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11/12/25

„Dünn sein reicht nicht“: Über das Leben mit Essstörung

„Dünn sein reicht nicht“: Über das Leben mit Essstörung
Foto: shutterstock
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  • Veröffentlicht: 09.12.2025
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In der Wohngruppe KAYA werden junge Menschen mit Essstörungen betreut. Eine Psychologin und eine ehemalige Betroffene berichten in „Julias Familienrat“ über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Immer mehr Zehn- bis 17-Jährige müssen seit der Coronapandemie aufgrund von Essstörungen, insbesondere Magersucht, stationär behandelt werden. Woran liegt das?
Nadine Lintner: Ich glaube, es gibt verschiedene Ursachen für den Anstieg der Fallzahlen gerade seit der Pandemie. Ein Grund ist die Isolation, die Struktur ist für viele Kinder und Jugendliche weggefallen. Das hatte wiederum einen Kontrollverlust zur Folge. Ein weiterer Grund ist der gesellschaftliche Druck, schön und schlank zu sein. In den sozialen Medien, die immer verfügbar sind, werden Schönheitsideale vorgelebt und angekurbelt, so leider auch extremes Dünn-Sein. 

Frau Geisler, Sie sind selbst an einer Essstörung erkrankt und haben diese mittlerweile überwunden. Wie sind Sie in die Magersucht hineingeschlittert und wie haben Sie sie bewältigt?
Sabrina Geisler: Ich bin am Anfang der Coronakrise im März 2020 erkrankt, es ging alles sehr schnell. Ich war 15 und auf der Suche nach mir selbst. Plötzlich ist alles weggefallen, was mir in meinem Leben wichtig war. Ich habe extrem viel Sport gemacht, Mahlzeiten verschlafen und sehr schnell an Gewicht verloren. Ich habe mich zurückgezogen und es verheimlicht, aber irgendwann war es nicht mehr zu verstecken. Der Schlüsselmoment war im Badezimmer, ich wollte gerade duschen gehen, und mein Anblick war für mich so schlimm, dass meine Mama und ich gemeinsam beschlossen, im Krankenhaus anzurufen. Zuerst war ich ambulant in Behandlung, bis ich den Anruf bekam, dass ein Platz auf der Kinder- und Jugendpsychiatrie frei geworden ist. Ich war mehrere Male in stationärer Behandlung, bis ich wieder eine bestimmte Gewichtsgrenze erreicht hatte. Dann wurde ich entlassen und verlor wieder an Gewicht. Die sozialen Medien, Vergleiche und der ständige Drang nach Perfektion warfen mich wieder zurück. Erst in der Wohngruppe KAYA für Menschen mit Essstörungen, wo ich noch im Sommer einen Platz bekam und eineinhalb Jahre verbrachte, wurden die Weichen in Richtung Genesung gestellt.  

Frau Lintner, ist das eine typische Entstehungsgeschichte einer Essstörung, oder ist der Verlauf immer unterschiedlich?
Lintner: Die typische Essstörung gibt es nicht, der Verlauf ist individuell. Es beginnt oft damit, dass ich mich in meinem Körper nicht wohlfühle. Ich versuche, mich vermeintlich gesünderen Lebensmitteln zuzuwenden, und lasse andere vermeintlich fett machende weg, verbiete mir Süßes und versuche, über das Essen Kontrolle zu generieren. Oft kommt noch viel Bewegung dazu. Es hängt immer davon ab, wo die Person vorher gestanden ist und wie schnell sie hineinkippt.  

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Julia Langeneder

Redakteurin

in Linz geboren, schon während und nach dem Publizistik- und Französisch-Studium in Salzburg und Paris bei verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen in unterschiedlichen Ressorts, seit 14 Jahren als Redakteurin für Welt der Frauen tätig. Leidenschaft für Familien- und Frauenthemen, Psychologie, Kultur, Nachhaltigkeit und Gesundheit, gerne unterwegs beim Wandern, Radfahren oder mit dem Campingbus.

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Foto: Alexandra Grill


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