Frauen, Fürsorge, Alter, Unsichtbarkeit – eine Suche nach dem, was unsere Gesellschaft verdrängt bei den Missionsschwestern vom Kostbaren Blut in Wernberg.
Ich bin aus der Kirche ausgetreten, da war ich keine 20. Firmung, Erstkommunion, all das war selbstverständlich – es wurde nicht gefragt, ob man das will. Später, als ich begann, das System mehr zu hinterfragen, entstand ein großer Widerstand in mir. Missionierung, Gewalt gegen Kinder, gegen Frauen, jahrhundertelange Ausgrenzung. Eine Institution, die nicht nur predigte, sondern beherrschte. Die Frauen kleinhielt, schwachsprach, still machte.
Und trotzdem lebe ich über eine Woche im Kloster bei den Missionsschwestern vom Kostbaren Blut in Wernberg als Gast. Ich komme mit großer Skepsis, aber auch mit echtem Interesse: Was bleibt, wenn man all das – die Strukturen, das System, die Macht – weglässt? Wer bleibt? Welche Geschichten werden sichtbar, wenn man den Blick auf das richtet, was in unserer Gesellschaft nicht nur übersehen, sondern tatsächlich systematisch ausgeblendet wird – alte Frauen, Fürsorge, Verbundenheit, das stete Sorgen um andere? Und was bedeutet es, sich diesem Leben ganz zu verschreiben – als Frau mit Brüchen, Enttäuschungen und einem langen Atem?
