In unserer neuen Serie „Vor.Gelesen“ dürfen Sie sich auf unveröffentlichte Texte weiblicher Literatinnen aus Österreich freuen. Den Anfang macht Christina Maria Landerl mit einer Kurzgeschichte über "Maria".
Gaps zwischen den Geschlechtern gibt es auch in der Welt der Literatur – und zwar auf verschiedenen Ebenen. So wird der Gender-Pay-Gap hier oft mit 20 bis 25 Prozent angegeben, die IG Feministische Autorinnen (Interessensvertretung der Schriftstellerinnen) beziffert ihn sogar mit 37 Prozent, dem höchsten Unterschied in der Bezahlung zwischen den Geschlechtern innerhalb des Kulturbereichs. Zusätzlich landen Texte von Männern häufiger in Verlagsprogrammen sowie auf Bestsellerlisten und werden nachweislich häufiger rezensiert. Männliche Kritiker sind in der Überzahl, aber selbst Kritikerinnen schreiben mehr über die Literatur männlicher Autoren als über Werke von Frauen.
Abgesehen davon sind auch die meisten Titel auf Leselisten für Schulen und Universitäten nach wie vor von Männern verfasst. Wir haben die Schriftstellerinnen der neuen Serie „Vor.Gelesen“ nach besonderen Herausforderungen für Frauen in der Literaturbranche gefragt.
Selbstständigkeit als Herausforderung
„Mutterschaft und Schreiben lassen sich nicht leicht verbinden“, antwortete etwa eine Autorin. Die Notwendigkeit eines sicheren Einkommens, das Bedürfnis danach sowie die damit verbundene Verantwortung sei groß. Mütter können auch nicht so einfach an Lesungen oder Projektstipendien teilnehmen. „Was fehlt und hilfreich wäre, sind Förderungen, die sich ausdrücklich an schreibende Mütter richten“, wünscht sich ebenjene Autorin. All diese Gründe, aber auch unser Interesse an weiblicher Literatur und unser Wunsch, Schriftstellerinnen und ihre Sichtbarkeit zu unterstützen, haben uns dazu bewogen, im Magazin Platz für dieses Format zu schaffen, als Plattform zu dienen.
Vor etwa einem halben Jahr haben wir begonnen, bei Autorinnen anzufragen, ob sie Interesse hätten, sich an der Serie zu beteiligen. Und ausnahmslos alle haben Ja gesagt. Das betrachten wir als Zeichen dafür, dass es einen Bedarf gibt. Einige der Texte sind Vorboten von Büchern, die demnächst er-scheinen, andere werden extra für „Welt der Frauen“ verfasst.
