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Ausgabe
01-02/23

Für den Frieden

Für den Frieden

Wir alle können etwas dafür tun, dass es auf unserer Welt etwas friedlicher zugeht. So wie diese drei Frauen, die sich für inneres und zwischenmenschliches Wohlergehen einsetzen.

„Friede entsteht, wenn sich Körper, Geist und Seele beruhigen“
Angela Cooper aus Wien bringt als Qigong- Ausbilderin anderen Menschen bei, inneren Frieden zu finden

Wer jeden Morgen Zeit fürs Duschen und Zähne putzen hat, kann sich auch jeden Tag ein paar Minuten Zeit für seinen inneren Frieden nehmen, finde ich. Deshalb starte ich seit vielen Jahren mit Qigong in den Tag, einer Bewegungs-, Atem- und Meditationskunst aus dem alten China, bei der man in einer meist aufrechten Haltung sanfte und fließende Bewegungen ausführt, während man ruhig und tief atmet und sich auf verschiedene vorgestellte Bilder konzentriert. Auf sich langsam drehende Windmühlen etwa, auf eine Blume, die sich sachte hin und herwiegt. Oder auf die Sonne, die das Meer zum Funkeln bringt. Kennengelernt habe ich Qigong vor mehr als 20 Jahren. Bei einem Spaziergang am See sah ich eine Frau, die am Ufer langsam ihre Arme durch die Luft gleiten ließ. Als Tänzerin und Tanzlehrerin hatte ich schon viele Bewegungsformen kennengelernt und gesehen, aber diese Frau hat mich total fasziniert: Ihre Bewegungen waren so elegant und geschmeidig, so sanft und kraftvoll zugleich! Ich blieb stehen und kam mit ihr ins Gespräch. So begann meine Faszination für Qigong. Ich meldete mich für ein Seminar an und war begeistert, wie ruhig und friedlich ich mich während dessen fühlte. Wenig später entschied ich mich, eine Ausbildung zu machen, und begann, Qigong zu unterrichten. Seit 2006 bilde ich andere zu Qigong-Lehrenden aus. Außerdem biete ich seit einigen Jahren auf meiner Website und über YouTube kostenlose Qigong-Videos an. Denn ich möchte so vielen Menschen wie möglich zeigen, wie sie auf einfache Weise inneren Frieden finden und damit auch den zwischenmenschlichen Frieden stärken können. Qigong wirkt wie eine Meditation: Körper, Geist und Psyche beruhigen sich. Wer Qigong regelmäßig praktiziert, wird gelassener, ist deshalb besser gegen Stress gewappnet und reagiert in Konflikten friedlicher. Mit solch einer entspannten Grundhaltung wird es auch einfacher, achtsam und liebevoll mit sich selbst und anderen umzugehen. Ich bekomme viel positives Feedback zu meinen Angeboten. Neulich schrieb mir ein Mann, dass er mithilfe meiner Videos schon seit einiger Zeit Qigong praktiziere und dass nun auch seine Frau mitmache. Das habe den beiden geholfen, ihre Ehekrise zu überwinden. Und eine Frau, die sich sehr alleine fühlte, erzählte mir, dass ihr meine Qigong-Übungen ein friedliches Gefühl von Verbundenheit schenken. Es macht mich jedes Mal glücklich, wenn ich so etwas höre oder lese. Weil es mir zeigt, dass jede und jeder von uns die Möglichkeit hat, mehr Frieden ins Leben zu bringen.

„Ein friedvolles Miteinander braucht Empathie.“
Unsere Sprache kann Menschen trennen – und verbinden. Wie das gelingt, erklärt Kommunikationstrainerin Astrid Miller aus Ottnang am Hausruck.

