02

18

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
Wünschen, warten, werden

Barbara Pachl-Eberhart hatte sich das Wünschen schon abgewöhnt. 
Zum einen, weil das Leben sie immer wieder niederwarf und scheinbar alle Träume zerstörte. Zum anderen, weil es dann vieles erfüllte, was selbst ihre kühnsten Wünsche übertraf. Wie sie heute zum Wünschen steht und welche Menschen für ihren Weg besonders wichtig waren, erzählt die Bestsellerautorin im Gespräch.

Wilde Rose“, so nennt ­Barbara Pachl-Eberhart das Acryl­bild, das sie in der Silvesternacht 2012 gemalt hat. Der Kopf der Rose, die man auf dem Bild sieht, gleicht einer dynamischen Spirale. Um die Blüten herum flattern grüne Blätter, als wäre ein Lüftchen zu spüren. Die Brise hat ein paar Worte verweht, nur noch in blassblauen Lettern schimmern sie durch die rosa Grundierung. „Licht“ ist da etwa zu lesen, „mutig“ und „freundlich“. „Diese Begriffe stehen für Lebensqualitäten, die ich damals ersehnte. Ich schrieb sie auf, übermalte sie und sagte: ‚So, liebes Leben, jetzt habe ich dir mitgeteilt, was ich mir wünsche. Jetzt mach du wieder weiter“, sagt die Autorin („vier minus drei“) und setzt sich lächelnd an ihren Esstisch.

ARBEIT MIT DEM UNBEWUSSTEN
Selbst gemalte Bilder hängen überall in der Wohnung. Auch zwei Collagen sieht man da, Bilder und Überschriften aus Zeitschriften, ausgerissen und neu arrangiert. Die erste Collage ist mit Sommer 2015 datiert. Sie zeigt eine vitale, hüpfende Frau und daneben das Bild einer Großmutter mit Kind. „Zu dieser Zeit beschäftigte mich, dass ich nie Oma werden könne, weil ich ja keine Kinder mehr hätte. Das hat mich belastet. Dennoch klebte ich die Oma dazu und den Satz ‚Alles ist möglich‘. Als die Collage dann an der Wand hing, dachte ich: ‚Leihoma, das wäre eine Möglichkeit!‘.“

Und was erzählt die Collage, die im Mai 2016 entstanden ist? Sie besteht aus den Worten „Frau Königin“, „Freizeit“, „Nähe“, „heiter“, „gut schlafen“, „besser essen“ und „alles ist gut“. „Damals wurde das Bedürfnis nach einem guten, gesunden Leben in mir laut. Und der Wunsch nach Ruhe und Sesshaftigkeit. Zwei Monate später war ich schwanger“, lacht Pachl-Eberhart und küsst ihre Tochter Erika ­Johanna, die auf ihrem Schoß sitzt und mit ­einem Schlüsselbund spielt.

Wie nun? So kinderleicht erfüllen sich die geheimsten und größten Wünsche? Wir brauchen sie nur sichtbar machen, mit Worten und Bildern spielen, und schon wird alles gut? „Vielleicht“, meint Pachl-Eberhart. „Spielen schafft jedenfalls Weite und macht uns Op­tionen bewusst. Solange wir zu ernst sind und uns verbeißen, sind wir in fixen Erwartungen gefangen. Ich glaube, die Erwartung ist der schlimmste Feind der Wunsch­erfüllung.“

DAS PRINZIP DAHINTER
Die Wienerin weiß, wovon sie spricht. Als zu Ostern 2008 ihr damaliger Mann Heli und ihre Kinder Thimo (6) und Valentina (2) bei einem Autounfall sterben, verbohrt sie sich in einen verwegenen Wunsch. Sie will ein neues Kind, „am besten sofort“. Sie ist wie besessen davon. Allen Ernstes überlegt sie, zu einer Samenbank zu gehen oder einen schwulen Freund um die Vaterschaft zu bitten. „Gott sei Dank habe ich nichts davon umgesetzt“, sagt Pachl-Eberhart jetzt. „Ich durfte lernen, mich zu fragen, was sich hinter meinem Kinderwunsch eigentlich verbirgt. Was es ist, das ich am meisten vermisse? Unbeschwertheit, Lachen, Spielen, Kuscheln – es lag an mir, mir diese Qualitäten zurückzuerobern, auch ohne Kind.“

