Gott habe die Welt in sieben Tagen erschaffen, steht in der Bibel. Die Wissenschaft lächelt. Schönes Bild, aber nicht sehr realistisch. Und jetzt?
Die Wissenschaft ist eine schöne Person. Klug ist sie auch. Gott ist verliebt. Natürlich nicht exklusiv, Gott ist ja polyamor. Gott liebt die Meerschweinchen und die Schlangen und den dicken Martin aus der 6B. Dich auch. Falls du dich fragst. Aber dass Gott nun gerade die Wissenschaft liebt, das überrascht viele. Die Wissenschaft, denken sie, das ist doch die Rivalin von Gott. Schließen sich die beiden nicht aus? Ich finde das merkwürdig.
Wer glaubt, Gott habe die Erde erschaffen (und dabei etwas länger als sieben Tage gebraucht, aber die Sieben ist nun mal so eine schöne metaphorische Zahl), sollte es doch erst recht für vorstellbar halten, dass Gott sich mit Genetik auskennt. Zum Beispiel. Nur weil etwas erklärbar ist, ist es doch nicht weniger heilig. Im Gegenteil: Die Vorstellung der Evolution, die Vorstellung, dass wir einst Einzeller waren, die sich immer weiter veränderten und schließlich als Pilze und Reptilien die Ozeane, das Land und die Luft eroberten, lässt mich mehr staunen als die Vorstellung, dass ein Zauberer fertige Menschen in die Welt setzt. Ich glaube, das Problem mit Gott ist: Noch immer geistert ein greiser Mann mit Bart durch die Köpfe, der in den Wolken über allem thront und dem mehr und mehr die Zügel aus der Hand gleiten.
Weil er nicht in unsere moderne Welt passt. Die Bilder, in denen wir Gott denken, stammen mitten aus dem Leben der damaligen, in einer patriarchal geprägten Gesellschaft lebenden Menschen: Hirte. Vater. König. Warum sollte Gott nicht genauso Mathematikerin sein? Gott sagt in der Bibel über sich selbst: „Ich bin nicht Mensch. Ich bin das Heilige in eurer Mitte. Ich bin da. Ich gehe weit über eure Bilder hinaus.“ Wenn wir uns Gott als Schöpfungskraft vorstellen, schließt das wissenschaftliche Erkenntnis ein. Die Struktur der DNA ist genauso ein Gebet wie das Vaterunser. Gott versteckt sich in jedem Atom, warum sollte nicht auch das Staunen über den Urknall ein Staunen über Gott sein?
Mein Wort-Schatz:
„Der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.“ – Werner Heisenberg, Nobelpreis für Physik.
