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Julias Familienrat: Abenteuer „Patchwork“

Wie man mit der Eifersucht umgehen kann und welche Rolle Stiefeltern einnehmen sollten.

Frau Novak, Sie kommen aus einer Patchworkfamilie und sind auch Mama in einem Patchworksetting: Weiß man da, wie’s geht?
Claudia Novak: Ich habe einen Stiefvater und drei Stiefgeschwister. Mein Mann hat zwei Töchter aus erster Ehe und wir haben zwei gemeinsame Kinder. Patchwork ist ein emotionales und logistisches „Trial and Error“.
Wolfgang Krüger: Aus eigener Erfahrung weiß man, wie sich Kinder fühlen, das kann sehr helfen.

Wie fühlen sich Kinder?
Krüger: Die Kinder leiden unter Eifersuchtsgefühlen, mitunter auch unter dem Machtverlust. Sie haben Angst, Papa oder Mama zu verlieren. Meine Stieftochter ­Katharina war neun Jahre alt, als ich mich in ihre Mutter verliebt habe. Sie hat zu mir gesagt: „Wolfgang, nimm’s nicht persönlich, aber ich finde, du störst.“
Novak: Das ist mir sogar als Erwachsene noch so gegangen. Ich habe schon studiert, als mein Vater wieder geheiratet hat. Ich habe im Gästezimmer geschlafen. Es war schlimm für mich, keinen fixen Platz für meine Sachen mehr bei ihm zu haben. Mir ist daher wichtig, dass meine Stief­kinder immer Platz bei uns haben und jederzeit kommen können.

Wie kann man mit der Eifersucht umgehen?
Krüger: Mir ist klar geworden, dass ich Katharinas Vertrauen durch den Alltag erwerben muss. Sie hat versucht, mich „wegzuärgern“, sie hat das Telefon blockiert, unentwegt geredet, ich kam nicht zu Wort, sie hatte eine ausgefeilte Strategie. Mir war klar, wenn ich etwas tue, wovon sie Nutzen hat, wird sie mich irgendwann akzeptieren.
Novak: Meine Stiefkinder haben mich sofort akzeptiert. Aber ich war sehr unsicher. Man sehnt sich nach einer Liebesbeziehung und kriegt plötzlich, Anfang 30, eine Familie. Ich hatte keine Ahnung davon, was es heißt, eine eigene Familie zu haben, und ich hab mich schwer damit getan, dass es für meinen Mann andere Prioritäten gibt und ich mich nicht zurückgestoßen fühle. Mir war klar, dass unsere Beziehung nur funktionieren kann, wenn mein Mann zu der Mutter seiner Kinder ein gutes Verhältnis hat und ich zu ihr auch. Viel miteinander reden ist sehr wichtig. Heute funktioniert das.

Herr Krüger, haben es Stiefmütter schwerer als Stiefväter?
Krüger: Ja, weil man von ihnen erwartet, dass sie emotional und mütterlich unterstützend sind, ohne dass sie mit der biologischen Mutter konkurrieren. Mehr als zwei Drittel der Familien werden mit einem Stiefvater gegründet. Die Erwartung an einen Stiefvater ist eine andere. Ich habe gekocht und eingekauft, aber ich war auch für den Computer und das Fahrradreparieren zuständig.

Welche Rolle sollten Stiefeltern also spielen?
Krüger: Sie sollten sehr viel Interesse an den Kindern haben, ohne dass sie in die Rolle einer Mutter oder eines Vaters gelangen. Wenn ich etwa Erziehungsmaximen setzen wollte wie: „Räum doch deinen Teller ab“, dann hat Katharina gesagt: „Du bist nicht mein Vater.“
Novak: Das finde ich schwierig. Wenn etwas nicht funktioniert, beschwert man sich dann eher beim Partner, und der gerät so in einen Loyalitätskonflikt.

Wie löst man das Dilemma?
Krüger: Ich habe mich auch bei Freunden beschwert und irgendwann eingesehen, dass ich meine Partnerin in eine unmögliche Rolle bringe. Mütter stehen ihren Kindern meist immer näher als dem Partner. Ich habe das dann sein lassen.

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Julia Langeneder, Familienredakteurin und Mutter von zwei Kindern, lädt jeden Monat zum Familienrat ein.

Julias Gäste

 

Claudia Novak, Speaker, Kommunikations­­­strategin, Moderatorin (www.claudia-novak.at), Mutter von zwei Kindern (3 und 5 Jahre), zwei Stiefkinder (13 und 15 Jahre).

Wolfgang Krüger, Psychotherapeut, Autor („Über-Leben in der Patchworkfamilie“, Books on Demand).

Fotos: Grill, privat

Erschienen in „Welt der Frauen“ 04/19

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