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01-02/24

Gedicht: Das Schicksal der Vanillekipferl

Gedicht: Das Schicksal der Vanillekipferl
Foto: AdobeStock

Lyrische Vorfreude: ein exklusives Gedicht des österreichischen Schriftstellers Alexander Peer.

Das Schicksal der Vanillekipferl

Dank der weißen
Nasenspitze
entlarvt man sie rasch.

Sie, die sich in die
Küche schleicht am Abend
vor dem Heiligen Abend.

Listig hockt sie
unterm Tisch,
verborgen durch die Decke.

Nur ihr Atem verriete sie,
würde jemand lauschen.
Hier wartet sie,
bis das Licht ausgeht.

Dann lugt sie hervor,
vergewissert sich und
ist mit einem Satz am Tatort.

Glühend langt sie
auf die Teller, greift in Schüsseln,
pudert sich die Nase
und schon verschwinden
Kokosbusserln, Zimtsterne und
Vanillekipferl.

Die Plünderung zaubert
ihr rote Backen ins Gesicht.
Ein weiteres Indiz!
An den Nasen erkennt man Übereifrige,
diese Zuckerspur vereitelt jedes Alibi!

Die Strafe allerdings ist süß.
Die Mama wischt sanft
über ihr bestäubtes Näschen.
Dann gibt sie ihr ein
halb tadelndes,
halb stolzes Bussi
auf die Wangen.
Links und rechts,
denn glänzen sie so rot,
kann die Mama einfach nicht widerstehen.



Foto: Stefan Müller

Alexander Peer

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  • Veröffentlicht: 23.11.2023
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