Hand aufs Herz: So einfach ist das aber gar nicht.

Nein, das ist überhaupt nicht einfach. Das ist eine Herausforderung. Wenn man aber damit angefangen hat, dann kann man nicht mehr damit aufhören. Es ist eine Bereicherung.

In Ihrem Buch sprechen Sie vom „DUniversum“ – warum haben Sie diesen Begriff kreiert?

Jeder ist das Zentrum seines Lebens, seines Universums. Es klingt vielleicht ein wenig egoistisch, aber jeder hat seinen eigenen Blickwinkel auf die Welt, seine eigenen Gefühle und Wahrnehmungen. Wenn man sich selbst als das Zentrum seines eigenen Universums wahrnimmt, dann fällt es einem leichter über andere Dinge hinwegzusehen. Dinge die ich nicht ändern kann, muss ich akzeptieren. Ich kann die Situation nicht ändern, aber ich kann entscheiden, wie ich darauf reagiere. Es liegt an mir, ob ich mich davon fertigmachen lasse – das ist Einstellungssache. So ist es auch mit Krankheiten. Ich habe auch eine Autoimmunkrankheit, aber ich lasse davon nicht meine Energie bestimmen. Es gibt viele Dinge über die ich mich ärgern könnte: über meine Haare heute, zum Beispiel. Die schauen aus, als hätte ich in eine Steckdose gegriffen.

Wie sieht Ihr Alltag aus? Sie haben ja mit der Morgenmoderation sowie dem eigenen Yoga-Studio, Beziehung, Familie eine Vielfach-Belastung, nicht wahr? Darf ich das so benennen?

Nennen wir es Vielfach-Leidenschaft. Mein Wecker läutet um 3.45 Uhr, dann geh ich Richtung Badezimmer und mache am Weg dorthin dreimal den Sonnengruß. Dann geh ich ins Badezimmer, dusche mit kaltem Finish. In aller Stille fahre ich dann in die Arbeit und spreche erst an der Kaffeemaschine zum ersten Mal. Da merk ich dann, ob ich heiser bin oder nicht. Nach dem Ö3-Wecker laufen noch die Vorbereitungen für die Sendung am nächsten Tag und dann fahre ich zu Mittag nach Hause oder ich fahre direkt zum Yoga-Studio. Manchmal steht auf meiner To-Do-Liste Buchhaltung oder Badewanne, ich schreibe auch sowas gerne auf. Ich bin ein Listen-Fan. Manchmal steht auch drauf „Nichtstun“.

Könne Sie überhaupt „Nichtstun“?

Das kann ich großartig. Wirklich.

Wo tun Sie das am liebsten?

Zuhause, mit meinen Kindern, mit meinem Freund, wir können das super. Ich habe mir einfach angewöhnt, am Nachmittag einmal wirklich zu entspannen, weil ich seit fast drei Jahren nun das Yoga-Studio habe und am Abend oft noch Stunden gebe. Zwischendurch koche ich meist etwas, damit sich alle etwas nehmen können, wenn sie nach Hause kommen. Das ist oftmals eine große Herausforderung, weil jeder in unserer Familie zu einem anderen Zeitpunkt nach Hause kommt. Natürlich gehe ich sehr früh schlafen. Ich habe zwei Wecker-Wochen pro Monat und sonst Wochenenddienste. Bei Wecker-Dienst geh ich um 21 Uhr ins Bett, wenn ich ganz wild bin, dann um 21.30 Uhr. Ich komme schon auf sechs Stunden Schlaf, mehr oftmals nicht. Da ich aber eine notorische Frühaufsteherin bin, vermutlich durch die 15 Jahre Ö3-Wecker gelernt, steh ich auch an freien Tagen sehr früh auf. Ich schlafe kaum länger als bis sechs Uhr. Die innere Uhr schreit einfach.

Ihrem Gegenüber beim Ö3-Wecker, Moderator Robert Kraktky, sagt man nach, er sei eher grantig, sogar vom Spitznamen „Grantky“ ist die Rede, und er kokettiert auch damit. Hat Sie das zum Gegenpol werden lassen, der energischen, gut gelaunten Partnerin?

Ich finde es wichtig, dass man sich ergänzt, vielleicht macht es das ja auch aus onair. Wenn der eine grantig und der andere gut aufgelegt ist, holt man stimmungstechnisch die einen als auch die anderen Hörer ab, nicht wahr?

