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Das „Österreichische Weltraum Forum“ (ÖWF) schickt Analog-AstronautInnen auf Gletscher oder in die Wüste, um Marsexpeditionen zu simulieren. Die Missionen dienen Forschungszwecken; alles soll genau so sein, als wäre man im All.

Übung macht den Meister, und bevor der Mensch wirklich etwas Schwieriges unternimmt, muss er den Echtfall proben. Wer das Schwimmen lernt, springt nicht direkt ins tiefe Wasser, und die Generalprobe für den Weltraumflug findet besser auf der Erde statt. Das „Österreichische Weltraum Forum“ (ÖWF) mit Sitz in Innsbruck hat sich den Planeten Mars auf die Agenda gesetzt und erforscht die Bedingungen für bemannte Expeditionen dorthin in irdischen Gebieten, die dem Mars ein bisschen ähneln. Die aufwendig geplanten Testläufe fanden bislang etwa auf dem Dachstein oder auf dem Kaunertaler Gletscher statt, in der nördlichen Sahara in Marokko oder der Moab-Wüste in den USA; die letzte Mission mit dem Namen „Amadee 18“ führte in ein Ölförder­gebiet in der Dhofar-Wüste im Oman.

MARS FUNKT AN ERDE
Vier Wochen dauert solch eine Mission in der Regel, und alles wird gespielt, als wäre man wirklich auf dem Mars. „Analog“ – also „so wie“ – verhält sich das 14-köpfige Team im Basislager, das eigens für die Mission aufgebaut wird. Die Crew besteht aus ÄrztInnen, wissenschaftlichem Personal, freiwilligen ­MitarbeiterInnen und sechs Analog-­AstronautInnen, die ein spezielles Training durchlaufen ­haben und den Raumanzug-Simulator tra­gen. Er wiegt 45 Kilo­gramm, und es dauert geschlagene zwei Stunden, ihn anzulegen.

Als Counterpart zum „Mars“ fungiert als „Erdstation“ das Büro des ÖWF in Innsbruck, hier sitzen die KollegInnen vom „Mission Support Center“. Alles, was bei „Amadee 18“ im Oman passiert, wird an die „Erde“ in Innsbruck gefunkt und kommt dort mit einer realistischen Verzögerung von zehn Minuten an – denn so lange würde im Durchschnitt auch eine Nachricht brauchen, die vom Mars aus mit Lichtgeschwindigkeit zur Erde gesendet wird.

Der Tagesablauf im Basislager ist streng getaktet, man wohnt in den Containern, schläft in Doppelkojen, die Aufgaben wechseln. Jeweils zwei der Crewmitglieder sind fürs Kochen abgestellt; nach dem Frühstück werden die Analog-AstronautInnen medizinisch untersucht und für ihren Einsatz fertig gemacht. Inzwischen erfährt das Kontrollzentrum in Innsbruck alles über die jeweiligen Arbeits­schritte, bis es heißt: „Ready for EVA“, bereit für die „extra vehicular ­acitvity“ – es kann nach draußen gehen.

Lesen Sie den gesamten Text in der Printausgabe.

Carmen Köhler ist bislang die einzige Frau, die den „Aouda“-Raumanzug-Simulator tragen darf. Ihn anzulegen dauert zwei Stunden.

Mit Quads, vierrädrigen Motorrädern, fährt die Crew zum jeweiligen Einsatzgebiet, das vorher schon von MitarbeiterInnen oder mithilfe von Drohnen erkundet worden ist.

In der Dhofar-Wüste untersuchen die AstronautInnen Gesteinsformationen, die denen auf dem Mars ähnlich sein könnten. Außentemperatur: 37 °C.

Mitten im Nichts: Das Basislager „Kepler Station“ dient als Unterkunft für die Crew. Verlassen darf man die Station nur tagsüber, nur zu zweit und mit Funkgerät ausgestattet.

Blick zum Mond, auf dem der Mensch immerhin schon einmal war. Simulationen helfen, zukünftige bemannte Marsmissionen vorzubereiten.

Körperlich und mental fit müssen sie sein: die Analog-AstronautInnen der „Amadee 18“-Mission.

Abenteuer Mars-Mission

Die Mission „Amadee 18“ fand im Februar 2018 in der Arabischen Wüste im Oman statt. Einen Monat lang testete ein internationales 14-­köpfiges Team hier, wie AstronautInnen sich auf dem Mars verhalten würden; sie ent­nahmen Bodenproben, untersuchten Teamverhalten und testeten technische Geräte. Bislang hat das ÖWF zwölf solcher Simulationen durch­geführt, die nächste wird 2020 in Israel stattfinden. Der Name „Amadee“ ist eine Anspielung auf Wolfgang Amadeus Mozart und Hinweis darauf, dass die Initiative aus Österreich stammt. oewf.org.

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