Im März 2015 wendet sich das Blatt. Auf einer Lesereise bemerkt Pachl-Eberhart, dass ihre Menstruation schon recht lange auf sich warten lässt. Die damals 41-Jährige lebt in einer Beziehung, glaubt aber nicht an Schwangerschaft. „Vielleicht bin ich im Wechsel“, denkt sie, doch als sie sich beim Frühstück im Hotel dabei ertappt, wie sie ein Essiggurkerl in ihren Obstsalat schmeißt, keimt ein Verdacht auf. Wenige Stunden später hält sie in ihrer „King’s Suite“ einen Schwangerschaftsstreifen mit positivem Ergebnis in Händen. Sie jubelt, spürt: „Mein Leben darf noch einmal ganz anders werden!“ – und begreift fast im selben Moment, dass ein Kind neben Leichtigkeit und Spaß auch radikale Veränderung und Verantwortung bedeutet. Verantwortung, nicht mehr nur für sich allein. 

Barbara Pachl-Eberhart (43) wurde einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als sie nach dem Unfalltod ihrer Familie 2008 die Trauer in ihrem ersten Buch „vier minus drei“ bearbeitete. Dem Schreiben widmet sie sich heute nicht nur als Autorin, sondern auch als Schreibcoachin und in Seminaren. Pachl-Eberhart ist in zweiter Ehe verheiratet und seit März glückliche Mutter der kleinen Erika.

Barbara Pachl-Eberhart über ihre LebensbegleiterInnen:

„Monika zeigte mir das Leuchten in der Welt“

Porträt von Monika Culen

Monika Culen war von 2000 bis 2010 meine Chefin bei den Roten Nasen. Sie symbolisiert für mich Ernsthaftigkeit in der Leichtigkeit. Durch sie begriff ich, wie wichtig ehrliches Interesse an Menschen und ihren Lebensumständen ist. Wenn ich kranke Kinder im Spital besuchte, lehrte sie mich, meinen Blick nicht auf gebrochene Arme oder Krebsgeschwüre zu richten, sondern auf das Gesunde und Kraftvolle in den Kindern, auf das Funkeln in ihren Augen. „Enchanting Sparkle“ nennt Monika das. Dieses Leuchten finden wir auch in der Welt, egal wie krank sie scheint. Da ist immer noch etwas Heiles und Lebendiges, womit wir spielen können. Meine Clownfigur „Heidi Appenzeller“, eine Schweizerin mit Käsegitarre, kann das prima! Jedes Phänomen des Lebens findet sie „interessant“, selbst Katastrophen wie Donald Trump.

Barbara Pachl-Eberhart über ihre LebensbegleiterInnen:

„Ulrich fordert mich auf, wahrhaftig zu sein“

Ulrich Reinthaller

Mein Mann Ulrich Reinthaller – wir sind seit Sommer 2008 ein Paar und seit Juni 2015 verheiratet – lehrt mich, dass immer alles im Fluss ist, auch unsere Ehe, wenn Höhen und Tiefen einander abwechseln. Er fordert mich auf, wahrhaftig zu sein, stimmig zu agieren und mich der Welt so zuzumuten, wie ich bin. Unehrlichkeit verträgt er gar nicht! Bin ich freundlich zu ihm, obwohl es in mir brodelt, wird er wütend. So brachte er mir bei, angstfrei zu mir selbst zu stehen und ihm mitzuteilen, was mich beschäftigt. Es dauerte fünf Jahre, bis ich das glauben konnte. Je mehr ich ich selbst bin, umso lebendiger und reichhaltiger wird unsere Beziehung. Ulrich habe ich zu verdanken, dass ich mich kaum mehr verbiege und mehr von dem tue, was wirklich zu mir passt.

Ein sinnerfülltes, kreatives Leben: Das ist es, was das Schreiben uns schenken kann. Barbara Pachl-Eberhart zeigt in ihrem neuen Buch „Federleicht “, wie das gelingen kann.

Barbara Pachl-Eberhart: Federleicht. Integral Verlag, 19,99 Euro

Den vollständigen Text lesen Sie in der Printausgabe.

Erschienen in „Welt der Frau“ 12/17

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.