Eigentlich ist es kein Nerv, sondern die Hormone in den Wechseljahren, die wir mit der Veranstaltungsreihe „Von Pause keine Rede“ ins Visier nehmen. Rund 250 Frauen folgten dafür der Einladung nach Zwettl (NÖ). Mit hochkarätigen Expert:innen wurde der Wissensstand erweitert und Ängste abgebaut.
Vielen Frauen fällt es immer noch schwer, über die Wechseljahre zu sprechen. Umso wichtiger ist es, einen „vertrauensvollen Rahmen“ zu schaffen, in dem das ohne Hemmungen und Tabus möglich ist, so Christiane Feigl, Gesamtverantwortliche von „Welt der Frauen“. Diesen hat der Stadtsaal Zwettl für die Veranstaltung geboten, die „Welt der Frauen“ gemeinsam mit dem Land NÖ und der kfb St. Pölten auf die Beine gestellt hat.
Um über ein Thema sprechen zu können, muss man die Dinge benennen können, also entsprechend informiert sein. Frauen sind sich aber häufig nicht bewusst, welche Symptome überhaupt zum Spektrum der möglichen Wechselbeschwerden gehören können. Deshalb erkennen manche auch nicht, wenn sie mittendrin sind im Klimakterium. Sich gut über die Menopause zu informieren, offen und ohne Tabus darüber zu sprechen und sich auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt Hilfe zu holen, lautete der einhellige Appell der anwesenden Expert:innen.
Die niederösterreichische Frauenlandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister meldete sich mit einer Grußbotschaft von der Videoleinwand: Sie betonte große Offenheit gegenüber dem Thema, das sie auch selbst gerade betreffe. Von Seiten der Politik müssen die Bemühungen, zu informieren, wachsen, forderte Sabine Hilbert, Stellvertretende Abteilungsleiterin Familien und Generationen des Landes NÖ, die in Vertretung der Landesrätin in Zwettl anwesend war.
Mit einer Checkliste an möglichen Beschwerden brachte Gynäkologin Eveline Diridl Licht ins Dunkel und sorgte damit für Staunen und Aha-Momente. Diridl veranschaulichte den allgegenwärtigen Einfluss der körpereigenen Hormone und räumte mit gängigen Vorurteilen in Sachen Hormonersatztherapie auf. Ihr empathischer wie informativer Vortrag wurde zum Türöffner, die Besucher:innen nahmen ihr Angebot, in entspannter Atmosphäre Fragen zu stellen, gerne an. Zur gelösten Stimmung trugen auch die Gesangseinlagen von Schauspielerin und Sängerin Tini Kainrath bei, die mit ihrer grandiosen Stimme, Wiener Schmäh und internationalen Ohrwürmern begeisterte.
Soziologin Sylvia Gaiswinkler beklagte im Bühnengespräch mit Moderatorin Birgit Brunsteiner den „starken Mangel an Daten zu Frauenkrankheiten wie etwa Endometriose“ und wies auf die Folgen hin: „Verzögerte Diagnosedauer und nicht ausreichend Behandlungsmöglichkeiten.“ Das trägt bei vielen Frauen zur Verunsicherung bei. Eine Anlaufstelle für Verunsicherte: Frauenberatungsstellen. Psychotherapeutin Elisabeth Cinatl von der Frauenberatungsstelle wendepunkt bestätigte: „Wir sprechen Frauen direkt auf das Thema an, weil viele nicht erkennen, dass sie im Wechsel sind. Und wir machen den Frauen klar, dass sie damit nicht allein sind.“ Anna Rosenberger, Botschafterin der Katholischen Frauenbewegung St. Pölten, setzt in diesem Zusammenhang auch auf Selbstfürsorge und Austausch. Letzterem kamen die Besucher:innen bei Häppchen und Getränken ausführlich nach.
Sind auch Sie interessiert? Die Veranstaltungsreihe geht weiter und wird im Herbst fortgesetzt! Am 14. Oktober machen wir in Brunn am Gebirge Halt, am 25. November laden wir nach St. Pölten ein. Auch im Magazin, in unserem Podcast (Eveline Diridl über Wechseljahre und Hormone – jetzt reinhören!) und online thematisieren wir die Wechseljahre regelmäßig.