„Ein Lächeln führt dazu, dass man dem anderen den Grant oder Wind aus den Segeln nimmt.“

Wie stecken Sie Ihr Gegenüber mit Ihrer guten Laune und Ihrem Optimismus an?

Ein Lächeln führt dazu, dass man dem anderen den Grant oder Wind aus den Segeln nimmt. Bei uns geht es tatsächlich sehr lustig und entspannt im Wecker zu. Lächeln und Lachen machen glücklich. Es regt den Kreislauf an, es aktiviert den Körper. Ein chinesisches Sprichwort meint, dass jedes Lachen das Leben um eine Stunde verlängert, daran glaub ich. Außerdem haben wir ja nur dieses eine Leben.

War das auch der Beweggrund, das zweite Buch zu schreiben?

Ich bin jemand, der das Glas immer halbvoll sieht.

Themen wie die Atmung, Seelennahrung, Energiequelle Luft, Ruhe, Licht – sind das die Parameter, die es für ein glückliches Leben braucht?

Ja, das gehört dazu. Definitiv. Ein gutes Essen lässt einen immer lachen. Ich glaube nicht, dass man freudlos sein kann, wenn einem jemand ein Teller gutes Essen vor die Nase stellt. Genuss ist ein wichtiger Parameter. Das Wichtigste ist, dass man erst einmal selbst herausfindet, was man mag und einem gut tut. Diese Dinge sollte man dann so oft es geht tun. Ich weiß etwa, wenn ich vom Wecker nach Hause komme und die Welt ist sehr laut, dann brauche ich erst einmal Ruhe. Die hole ich mir beim Yoga, bei einer Radfahrt durch den Wald oder ich setze mich auf den Liegestuhl und lasse mir die Sonne auf die Nase scheinen. In dem Moment braucht das der Körper. Das muss man rausfinden und intuitiv zulassen.

Das klingt immer so einfach, aber auch Sie werden das nicht seit jeher erkannt und gelebt haben, oder?

Nein! Bei mir war es meine Autoimmunkrankheit: Lichen Ruber. Das ist eine Entzündung aller Haarwurzeln am Körper und sie kommt in Schüben. Da kannst du nur noch Cortison nehmen und warten, bis es wieder aufhört. Deshalb habe ich eine TCM-Ärztin aufgesucht. Die meinte erst, ich solle meinen Job kündigen. Das habe ich abgelehnt. Dann hat sie geraten, dass ich die Ernährung umstelle und alles weglasse, was entzündungsfördernd ist und so grausliche Tees trinke. Das habe ich gemacht, habe auf Fleisch, Gluten, Zucker und Co verzichtet. Sie hat mich erstmals darauf hingewiesen, dass ich 12 Stunden Aktivität und 12 Stunden Ruhe in meinen Tag bringen soll. Das hatte ich natürlich bei Weitem nicht. Dann beginnt man zu denken. Ihr Vorschlag war, mich jede Woche drei Stunden in die Badewanne zu legen, ich habe das Yoga vorgezogen. Siehe da, nach 30 Tagen ist es besser geworden. Nur Zucker esse ich wieder, weil ohne Schokolade kann ich nicht. Zu 80 Prozent lebe ich heute vegan und das Yoga hat mich auch dazu gebracht, die Ausbildung zu machen. Und heute habe ich ein Yoga-Studio. Drei Yoga-Lehrerinnen, eine Heilmasseurin und eine Psychologin sind auch dabei und bald kann man bei uns auch eine Yoga-Ausbildung machen.

Und die Schübe der Autoimmunkrankheit wurden weniger durch Ihre Bemühungen und den Wechsel des Lebensstils?

Zwei bis dreimal kamen sie noch harmlos zurück, danach war es vorbei. Seit ich so viel Yoga mache schlafe ich aber auch besser, ich reagiere sofort, wenn ich Veränderungen auf der Haut feststelle und ich bin gelassener, es regt mich nichts mehr auf.

Muss immer zuerst etwas passieren im eigenen Leben, um sich zu finden?

Sicher. Es muss einen gewissen Leidensdruck geben, bevor man nachdenkt, etwas zu ändern. Viele Menschen suchen nach Homeoffice, Distance-School, Druck im Beruf und anderen Herausforderungen die Veränderung.

Welche Aufgabe – Radio oder Yoga – machen Sie also am liebsten?

