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Mit Geld nicht aufzuwiegen

Ob Hospiz, Notschlafstelle oder Telefonseelsorge: Karitative Organisationen leisten einen wertvollen Beitrag für Bedürftige und die Gesellschaft. Getragen werden diese Hilfseinrichtungen von einer Schar engagierter Ehrenamtlicher. Sie freuen sich über Unterstützung.

Ehrenamtliche bringen einen ganz wesentlichen Aspekt der Lebensqualität für Bewohnerinnen und Bewohner und Hospizgäste ein“, erzählt Karin Weiler von der Schwestern­gemeinschaft Caritas Socialis. Sie ist im CS Hospiz Rennweg für den Bereich Ehren­amt verantwortlich. Insgesamt bereichern 500 ehrenamtlich Engagierte in Zusammenspiel mit Hauptamtlichen den Alltag der Einrichtungen der ­Caritas ­Socialis. Ein gewaltiger Einsatz. Landesweit sind insgesamt 2,3 ­Millionen Österreich­erinnen und Österreicher ehren­amtlich tätig. Ohne sie wäre die Gesellschaft nicht nur um einiges ärmer, sondern das Leben der Schwächsten würde auch ganz anders aussehen.

Damit sich karitative Organisationen für bedürftige Menschen starkmachen können, braucht es tatkräftige Unterstützerinnen und Unterstützer. Wesentlich ist, dass diesen über die Jahre im Einsatz für Bedürftige nicht die Kraft ausgeht, deshalb ist ein gutes Zusammenspiel mit den hauptamtlich Tätigen wichtig. Koordinatorinnen und Koordinatoren klären den Einsatz der Ehrenamtlichen und sorgen für Aus- und Fortbildung, Supervision und die nötige Einbindung durch Information und Austausch. Sie schaffen Raum und gute Bedingungen, sie geben Halt und Stärkung, damit die Engagierten Menschenleben stärken können.

Was stützt Ehrenamtliche sonst noch? Da wären einerseits die Anerkennung und die Sichtbarkeit durch sinnstiftende ­Arbeit. Zusätzlich sind Impulse und auch der persönliche Glaube wichtig. Wie wertvoll und nachhaltig aber auch der richtige Lesestoff sein kann, zeigen folgende ­Beispiele: „,Welt der Frauen‘ stärkt mich in den ­Pausen, weil ich mich über die ­Geschichten mit ­anderen engagierten Frauen ­verbunden fühle“, erzählt Telefonseelsorgerin ­Elisabeth Gehardus-­Rennmayr (Porträt Seite 49). Daniela Schuster, Projektmanagerin bei „Welt der Frauen“ und ehrenamtlich im Hospiz ­engagiert, berichtet, dass ihr die Angehörigen einer Patientin erzählten, Artikel aus „Welt der Frauen“ hätten ­ihnen in der Zeit des Abschiednehmens sehr ­geholfen.

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Neu: Die große„Welt der Frauen“-Abo-Spendenaktion

Unterstützen Sie gemeinsam mit „Welt der Frauen“ karitative Organisationen, die sich für die Schwächsten der Gesellschaft starkmachen. Gemeinsam können wir Betreuende wie Betreute durch eine Abo-Spende unterstützen – damit ihnen nicht die Kraft ausgeht. MEHR DAZU

„Danke, jetzt geht es mir besser!“

Spendenabos für TelefonSeelsorge

Unter der gebührenfreien Nummer 142 haben Ehren­amtliche rund um die Uhr ein offenes Ohr für Hilfesuchende.

Einsamkeit und Selbstmord­­gedan­ken, Verzweiflung und Verbit­te­rung, Betrug und Burn-out, Arbeits­losigkeit und Mobbing, sexueller Missbrauch und Entfremdung von der Familie oder von Freunden – wenn das Telefon klingelt, müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ­TelefonSeelsorge auf alles gefasst sein. Zuhören heißt es dann, Trost spenden, Mut zusprechen, Hilfe organisieren und auf keinen Fall auflegen. Denn ein bekanntes Sprichwort sagt nicht umsonst: „Reden befreit die Seele.“ Viele Ehrenamtliche scheiden nach drei Jahren, das ist die Mindestzeit, zu der sie sich nach der Ausbildung verpflichten, wieder aus; die Belastung ist trotz regelmäßiger Supervision einfach zu hoch.

Elisabeth Gerhardus-Rennmayr (59) gehört zu jenen, die die Dienste gut bewältigen: „Man sollte Lebenserfahrung mitbringen und selbst Krisen bewältigt haben“, erklärt sie. Und sicher hilft ihr auch, dass sie viele Jahre als Sozialpädagogin tätig war, bevor sie in der Altersteilzeit und der Vorbereitung auf die Pension die Ausbildung zur ehrenamtlichen Telefonseelsorgerin absolviert hat.

