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Wenn, dann...

Ich halte mich eigentlich für eine ziemlich gute und krisenfeste Mutter. Zweifel gehören einfach zum Geschäft. Trotzdem gibt es erziehungstechnische Baustellen, an denen zur Zeit gearbeitet wird. Besonders wurmt es mich, wenn mir meine eigene Kraft und Geduld ausgehen und ich Michael gegenüber hart und ungerecht werde. Dann möchte ich der langmütige Mamaengel sein, der im Geiste alle bedürfnisorientierten Stragien durchgeht und die passende aus dem pädagogisch wertvollen Hut zaubert. Der Klassiker ist zur Zeit: das Heimgehen vom Spielplatz. Michi liebt seine Kletter- und Spielausflüge und ist sehr schwer davon zu überzeugen, dass diese schöne Zeit auch ein Ende hat und zwar dann, wann mir danach ist. Besonders jetzt in der Schwangerschaft habe ich oft relativ kurzfristig entschieden den Heimweg antreten zu wollen aus Gründen der Befindlichkeit oder weil es mir einfach zu heiß oder anstrengend wurde. Nur sagen, dass ich jetzt heimgehen möchte oder dass wir jetzt gehen reicht selten. Ich versuche dann zwar noch zu erklären warum, aber meistens macht Michi in der Zwischenzeit den Flitzer oder wälzt sich im Sand um mir zu entkommen. Das ist eine Situation, in der ich leider oft aus der eigenen Stresssituation heraus die berüchtigten „Wenn, dann“-Sätze verwende um ihm klarzumachen, wie ernst die Lage ist und dass er künftige Spielplatzbesuche mit seinem Verhalten aufs Spiel setzt. Dabei werde ich selber so wütend und überfordert, dass ich mir wünschte ich könnte den Sandwurm einfach ins Wohnzimmer beamen und hätte meine Ruhe. Erschwerend kommen für mich die Blicke der anderen Eltern hinzu, die mir zusätzlich Schweißperlen auf die Nase treiben. Letzte Woche ging es so weit, dass sein Unmut in einen 10-minütigen Schrei- und Tobanfall mündete. Er war von Haus aus mit dem falschen Fuß aufgestanden und der eine Junge am Spielplatz hat halt nicht so getan, wie er sich das gewünscht hatte. Dass ich dann heimgehen wollte, weil es für mich zu anstrengend wurde gab ihm den Rest. Ich hoffe mir fallen bald neue Strategien ein, wie ich solche und ähnliche Situationen eleganter meistern kann, ohne mich danach wie der erpresserische Mama-Schlurf zu fühlen, schließlich kommt bald Mäuschen und hat bestimmt auch ein paar Herausforderungen für mich parat.

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com