Das sind alles Herzensprojekte. Ich wollte mit 12 Jahren schon beim Radio arbeiten, das war immer ein Traum. Bücher zu schreiben war seit der Volksschule auf der Lebensliste, das Yoga-Studio ist mir irgendwie passiert. Mein Herz hat gesagt, es macht Freude. Und wenn etwas Freude macht, dann ist es gut.

Man sagt, AutorInnen haben fiktive Personen im Kopf, für die sie ein Buch schreiben: Ist das auch bei Ihnen so gewesen? An wen ist es adressiert?

Ich habe geschrieben, was ich lebe. Ich habe an meine Yogis gedacht. Die Zielgruppe sind klarerweise Frauen, die das Gefühl haben, etwas ändern zu wollen und auch in anstrengenden, fordernden Zeiten, sich das Recht zum Glücklichsein herausnehmen wollen. Ich finde, es ist unser Geburtsrecht, glücklich zu sein.

„Es reichen 80 Prozent, um gut zu sein. Selbstoptimierung macht krank, auch der Sportwahn, dem viele Frauen erliegen, nur um schön auszusehen.“

In Ihrem Buch hat mich angesprochen, dass Sie die Frauen nicht optimieren wollen. Noch höher, noch weiter, besseres Mindset, mehr Tagesroutinen, mehr Leistung. Sie schwimmen dabei gegen den Strom.

Das ist nichts für mich, jemanden verbessern zu wollen. Was in unserer Gesellschaft so krank macht, ist eben dieser Selbstoptimierungswahn. Wenn wir die ganze Zeit versuchen wollen, perfekt zu sein, verpassen wir ja, cool zu sein und das zu machen, was wir gerne tun. Es reichen 80 Prozent, um gut zu sein. Selbstoptimierung macht krank, auch der Sportwahn, dem viele Frauen erliegen, nur um schön auszusehen. Ein Beispiel: Ich habe total oft versucht, laufen zu gehen, weil ich in einem Frauenmagazine den Schmäh gelesen habe „Deine Laufroutine in 30 Tagen“. Nur der Punkt ist, ich mag Laufen gar nicht. Es ist nicht schön für mich, ich erreiche auch kein Runnershigh. Das Schönste ist, wenn ich wieder zurück bin. Ich habe keinen Spaß daran, also habe ich beschlossen, es nicht mehr zu tun. Warum soll ich etwas tun, was mich nicht freut? Das Schöne an Yoga: Jede andere Sportart verbraucht Energie, aber Yoga bringt dir mit Atmung und Bewegung Energie zurück, obwohl du deinen Körper bewegst. Deswegen habe ich für Selbstoptimierungs-Ratschläge einfach nichts übrig.

Wie leben Sie diese Erkenntnisse Ihren Kindern vor?

Mein Sohn ist 13, meine Tochter ist 19 Jahre alt. Meine Tochter beschäftigt sich mit Film und Filmschnitt, sie ist mittlerweile auch vegan unterwegs, wie ich. Unser Sohn hat vor, Snowboarder zu werden und ist mit 10 Jahren ins Internat der Michaela Dorfmeister-Schule gegangen, im Herbst startet er in der Freestyle Snowboard Gruppe im Skigymnasium Stams. Meine Mutter ist Aquarellistin, mein Bruder betreibt eine Domain, die „Helden der Freizeit“ heißt, also Sie sehen: Alle gehen irgendwie den Weg, der sie glücklich macht.

Was wünschen Sie sich mit dem Buch zu erreichen?

Es muss niemand alles umsetzen, was da drinsteht. Ich verstehe es als Bausteinsystem – von dem ein bisschen mehr, von dem anderen ein bisschen weniger. Es soll vielmehr eine Inspiration sein, als ein Ratgeber. An irgendeiner Stelle, findet sich jeder wieder. Wenn dazwischen oder am Ende ein Lächeln steht, dann habe ich mein Ziel erreicht.

Womit können Sie der Leserin ein Lächeln auf die Lippen zaubern?

Wenn ich ihr sage, dass die Rezepte, die im Buch sind, alle von mir stammen, aber die Bilder von einer Foodstylistin. Bei mir schaut das irgendwie nie so sensationell aus, also nur ja keinen Stress damit, wenn du auch alles auf einen Teller pappst. Hauptsache du lächelst, weil es so gut schmeckt.

 

Sandras Yoga-Studio: www.yogamotion.at

Sandra König
Auf die Plätze, Lächeln, los!
Wieder mehr Energie für alles, was du liebst.
Kneipp Verlag
27 Euro