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In Tansania bauen Frauen Energiesparöfen und tragen so zum Umweltschutz und zur Haushaltskasse bei. WODSTA, eine Organisation, die Entwicklung, Forschung und Technologien fördert und von der kfb unterstützt wird, bildet die Frauen aus.

Jeden Tag, nachdem Rehema Onesmo-Chale Frühstück gemacht hat, geht sie Öfen bauen. Die 44-Jährige wohnt in Imbaseni, einem Dorf im Nordosten Tansanias. Etwa 70 Prozent der tansanischen Gesamtbevölkerung lebt im ländlichen Gebiet, das sind rund 36,6 Millionen Menschen. Doch nur vier Prozent der Menschen auf dem Land haben Zugang zu elektrischer Energie. Die Versorgung durch den Staat ist unzuverlässig und am Land aufgrund der verstreuten Haushalte sehr begrenzt. Die meisten Familien benutzen daher Kerosin- und Öllampen. Gekocht wird hauptsächlich auf offenem Feuer mithilfe von Holz, Kerosin- und Holzkohlekochern. Der Energieverbrauch und die Kosten für die Haushalte sind immens, denn Kerosin ist teuer. Auch die Umwelt leidet, weil für das Feuerholz laufend umliegende Wälder gerodet werden – mit gravierenden Auswirkungen auf Wasserressourcen und die biologische Vielfalt. Zudem schadet die Rauchentwicklung massiv der Gesundheit, vor allem der der Frauen und Kinder. Sie sind in Tansania für das Holzsammeln und Kochen zuständig.

UMWELT UND GESUNDHEIT
Genau hier setzt die kfb-PartnerInnen-Organisation „Women Development for Science and Technology Association“ (WODSTA) an. Seit 2012 fördert sie energiesparende Technologien aus lokalen Ressourcen. Frauen spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie werden darin ausgebildet, Energiesparöfen aus Zement und Lehmziegeln sowie Biogasanlagen und Solartrockner zum Gemüsetrocknen herzustellen. Auch wie man zusätzliche Bäume pflanzt, wird ihnen gezeigt. So können sie ihr eigenes Geld verdienen und durch ihren Expertinnenstatus ihre soziale Stellung und ihren Lebensstandard verbessern. Sobald die Frauen in den Dörfern autonom arbeiten können, sind sie auch als Trainerinnen im Einsatz, bilden andere aus und sensibilisieren Kinder an Schulen für den Umweltschutz. Darüber hinaus animieren sie Lokalregierungen, durch Gesetze und Regulierungen den Erhalt der Umwelt zu fördern und der Bevölkerung energiesparende Lösungen zu bieten.

Die kfb unterstützt WODSTA seit sieben Jahren. Frauen aus sechs Dörfern konnten seither bereits ausgebildet werden. Sie alle produzieren die Technologien selbst und verkaufen diese gewinnbringend. So auch Rehema Onesmo-Chale. Sie verdient damit ihren Unterhalt und kann den gesamten Haushalt versorgen. Früher war ihr das nicht möglich. Onesmo-Chale backte und verkaufte Maandazi, ein afrikanisches Süßgebäck. In der Nacht bereitete sie den Teig vor, tagsüber stand sie am Herd. Gewinn erwirtschaftete sie dabei keinen. Heute kann sie von ihrem Gehalt gut leben. Mit dem Verkauf von 30 bis 40 Öfen monatlich verdient sie umgerechnet 170,00 bis 290,00 Euro im Monat. Zusätzlich zu den Öfen erzeugt sie Heizbriketts aus vorhandenen Materialien. „Ich weiche Papier von alten Schulbüchern oder Zeitungen in Wasser ein, gebe es in einen Mörser und stampfe es. Hat jemand Kohle zum Heizen verwendet, nehme ich den Staub, mische ihn bei und forme daraus runde Briketts“, sagt die zweifache Mutter.

