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03/26

Von Pause keine Rede: Mehr Offenheit für die Wechseljahre

Von Pause keine Rede: Mehr Offenheit für die Wechseljahre
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  • Veröffentlicht: 20.03.2026
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Endlich über die Wechseljahre sprechen – und zwar ohne Klischees und Tabus. Das machen wir bei unserer neuen Veranstaltungsreihe "Von Pause keine Rede". Zum Auftakt in Stockerau kamen rund 300 neugierige Frauen.

Zusammen sind wir stark – das ist die Kernbotschaft an diesem Abend. Rund 300 Frauen füllen den großen Saal im Z2000 in Stockerau, um sich gemeinsam einem Thema zu widmen, das sonst gerne unter vorgehaltener Hand besprochen wird: den Wechseljahren. Für viele Frauen ist die hormonelle Umstellung ein Thema, das mit Angst und Unsicherheit verbunden ist. Aber an diesem Abend ist die Stimmung im Saal gelöst, fast schon ausgelassen. Und das ist auch gut so, denn wir sollten „frei“ über die Menopause sprechen können.

Das tun wir nämlich nach wie vor viel zu wenig, wie auch Statistiken bestätigen. „Welt der Frauen“-Moderatorin Birgit Brunsteiner belegt dies gleich zu Beginn der Veranstaltung mit belastbaren Zahlen: Sechs von zehn Frauen sprechen gar nicht über das Thema. Die niederösterreichische Landesrätin für Frauen, Christiane Teschl-Hofmeister, betont daraufhin, dass die Wechseljahre „kein Minderheitenprogramm“ seien. Sie betreffen immerhin circa eine Million Frauen. Deshalb ruft sie die Besucher:innen dazu auf, das Thema laut und selbstbewusst zu besprechen – miteinander, aber auch mit männlichen Kollegen. Ein Anfang kann dieser Abend bieten, den das Land Niederösterreich in Kooperation mit „Welt der Frauen“ und unterstützt von der Katholischen Frauenbewegung St. Pölten austrägt.

Die Highlights der Veranstaltung

Humor als Superkraft

Landesrätin Teschl-Hofmeister hat aber auch eigene Erfahrungen mit der Menopause, die sie teilt: „Ich fühle mich so, als wären wir in der Lebensmitte am leistungsfähigsten – und dann kracht die Menopause rein und bringt alles wieder durcheinander.“ Aber die Wechseljahre sind so individuell wie Frauen. Die österreichische Musikerin Tini Kainrath erlebt sie seit zehn Jahren und erzählt im Gespräch mit Moderatorin Brunsteiner augenzwinkernd: „Meinem Mann ist nix aufgefallen – aber vielleicht war das auch eher Taktik.“

Überhaupt zieht sich Humor wie ein roter Faden durch den Abend. Doch hinter der Leichtigkeit steckt ein ernster Kern: „Es ist kein Geheimnis: Hätten Männer das Problem, dann gäbe es schon längst Lösungen“, schließt Teschl-Hofmeister ihr Plädoyer. Ein Satz, der die strukturelle Schieflage in Forschung und Arbeitswelt offenlegt.

Aber wie können wir nun mit den Folgen der Menopause gut umgehen? Gynäkologin Eveline Diridl erklärt, dass viele Symptome bereits bekannte Begleiter eines Frauenlebens seien – etwa aus dem Zyklus: „Wenn man sich vor ‚den Tagen‘ fix scheiden lassen will und sich kurz danach für diese Gedanken schämt –sind das oft nur die Hormone.“ Psychotherapeutin Elisabeth Cinatl von der Frauenberatungsstelle wendepunkt wiederum lenkt den Blick auf das Positive: „Es gibt ganz vieles, das lässig ist ab 50 – wir dürfen nur nicht denken, dass wir da alleine durchmüssen.“ Auch Unternehmen sind gefragt: Manuela Raidl-Zeller, Geschäftsführerin von Sonnentor, hat sich intensiv mit dem Thema Menopause befasst, da zwei Drittel ihrer Mitarbeiter:innen weiblich sind. Das Ergebnis: 150 Arbeitszeitmodelle und viele Strukturen, die auf Frauenleben abgestimmt sind.

Am Ende bleibt ein Appell, der sich durch alle Wortmeldungen zieht: Wir brauchen für den Umgang mit den Wechseljahren mehr Offenheit, mehr Selbstfürsorge und mehr Gemeinschaft. „Redet drüber – miteinander und mit euren Arbeitgebern. Nehmt es mit Humor“, appelliert Anna Rosenberger, Botschafterin der Katholischen Frauenbewegung St. Pölten und Unterstützerin des Abends, an das Publikum.

Teschl-Hofmeister wiederum erinnert daran, die eigene Selbstwirksamkeit nicht zu vergessen: „Ja, die Politik muss viel tun – aber wir haben auch selbst viel in der Hand.“ Christiane Feigl, Gesamtverantwortliche von „Welt der Frauen“, wirbt für einen offenen Umgang: „Wir dürfen uns erlauben, diese Zeit mit offenen Armen willkommen zu heißen und ihr mit Neugierde zu begegnen, statt sie zu fürchten. Auch die Menopause ist eine Zeit, die Gutes für uns bereithält und in der wir lernen dürfen.“ Oder, um es mit den Worten von Anna Rosenberger zu beschließen: „Frauen, trefft euch – und feiert auch eure Wechseljahre.“

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