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Wie viel Medienzeit ist okay?

So gehen Eltern mit dem Konfliktthema um.

Manche Eltern geben schon Babys ein Tablet oder Smartphone in die Hand – wann haben Ihre Kinder das erste Mal die digitale Welt erkundet?
Katja Reim: Unsere Tochter kam 2007 zur Welt. Im Straßenbild waren Smartphone und Tablets damals noch kaum präsent. Unsere ersten gemeinsamen Erkundungstouren waren Bastel-Tutorials auf ­YouTube, als unsere Tochter ungefähr vier Jahre alt war.
Stefan Schöttl: Unsere Kinder sind zwischen 2004 und 2009 geboren und haben ab circa vier Jahren die ersten Kurzvideos am Laptop gesehen, die beiden jüngeren etwas früher. Wir finden, dass Smartphones und Tablets kein geeignetes Spielzeug für Kinder bis ins Volksschulalter sind.

Es gibt unterschiedliche Empfehlungen zur Medienzeit: täglich maximal 45 Minuten für Sechs- bis Zehnjährige, eine Stunde für Elf- bis 13-Jährige. In der Praxis ist die Bildschirmzeit oft viel mehr und in vielen Familien ein Konfliktthema. Welche Regeln gibt es bei Ihnen? Uns was tun Sie, wenn Ihr Kind darauf pfeift?
Reim: Wir sollten als Eltern nicht nur die Quantität der Mediennutzung sehen, sondern auch die Qualität. Wenn unsere Tochter mit digitalen Medien bastelt – ein Fotobuch erstellt, in „Minecraft“ ein Haus baut oder in „Scratch“ programmiert –, kann sie das so lange tun, wie sie möchte. Wenn wir das Gefühl haben, sie sollte aufhören, reden wir mit ihr. Werden Medien nur zum Berieseln genutzt, achten wir auf die Zeit. Anfangs durfte unsere Tochter nur unter Aufsicht ins Internet und mit einem klaren Zeitlimit. Inzwischen kann sie selbstständig im Netz recherchieren. Wichtig ist, dass sie zu uns kommt, wenn sie auf etwas Ungewöhnliches stößt, und uns Bescheid sagt, wenn sie Mails von fremden Absendern bekommt. Und sie soll fragen, bevor sie sich etwas herunterlädt, damit wir gemeinsam schauen, ob es für ihr Alter geeignet ist.
Schöttl: Noemi (13) hatte bis vor Kurzem eine Wertkarte zum Telefonieren am Smartphone und hat, seit sie zwölf ist, täglich eine Stunde WLAN-Zeit, die wir über den Router begrenzt haben. Ab circa 21.00 Uhr ist das Handy vor ihrem Zimmer. ­Tobias (11) hat noch kein Smartphone und am Tablet eineinhalb Stunden pro Woche Onlinezeit für Spiele. Für Wissensbedarf gibt es Extrazeiten. Elisabeth (8) hört gern Märchen, manchmal bis zu zwei Stunden am Tag. Sie hat noch keine Onlinezeiten, schaut aber ab und zu bei Tobias am Tablet mit. Filme (etwa zwei bis drei Stunden pro Woche) gibt es für die beiden Älteren und die Jüngste oft getrennt. Unsere Medienregeln helfen uns, Grenzen zu setzen. Wichtig ist: mit unseren Kindern im Gespräch bleiben – und natürlich gibt es auch Ausnahmen.

Viele Kinder haben ein eigenes Tablet oder einen Fernseher im Kinderzimmer. Eine gute Idee?
Reim: Unsere Tochter bekam zur Einschulung ein Tablet. Zum einen wollten wir den Reiz des Digitalen abbauen. Früher forderte sie die Spielezeit auf unseren Smartphones regelmäßig ein. Als sie die Verantwortung für ihr eigenes Tablet bekam und selbst darüber bestimmen konnte, wann – nicht wie lange – sie es nutzen wollte, war es nicht mehr so faszinierend. Zum anderen wollten wir sie bei den ersten Schritten in die digitale Welt begleiten.
Schöttl: Wir haben keinen Fernseher. Bis auf die Älteste, die ein Smartphone besitzt, nutzen die anderen Kinder das Familientablet im Wohnzimmer und in Ausnahmefällen im Zimmer.

Mehr dazu lesen Sie in der Printausgabe.

Julia Langeneder, Familienredakteurin und Mutter von zwei Kindern, lädt jeden Monat zum Familienrat ein.

Katja Reim, Journalistin, Bloggerin (www.meincomputerkind.de), Autorin („Ab ins Netz?!“, Kösel Verlag) und Mutter einer Tochter (10 Jahre).

Stefan Schöttl, Supervisor, Coach, Theologe, Vater von drei Kindern (8, 11 und 13 Jahre).

Fotos: Grill, Nina Rücker, Gottfried Waibel

Erschienen in „Welt der Frauen“ 06/18