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Vorvorfreuden

Die Vorweihnachtszeit war einmal meine Glanzzeit, mein Markenzeichen und die Zeit, in der ich Kraft und Licht für die kommenden meistens weniger glanzvollen Monate gesammelt habe. Seit ich Mama bin ist diese Gewohnheit leider weitestgehend verschwunden. Zu vereinnahmend zeigten sich Familienalltag, Arbeit und Rennereien. Dazu noch das Auswandern letztes Jahr (ich weiß, nach Deutschland umziehen auswandern zu nennen ist provokant, aber was den Aufwand betrifft durchaus korrekt). Jedenfalls habe ich es trotzdem jedes Jahr zumindest geschafft eine entzückende, leicht kitschige Weihnachtkarte drucken zu lassen und vernünftige Geschenke für die Familie herzuzaubern. Dieses Jahr soll aber alles anders und gleichzeitig ein bisschen wie damals werden. Als Studentin war Zeit im Überfluss vorhanden und ich badete Jahr für Jahr im vorweihnachtlichen Maroni-Punsch-Lametta-Taumel. Ich habe einen Plan und es ist ein guter, wie ich meine! Letzte Woche wurde die Wohnung bereits mit Lichterketten und einem futuristischen Adventskranz bestückt. Auch Kekse wurden schon mit dem hocherfreuten Sohnemann gebacken und verziert (quietschlilane Einhörner mit Zuckerbuchsstaben und rosa Zuckerperlen sind es geworden). Jeden Tag nach dem Kindergarten will ich irgendeine gemeinsame vorweihnachtliche Bastel-, Back-, Sing- oder Malaktion mit Michi machen, der schon ganz Feuer und Flamme ist. Münchner Christkindlmarktbesuche, weihnachtliche Mini-Babyfotoshootings im Wohnzimmer (was gibt es bitte Süßeres als babyspeckige Minis mit Nikolausmützen?), Dauerberieselung mit Christmas-Oldies, Adventkalender, Geschenkeplanung und deren Herstellung und zu guter Letzt: meine geliebten Weihnachtsohrstecker mit der Zuckerstange und der Weihnachtskugel sind nur einige Punkte auf meiner Liste. Gerade fehlen mir meine Wiener Freunde sehr, diese waren wahrlich willfährige Vorweihnachtskomplizen! Wer mich kennt weiß, dass ich selten halbe Sachen mache und seit ich im alten, gewohnten Vorweihnachtsmodus bin fühle ich mich mit dem was mich wirklich ausmacht (Kunst, Familie, Einhörner, Schokolade und Weihnachten würde ich sagen) wieder viel mehr in Kontakt. Ich hoffe, dass mich diese nächsten paar Wochen satt und zufrieden machen werden und mir ein paar unvergessliche Momente mit meinen Liebsten und meinen Freunden bescheren werden, denn die grauste und grauslichste Zeit nach Jahreswechsel kommt bestimmt. Dann werde ich hoffentlich noch von dieser Vorweihnachtszeit zehren können, während ich schon ungeduldig und lichthungrig die ersten Schneeglöckerl herbeisehne.

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com