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Wir erforschen die Welt

Sie sind wissbegierig, ausdauernd und engagieren sich mit Feuereifer für den Fortschritt und die Weiterentwicklung der Gesellschaft: junge Frauen in der Wissenschaft. Wir stellen österreichische Talente vor, die bereits jetzt von sich reden machen.

Weltraumforscherin Monika Lendl (33)

Ich entdecke Planeten und fremde Sterne

#Meine Stärke: Ausdauer! Oft forsche ich umsonst, weil das Wetter bei der Erhebung der Daten schlecht war. Man muss immerzu probieren und auch scheitern können.

#Interessen: Bergsteigen und Sterne beobachten an den weltweit größten Teleskopen in der chilenischen Atacama-Wüste. Der Himmel über den 2.600 Meter hohen Bergen ist gigantisch.

#Idole: Noch in den 1960ern waren Wissenschaftlerinnen an manchen Teleskopen nicht erlaubt. Vorbilder sind für mich daher jene, die es mit Sturheit und Selbstsicherheit trotz widrigster Umstände geschafft haben, relevante Beiträge in der Weltraumforschung zu leisten.

#Utopie und Realität: Noch gibt es keine Technik, um mit Lichtgeschwindigkeit zu reisen und zu Exoplaneten zu fliegen. Aber es braucht verrückte Ideen, um vorwärts zu kommen. In der Serie „Star Trek“ wurden fantastische Technologien gezeigt, die es heute tatsächlich gibt. Ich würde gerne einen Minisatelliten zum nächsten Sonnensystem schicken, nach Alpha Centauri. In 100 Jahren sollte das realisierbar sein.

#Neue Heimat: Viele Menschen glauben, sie könnten auf einen Erdzwilling übersiedeln, falls die Erde einmal nicht mehr bewohnbar ist. Das können sie vergessen! Momentan haben wir keine Alternative. Wir müssen unseren Planeten lebensfähig erhalten.

#Erkenntnis: Unsere Forschungsergebnisse sagen jetzt schon viel über unseren Platz im Universum aus. Wir Menschen nehmen uns sehr wichtig. Dabei existieren wir nur in einem kleinen Spiralarm der Milchstraße, wir befinden uns irgendwo zwischen Abermilliarden Sternensystemen und Galaxien.

150 Planeten hat Astronomin Monika Lendl schon mitentdeckt. Am Grazer Institut für Weltraumforschung beobachtet die Salzburgerin „heiße Jupiter“ und arbeitet an der Satellitenmission „Cheops“, die Ende 2018 startet, um erdähnliche Planeten zu entdecken.

Polarmeerforscherin Renate Degen (41)

Ich unter­suche Leben am Boden der Polarmeere

#Mein Anliegen: In der Arktis sehen wir die drastischen Auswirkungen des Klima­wandels. Das Eis geht zurück. 2035 wird die Arktis wahrscheinlich im Sommer eisfrei sein! Manche Leute wollen das nicht wahrhaben. Wir liefern Fakten.

#Aufgabe: Ich zeige, wie sich der Klimawandel auf die Bodenlebewesen im arktischen Meer auswirkt. Zuerst nehme ich Proben vom Meeresboden und analysiere sie im Labor. Meine wissenschaftlichen Erkenntnisse veröffentliche ich dann in Fachzeitschriften. Außerdem unterrichte ich StudentInnen. Mein derzeitiges Projekt beinhaltet keine Feldforschung. Leider. Deswegen arbeite ich zurzeit hauptsächlich am Computer.

#Mich fasziniert: Das Meer, der größte zusammenhängende Lebensraum unseres Planeten. Vor allem interessant sind Polarmeere, wo sich alles rasant verändert.

#Forschungsreisen: Die längste führte mich auf einem Eisbrecher namens „Polarstern“ für zehn Wochen in die zentrale Arktis. Im Sommer ist es am Nordpol ganz angenehm, da hat es um die null Grad.

#KollegInnen: Auf dem Schiff ist Zusammenarbeit sehr wichtig. Man ist mit extremen Situationen konfrontiert. In der zentralen Arktis kann es sehr nebelig sein. Und wegen der Eisbären muss immer jemand bewaffnet Wache halten. Wir müssen uns wirklich aufeinander verlassen können.

#Vorbild: Monika Bright. Sie beschäftigt sich mit Tiefseeökosystemen und ist eine von jenen zwei Professorinnen, die es an der biologischen Fakultät in Wien gibt. Ich durfte meine Masterarbeit bei ihr schreiben.

Renate Degen ist Meeresbiologin an der Uni Wien und leitet das Projekt „Benthische Ökosystem-Funktionen arktischer Schelfs, Hänge und Tiefseebecken“. 2016 erhielt sie das Hertha-Firnberg-Stipendium für hervorragend qualifizierte Wissenschaftlerinnen.

Svenja Springer (31),  Forscherin im Bereich der veterinärmedizinischen Ethik

Es geht um Euthanasie bei Tieren

#Aufgabe: Ich untersuche, welche ethisch-moralischen Heraus­forderungen und Konfliktfelder für VeterinärmedizinerInnen bei der Euthanasie von Haustieren oder bei der Verwendung moderner Technologien in der Kleintiermedizin entstehen.

#Status des Tieres: Haustiere wie Hunde und Katzen haben heute eine ganz andere Stellung in unserer Gesellschaft als noch vor 20 Jahren. Oft werden sie als vollwertige Familienmitglieder betrachtet. Das wirft viele Fragen auf: Wie wirkt sich der Wandel in der Mensch-Tier-Beziehung auf die veterinärmedizinische Praxis aus? Warum werden Hausschweine oder Haushühner als Nutztiere anders behandelt?

#Haustier: Ich habe keines. Eine gute Betreuung ließe sich zeitlich mit meinem Beruf nur schwer vereinbaren. Dafür wuchs ich als Kind mit einem Kleinzoo auf: Hunde, Katzen, Hamster, Kaninchen, Vögel und Meerschweinchen.

#Engagement: Mindestens einmal im Monat versorge ich ehrenamtlich im Wiener „Neunerhaus“ Haustiere von Obdachlosen. Für Menschen in dieser Situation sind Tiere als Bezugswesen enorm wichtig.

#Meine Stärke: Die Fähigkeit, ohne Scheu um Hilfe und Rat bei erfahrenen KollegInnen und ProfessorInnen zu fragen, wenn ich nicht weiterkomme.

#Forschungsstandort Österreich: Ich würde gern in Wien bleiben, bin aber auch offen für andere europäische Länder, die Forschungszentren aufbauen.

Die Veterinärmedizinerin Svenja Springer  ist Stipendiatin und Doktorandin am Messerli-Forschungs­institut und wird ihre Arbeit mit einem „double PhD degree“ der Universität Kopenhagen abschließen.  Das Projekt wird vom Österreichischen ­Wissenschaftsfonds ­gefördert.

Weitere spannende Porträts finden Sie in der Printausgabe.

Erschienen in „Welt der Frauen“ 05/18

Fotos: Christian Jungwirth, Lukas Beck