In Österreich leiden rund eine Million Menschen an Migräne. Im Alter von 30 Jahren ist jede dritte Frau betroffen. Was löst die Attacken aus und welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
„Es ist schwer, diesen Schmerz in Worte zu fassen. Oft beginnen die Beschwerden schon am Abend zuvor mit ‚normalem‘ Kopfweh. In der Nacht wache ich dann zwischen 2 und 4 Uhr auf, weil sich mein Kopf anfühlt, als würde er gleich platzen. Während eine Seite besonders schmerzt, wird dies durch ein unangenehmes Druckgefühl am gesamten Kopf begleitet. Helles Licht und jede Art der Bewegung sind dann kaum zu ertragen“, erzählt Carina J. (Name der Redaktion bekannt). Seit etwa 17 Jahren leidet sie rund ein- bis zweimal pro Monat an Migräne, die in Wellen kommend bis zu 48 Stunden anhält.
Migräne ist keine Einbildung
Damit ist die 32-Jährige nicht allein. Weltweit leben drei Milliarden Menschen mit einer Kopfschmerzerkrankung. Das ergab eine 2025 in der Fachzeitschrift „The Lancet Neurology“ veröffentlichte Studie. Neben dem als besonders schwer eingestuften Clusterkopfschmerz und den sehr häufig vorkommenden Spannungskopfschmerzen gilt auch die Migräne als eine verbreitete und besonders unangenehme Form.
Allein in Österreich leidet eine Million an letzterer, sagt Neurologe Gregor Brössner. Seit 2007 leitet er die Ambulanz für Kopf- und Gesichtsschmerzen der Medizinischen Universität Innsbruck – und ist selbst von der Erkrankung betroffen. Dass es sich um eine solche handelt, bestätigt der Experte: „Keine dieser Formen ist eingebildet. Sie alle verfügen über eine neurologische Grundlage. Das ist entscheidend, denn selbst zu meiner Studienzeit wurde noch behauptet, Kopfschmerzen seien Einbildung oder nur etwas, das ‚hysterische Frauen‘ hätten. Das ist nicht nur sexistisch, sondern schlichtweg falsch. Wir wissen heute anhand zahlreicher Untersuchungen von Blut und Gehirn, dass gerade bei Migräne – und in begrenztem Umfang auch bei allen anderen Kopfschmerzarten – das Gehirn verrücktspielt.“