Gerade in der Coronazeit sind die Leute noch einsamer als gewöhnlich.
Elisabeth Gerhardus-Rennmayr
Elisabeth Gerhardus-Rennmayr

Ihr Onkel hatte sie dazu ermutigt, ihr Mann und ihr Umfeld unterstützen ihr Engagement. Dieser Rückhalt gibt ihr Kraft. Seit einem Jahr nimmt die gebürtige Mühlviertlerin nun Anrufe unter der Nummer 142 entgegen, 16 Stunden im Monat. Leerläufe sind während der Dienste selten. Zum Teil werde sie für ihr Ehrenamt auch belächelt. „Die Anerkennung in der Gesellschaft könnte größer sein“, sagt sie. Denn es ist nicht einfach, wenn Anruferinnen und Anrufer sie beispielsweise mit Suizidgedanken konfrontieren: „Dann muss ich schlucken. Aber wir stellen diesen Menschen dann konkrete Fragen und versuchen, in Beziehung zu bleiben.“
Wie es mit und für die Hilfesuchenden nach dem anonymen und doch so tief persönlichen Gespräch weitergeht, erfahren die Telefonseelsorgerinnen und -seelsorger nicht. Oft bleibt ein großes Fragezeichen. Es gebe aber auch gute Verabschiedungen, sagt Elisabeth ­Gerhardus-Rennmayr: „Manche Hilfesuchende sagen: ‚Danke für das Gespräch, jetzt geht es mir besser.‘ Wenn ich dann höre, dass ihre Stimme lebendiger und die Stimmung besser wird, ist das wie ein Lichtblick für mich.“

Seelsorge am Telefon

TelefonSeelsorge 142Jemand hört dir zu: Seit 1966 steht die TelefonSeelsorge in Österreich Menschen in ­schwierigen Lebenssituationen bei. Mehr als 800 ehrenamt­liche MitarbeiterInnen engagieren sich rund um die Uhr für all jene, die sonst kein offenes Ohr für ihre Nöte finden. Der Einsatz setzt Lebenserfahrung, Einfühlungsvermögen und hohe fachliche Kompetenz voraus. Mitzubringen sind Offenheit für andere Menschen und deren Sorgen, Stabilität in Krisen und Belastbarkeit.
Telefon: 142, Chat und Beratung per E-Mail sowie Information über das Ehrenamt: www.telefonseelsorge.at

Dem Loslassen Raum und Zeit geben

Spendenabos für CS Hospiz

Im CS Hospiz Rennweg nehmen Schwerkranke Abschied vom Leben und von ihren Angehörigen. Und sie werden dabei nicht alleingelassen.

Wenn sie das vertraute ­Läuten der Zimmerglocke hört, beginnt für Andrea Buchecker (52) der Dienst im Hospiz der Caritas Socialis in Wien. Denn dann braucht ein unheilbar kranker Mensch Beistand und Hilfe – und beides leistet die Wienerin gerne. Mit einem „Guten ­Morgen“ tritt sie ins Zimmer und packt an, wo es gerade nötig ist: Sie reicht ein Handtuch, schüttelt Polster auf oder setzt sich für ein Gespräch ans Bett.

Wenn sich etwas verbessern soll, muss ich damit anfangen.
Andrea Buchecker
Andrea Buchecker

Wo vielen anderen die Sprache fehlt, versucht Andrea Buchecker die richtigen Worte zu finden. Das war nicht immer so. Die Krebsdiagnose einer Freundin veränderte nicht nur deren Leben, sondern auch das der voll im Berufsleben stehenden Verkaufsleiterin. Nach dem ersten Schock über die Nachricht besuchte Buchecker, Mutter zweier erwachsener Kinder, den Lehrgang „Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung“ im Kardinal König Haus, um ihre Freundin zu unterstützen. „Die Beschäftigung mit dem Sterben ist sehr wichtig, doch der Tod hat in der Gesellschaft keinen Platz“, sagt Andrea Buchecker. Ganz anders hat sie das als Kind im Südburgenland erlebt: „Da waren die Toten daheim aufgebahrt. Wir haben Kerzen angezündet, gebetet, geweint, gelacht.“

Durchschnittlich 16 Tage dauert das Abschiednehmen im CS Hospiz. Doch auch in dieser kurzen Zeit könne man eine Beziehung aufbauen und sogar gemeinsam lachen. „Ohne Empathie geht Hospizarbeit freilich nicht. Anpacken sollte man schon können und sich das auch ohne Scheu zutrauen.“ Zugegeben: Das Ehrenamt kostet Andrea Buchecker und ihre Kolleginnen viel Kraft. „Doch die Augen leuchten oft, bevor jemand einschläft. Und die Angehörigen sind unendlich dankbar“, sagt sie.

