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15. Dezember: Ein Bonbon als Weihnachtsgeschenk

Unter vielen Geschenken kann auch ein einzelnes Bonbon einen großen Wert haben. Ein redaktionelles Fundstück aus dem Jahr 1960, das nach wie vor aktuell ist.

Was wünscht du dir?

Die Wünsche, die ein Mensch ausspricht, die Geschenke, die er macht, geben einen guten Einblick in seinen Charakter, in den Grad seines Menschseins, sie zeigen, wie er zu seinem Nächsten steht.

Weihnachten ist bei uns durch den Brauch des Geschenkgebens ein Fest der Nächstenliebe. Was wäre also näherliegender, als dass man diesen Brauch auch in der Erziehung der Kinder ausnützte, um sie zu lehren, weniger an sich selbst und mehr an die anderen zu denken? Aber das, was den Kindern über die Herkunft der Weihnachtsgeschenke erzählt wird, birgt die Gefahr in sich, die Kinder in ihren Wünschen immer unbescheidener zu machen, sie nur auf die eigenen Wünsche zu konzentrieren.

 

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Altes Sprichwort

Bei vielen Erziehungsmaßnahmen dient uns das als Richtschnur. „Man muss sie schon von klein auf dazu anhalten …“ Warum aber lassen viele die günstige Zeit der frühen Kindheit ungenützt vorübergehen, wenn es sich darum handelt, das Weihnachtsfest als Anlass zu nehmen, die Kinder zum richtigen Schenken zu erziehen?

Auf Wünsche eingehen

  1. Zum Schenken gehört wesentlich, selber auf etwas zu verzichten, um andere damit Freude zu machen. Schenken heißt, etwas, das man auch für sich selbst verwenden könnte, also auch das Produkt der eigenen Hände und die Zeit, die man dafür nötig hätte, anderen zu geben. Zum Schenken gehört aber auch das Eingehen auf die Wünsche der anderen. Man muss sich bemühen, dahinter zu kommen, was der andere wünscht oder braucht.
  2. Zu diesem richtigen Schenken müssten wir schon unser Kleinkind erziehen. Ein Bonbon, das es bekommen hat, kann es für den größeren Bruder aufheben als Weihnachtsgeschenk (der Bruder muss auch dieses Geschenk zu würdigen wissen); eine Zeichnung, die es im Kindergarten gemacht hat und voll Stolz nach Hause bringt, kann es für den Vater aufbewahren; eine Mütze, die es gerne trägt, kann es in den Kindergarten bringen, wo für Flüchtlingskinder gesammelt wird, und so weiter …
  3. Wenn das Kleinkind das richtige Schenken lernen soll, dann muss das Geschenk, das es gibt, ihm selber – mitunter vielleicht einen großen – Verzicht und nicht den Eltern Geld kosten.
  4.  Auch zum Eingehen auf die Wünsche anderer müssen wir schon das Kleinkind hinführen. Wenn das Kind etwas gemacht hat, das die Großmutter zum Beispiel besonders bewundert, dann wird man dem Kind sagen: „Der Großmutter hat das so gut gefallen. Das heben wir jetzt auf und du darfst es ihr zu Weihnachten schenken. Dann wird sie sich aber sehr freuen!“

 

Mehr Freude und Dankbarkeit

Wer so zum richtigen Schenken erzogen wurde, wird sich dann aber auch die ihm gemachten Geschenke mit mehr Freude und Dankbarkeit empfangen, weil er die Liebe, die Mühe und den Verzicht, die ein richtiges Geschenk verlangt, kennt und zu schätzen weiß.

Die Pädagogin Hilda Laible schrieb mehrere Jahre für „Welt der Frau“ die Rubrik „Ratschläge für die Kinderstube“. Der Artikel ist gekürzt der Ausgabe 12/1960 entnommen.

Foto: AdobeStock

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