WENIGER HOLZVERBRAUCH
Auch Lucina Charles betreibt ihr eigenes Geschäft mit selbst gebauten Zementöfen. Nur zu gut kann sie sich an die alten, qualmenden Öfen erinnern. „Die verbrauchten sehr viel Brennholz. Das Essen verbrannte schnell, und der Rauch war schlimm. Sehr viele Frauen und Kinder erkrankten dadurch an chronischer Bronchitis. Für die Energiesparöfen benötige ich nur wenig Holz und kann neben dem Kochen andere Aufgaben erledigen“, erzählt die 56-Jährige. Zusätzlich pflanzt Lucina Charles Bäume an, die sie, sobald sie die richtige Größe erreicht haben, an die Nachbardörfer verkauft. So können die umliegenden Wälder, die gerodet wurden, um Brennholz zu gewinnen, wieder nachwachsen. Von ihren Einnahmen konnte die vierfache Mutter ihren Kindern die Schule, das Studium und den Hausbau finanzieren. Heute unterrichtet Lucina Charles in ihren Trainings bereits andere Frauen darin, Öfen und andere Gerätschaften zu produzieren. Ihr Motto: „Jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin soll einen Schritt weg von der Armut hin zur Selbstständigkeit machen können.“ Auch Rehema Onesmo-Chale möchte ihrem Land helfen. Ihr Wunsch ist es, Menschen auszubilden und andere Regionen zu erreichen. „WODSTA hat mein Leben verändert. Ich bin so dankbar dafür. Deshalb möchte ich mein Wissen weitergeben.“ Vor Kurzem wurde Rehema Onesmo- Chale von einem tansanischen Institut für Forstwirtschaftslehre einge laden, die StudentInnen zu unterrichten.

Wir ermöglichen Frauen Gleichberechtigung

Lyne Ukio (links) ist WODSTA-Generalsekretärin und eine der drei Gründerinnen.

Wie kamen Sie auf die Idee, WODSTA zu gründen?
Ich hatte das Glück, eine gute Bildung zu genießen und mit einem Vater aufzuwachsen, der mich nicht in Geschlechterrollen drängte. In den 1980er- Jahren war ich Teil der Frauenbewegung. Beides inspirierte mich 1990 zur Gründung von WODSTA. Mir wurde nämlich bewusst, dass ich viel privilegierter war als andere Frauen in Tansania. Als ich erkannte, dass sich mit Bildung alles erreichen lässt, beschloss ich, mein Wissen weiterzugeben. Bald nahm die Idee konkrete Formen an und entwickelte eine Dynamik, die sich nicht mehr stoppen lässt.

Wie erfolgreich ist WODSTA?
Zuletzt erzielten wir einen Umsatz von 100.000,00 Euro im Jahr. Unser Ziel ist eine Gesellschaft, in der Frauen die gleichen Chancen wie Männer haben. Dies lässt sich nur erreichen, wenn wir Frauen aktiv in Entwicklungsprozesse einbinden und sie ökonomisch, rechtlich und nachhaltig fördern. Gemeinsam mit regionalen Frauenorganisationen sind wir in ländlichen Gebieten der Regionen Arusha und Arumeru tätig und realisieren Gender-Networking-Programme sowie zahlreiche Ausbildungs- und Trainingsprojekte für Frauen im Bereich Landwirtschaft, Landrechte und erneuerbare Energien.

So geben Sie Frauen die Chance für eine nachhaltige Zukunft
Die Katholische Frauenbewegung Österreichs unterstützt seit über 60 Jahren aus Spenden an die „Aktion Familienfasttag“ PartnerInnen in Asien, Lateinamerika und Afrika, damit Frauen Zugang zu Bildung erhalten, ein eigenes Einkommen erwirtschaten und ihre Rechte kennenlernen und einfordern.
Unsere PartnerInnenorganisation „Women Development for Science and Technology Association“ (WODSTA) in Tansania trägt zum Beispiel mit wenigen Mitteln zu großen Veränderungen bei, indem sie Frauen zu Expertinnen für erneuerbare Technologien ausbildet. Mit nur 40 Euro erhalten zehn Frauen eine Ausbildung zur Energiesparofen-Produzentin.
Gestalten Sie die Zukunft mit! Mit Ihrer Spende auf spenden.teilen.at.

Erschienen in der „Welt der Frauen“ 01-01/19 – Beilage Aktion Familienfasttag

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