Tief in unserem Herzen eint uns alle das gleiche Bedürfnis: Wir wollen wertgeschätzt und geliebt werden, sehnen uns nach Harmonie und Frieden, Verständnis und Verbindung. Aber unsere Sprache führt uns oft in eine andere Richtung. Wir bewerten ständig, verurteilen uns und andere, so entstehen Vorwürfe und Streit. Der amerikanische Psychologe Marshall Rosenberg hat deshalb ein Konzept entwickelt, wie wir mit unserer Sprache für mehr Empathie und Verbindung und damit für mehr Frieden in zwischenmenschlichen Beziehungen sorgen können: die Gewaltfreie Kommunikation (kurz GFK). Erstmals begegnet ist mir die GFK vor zehn Jahren in meiner Ausbildung zur Kommunikationstrainerin. Ich war gleich angetan von dieser friedlichen Art, zu sprechen, und habe mich in den nächsten Jahren dann zur GFK-Trainerin ausbilden lassen. Mittlerweile biete ich in Firmen, Schulen, Krankenhäusern und anderen Einrichtungen Schulungen an, halte Vorträge und zeige auch in persönlichen Beratungen, wie wir Konflikte mithilfe der Gewaltfreien Kommunikation friedlich lösen können. Dabei gehen wir in vier Schritten vor. Zunächst sprechen wir mit unserem Gegenüber über das, was geschehen ist, aber nicht wertend, sondern wie eine neutrale Beobachterin. Dann ergänzen wir, wie wir uns dabei gefühlt haben. Im nächsten Schritt können wir dann über unser Bedürfnis sprechen und zuletzt formulieren wir diesbezüglich eine Bitte. Mit etwas Übung denken wir über die vier Schritte irgendwann nicht mehr nach und formulieren sie in einem Fluss. Dann klingt eine Reaktion zum Beispiel so: „Wir haben uns gerade gestritten, weil wir unterschiedliche Meinungen haben. Ich bin traurig, da ich mir Harmonie wünsche. Können wir bitte noch mal in Ruhe darüber sprechen und uns gegenseitig ausreden lassen?“ Manchmal befürchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer meiner Grundkurse, dass das etwas künstlich klingt und sie auf Unverständnis beim Gegenüber stoßen: „Was denken die anderen von mir, wenn ich in einem Streit plötzlich so rede?“ Ich kann diese Sorge gut verstehen. Es fühlt sich für manche fremd an, so zu sprechen. Wir sind eine andere Sprache gewohnt. Aber was soll passieren? Ich bin in all den Jahren nie auf Abwehr gestoßen, ganz im Gegenteil: Die meisten Menschen sind dankbar für diese ehrliche und wertschätzende Kommunikation und die Verbindung, die dabei entsteht. Und auch ich bin sehr glücklich, dass mich mein Weg zur GFK geführt hat!

„Im freien Spiel entsteht eine wundervoll Friedliche Stimmung.“
Franziska Ebner-Ptok aus der Nähe von Klagenfurt am Wörthersee unterstützt Eltern dabei, ein achtsames Familienleben zu führen.

Frieden ist für mich ein warmes Gefühl, eine Mischung aus Liebe und Geborgenheit, Schutz und Verbundenheit. Und je früher ein Mensch dieses Gefühl in sich spürt, umso besser. Deshalb möchte ich mit meiner Arbeit Eltern und ihren kleinen Kindern helfen, friedvoll miteinander zu leben. Als Pädagogin bin ich inspiriert von Emmi Pikler, einer ungarischen Kinderärztin, die sich im letzten Jahrhundert dafür starkgemacht hat, jedes Kind in seiner individuellen Entwicklung ohne Druck und Zwang, dafür mit viel Ruhe und Liebe zu begleiten. Von Emmi Pikler stammt ein Satz, den ich sehr eindrucksvoll finde: „Friedenserziehung beginnt am Wickelplatz.“ Sie wollte damit verdeutlichen, wie wichtig es ist, dass wir mit unseren Kindern von klein auf achtsam und bedürfnisorientiert umgehen. Durch die Auseinandersetzung mit Piklers Arbeit bin ich außerdem auf ein Projekt in Berlin gestoßen, das mich sofort tief berührt hat: den Raum „Strandgut“, in dem Kinder und Eltern sich eine Auszeit vom hektischen Alltag nehmen können. Vergangenes Jahr habe ich solch einen Raum in Feldkirchen selbst eröffnet. Es gibt in diesem „SandSpielRaum“ mehrere kleine Tische, außerdem Töpfe, Schalen, Becher, Löffel, Siebe sowie andere Küchenutensilien – und viel feinen Sand. Die Kinder können frei entscheiden, was sie mit dem Sand machen wollen. Niemand gibt Impulse oder erteilt Anweisungen. Die Eltern schauen einfach nur zu und üben sich in Achtsamkeit. So entsteht eine wundervoll friedliche Stimmung. Zusätzlich können die Eltern an regelmäßigen Gesprächsrunden teilnehmen, in denen es darum geht, wie sie den Alltag mit ihren Kindern achtsam gestalten können. Ich halte dazu auch Vorträge in Bildungseinrichtungen, biete Onlinekurse und Einzelberatungen an – weil ich möglichst viele Eltern erreichen möchte. Viele Eltern erzählen, wie sie im „SandSpielRaum“ zur Ruhe kommen und sich wieder bewusst wahrnehmen. Das Gespür für die eigenen Bedürfnisse ist enorm wichtig für unseren inneren Frieden. Und nur, wenn wir den verspüren, können wir mit unseren Kindern und anderen friedlich zusammen sein.

Am Ende des Besuchs können sich Eltern und Kinder einen kleinen weißen Stein mit einem roten Herz mitnehmen. Als Symbol für ein liebe volles, friedvolles Miteinander. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sehe, wie diese Steinchen in das Gesicht der kleinen und großen BesucherInnen ein Lächeln zaubern. Meine vierjährige Tochter und ich verteilen diese Steinchen auch, wenn wir spazieren gehen. Denn letztlich brauchen wir doch alle Liebe und Frieden – und so ein Herz-Stein erinnert uns daran.