Brustkrebs ist für viele Frauen nach wie vor ein schwieriges Thema. Gynäkologin und Brustkrebsexpertin Gunda Pristauz-Telsnigg räumt für uns mit den geläufigsten Mythen auf.
Brustkrebs wird immer vererbt.
Nein. Es wird zwischen „sporadischem“ und „vererbbarem“ Brustkrebs unterschieden. Beim sporadischen Brustkrebs wissen wir nach wie vor nicht, warum so viele Frauen daran erkranken, es gibt aber meist eine familiäre Häufung. Wenn also jemand in der Familie erkrankt ist, haben die Nachkommen ein um ein paar Prozent erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Anders ist es beim vererbten Brustkrebs, hier liegt der Fehler in den Erbinformationen, wird also über die Gene weitergegeben.
Brustkrebs kann nur von Frauen vererbt werden.
Das ist falsch. Die bekanntesten Gene, die für Brustkrebs verantwortlich sind, BRCA1 und BRCA2, trägt jeder Mensch in sich, sie sind also geschlechtsunabhängig. Diese Gene sind zuerst einmal gut, sie schützen die Zelle. Erst wenn sie mutieren, also sich verändern und fehlerhaft sind, werden sie gefährlich. Dieser Gendefekt kann von der Mutter, aber auch vom Vater an die Nachkommen weitergegeben werden.
Brustkrebs können nur Frauen bekommen.
Nein, auch Männer können an Brustkrebs erkranken, speziell an der genetischen Form.
Die Brustkrebsgene können positiv beeinflusst werden.
Das ist ein großes Thema der Wissenschaft. In der sogenannten Epigenetik wird erforscht, wie Gene durch Umwelteinflüsse verändert werden können, es gibt aber hierzu noch keine validen Daten. Studien zeigen, dass Sport einen guten Einfluss auf Gene hat und Alkoholkonsum sich negativ auf sie auswirkt.
Frauen, die aus einer Risikofamilie kommen, sollten sich, wie prominente Frauen es auch gemacht haben, vorsorglich die Brust amputieren lassen.
Erstens: Es werden keine Brüste amputiert, sondern die Brustdrüsen werden ohne Hautmantel entfernt, danach kann die Brust rekonstruiert werden. Wenn eine Frau fehlerhafte Gene in sich trägt, liegt das Risiko, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken, bei 80 Prozent. Das bedeutet, dass acht von zehn Frauen, die kranke Gene in sich tragen, erkranken. Viele Frauen wollen nicht warten, bis es so weit ist. Und das Entfernen der Brustdrüsen ist der größte Schutz.
Frauen unter 40 Jahren bekommen keinen Brustkrebs.
Beim sporadischen Brustkrebs liegt der Altersgipfel bei 65 Jahren. In jungen Lebensjahren tritt er selten auf. Das heißt jedoch nicht, dass eine junge Frau nicht betroff en sein kann; aber die Mehrheit der Frauen erkrankt hier im Alter zwischen 60 und 65 Jahren.
Die Strahlenbelastung bei einer Mammografie richtet mehr Schaden an, als sie Nutzen hat.
Das Mammografiescreening hat, wenn es flächendeckend durchgeführt wird, einen Nutzen. Die Bestrahlung bei einer modernen Mammografie ist so hoch wie bei einem Langstreckenflug, etwa in die USA; und kaum jemand denkt vor einem Flug an die Strahlenbelastung.
Die Strahlen von Smartphones oder aluminiumhaltige Deodorants verursachen Brustkrebs.
Es gibt wissenschaftlich keine Hinweise, dass Smartphones Brustkrebs verursachen. Das Gerücht, dass aluminiumhaltige Deosprays Brustkrebs verursachen, hält sich ebenfalls hartnäckig. Aber auch hierfür gibt es keine Beweise.
Bestimmte Hormone steigern das Risiko.
Es kommt darauf an, wie lange Hormone eingenommen werden, aber es stimmt, dass die Hormone etwa einer Antibabypille bei Langzeiteinnahme das Brustkrebsrisiko steigern. Stillen wiederum senkt die Gefahr. Das hat einen einfachen Grund: Die Hormonschwankungen, die während eines Monatszyklus auftreten, etwa bei Östrogen und Gestagen, beeinflussen unsere Brustdrüsen. Während der Schwangerschaft und des Stillens bleibt die Regelblutung aus, also auch die typischen Hormonbelastungen.
Weil junge Frauen kaum an Brustkrebs erkranken, findet die Vorsorge-Tastuntersuchung bei dem/der Gynäkolog:in nicht immer statt.
Die Tastuntersuchung der Brust sollte bei der Kontrolle des Gynäkologen, der Gynäkologin immer stattfinden. Viel wichtiger ist aber, sich einmal im Monat selbst untersuchen, bestenfalls kurz nach der Regelblutung. Mit beiden Händen, um einen möglichen Knoten nicht wegzuschieben, sollte die Brust vom Schlüsselbein bis zum Rippenbogen abgetastet werden. Die Lymphbahnen der Achselhöhlen sollten nicht vergessen werden. Auch Dellen in der Brust oder Veränderungen der Brustwarzen können Hinweise sein. Frauen kennen ihre Brust am besten. Wenn sie das Gefühl haben, dass sich etwas nicht normal anfühlt, sollten sie sich untersuchen lassen.
Transparenzhinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im Jahr 2023.