Ihre Freundin ist mit nur 46 Jahren der Krebserkrankung erlegen. Doch sie hat Andrea Buchecker ein Vermächtnis hinterlassen: „Sie war die Initialzündung für meine Arbeit in der Hospizbegleitung! Und sie meinte fast anerkennend zu mir: ‚Ich könnte das nicht!‘“

Sterben ist nicht einsam

Caritas Socialis Hospiz RennwegLebensqualität bis zuletzt: Das CS Hospiz Rennweg ist Teil des Dachverbandes Hospiz Österreich mit rund 370 Hospiz- und Palliativeinrichtungen. Vor­aussetzung für die ehren­amtliche Mitarbeit ist ein Mindest­alter von 16 Jahren und der Besuch des Kurses „Einführung in die Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung“. Das Team, darunter mehr als 100 Ehrenamtliche, engagiert sich nach dem Leitsatz „Der Kostbarkeit des Lebens im Sterben achtsam Raum und Zeit geben“.
Information über das Ehrenamt: www.cs.at und www.hospiz.at

Auch ein Lächeln ist ein Geschenk

Spendenabos für VinziPort

In der Notschlafstelle „VinziPort“ finden Wohnungslose ein Bett und Menschen, die für sie da sind.

Wäsche waschen, den Computer benutzen oder sich einfach nur einmal unterhalten, ohne ständig auf das wenige Hab und Gut aufpassen zu müssen, das vom einstigen Leben geblieben ist: Dieses bisschen Normalität bieten Organisationen wie die „VinziWerke“ für Obdachlose. Doch jetzt ist der Winter da. Und mit ihm kommt nicht nur die Kälte, sondern es steigen auch die Corona-­Infektionszahlen erheblich. Durch die Pandemie-Sicherheitsmaßnahmen stehen in den Einrichtungen nicht nur weniger Schlafplätze zur Verfügung – im „VinziPort“ sind es derzeit 30 statt 55 –, auch die Betreuung durch Ehrenamtliche ist schwieriger geworden, jetzt, da viele ältere UnterstützerInnen aus Sorge vor einer Ansteckung zu Hause bleiben.

Aber es gibt junge engagierte Leute, die beherzt mithelfen wie zum Beispiel Samra Sarajlic (28). 2018 hatte die Studentin der Sozialen Arbeit über die Plattform „NGO-Jobs“ nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit gesucht. Gleich nach dem ersten Schnupperdienst im „VinziPort“ war klar, dass sie bleiben wollte – auch wenn ihre Eltern zunächst skeptisch waren.

Samra Sarajlic
Man muss eigentlich nur Mensch sein und bereit sein, etwas zu tun
Samra Sarajlic

Vier bis sechs Dienste übernimmt Samra Sarajlic seither pro Monat in der Notschlafstelle: Um 17.45 Uhr beginnt die Übergabe, um 18 Uhr treffen die ersten Bewohner ein. „Viele von ihnen kenne ich bereits. Sie zahlen 2 Euro für die Nacht und das Essen. Ich bin als Ansprechperson für Bettwäsche, bei Konflikten mit dem Zimmernachbarn oder Fragen nach der nächsten Arztpraxis da.“ Wichtig sei vor allem, zuzuhören: „Viele haben ein unglaubliches Redebedürfnis. Ihr Leben ohne fixes Zuhause macht sie einsam – zumal viele aus anderen EU-Ländern kommen und kein soziales Netz haben.“

Die Corona-Pandemie macht den ehrenamtlichen Einsatz um vieles schwerer. „Obdachsuchende abweisen zu müssen, ist hart – auch wenn wir natürlich versuchen, sie in anderen Einrichtungen unterzubringen“, sagt Sarajlic. Kraft schöpft die Studentin aus der erfahrenen Dankbarkeit: „Jedes Lächeln ist ein Geschenk, manchmal bekomme ich sogar Obst.“ Und Samra Sarajlic wünscht sich, „dass die Thematik ,Wohnungslosigkeit‘ in der Gesellschaft und der Politik mehr Raum bekommt. Wohnungslose sind keine Schmarotzer.“•

Armut hat viele Gesichter

Achtung und Würde für Obdach­lose: 40 „VinziWerke“ wurden in den letzten 30 Jahren durch die Vinzenzgemeinschaft Eggenberg auf Initiative von Pfarrer Wolfgang Pucher gegründet. Das Besondere: Obdachlose und alkoholkranke Männer und Frauen werden so angenommen, wie sie sind. Derzeit helfen über 800 Ehrenamtliche in den„VinziWerken“ mit. Sie sind Teil der weltweiten Vinzenzbewegung, einer der größten Laiengruppen, die sich für Menschen in Armut und Not einsetzen.

VinziWerke

Information über das Ehrenamt: www.vinzi.at

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Welt der Frauen Dezember 2020Erschienen in „Welt der Frauen“ Dezember 2020

Ein kostenloses Testabo können Sie hier bestellen.

Fotos: Petra Hadac, privat, Alexandra Grill

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