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Unterstützung für Frauen mit Migrationsbiografie

Unterstützung für Frauen mit Migrationsbiografie
Foto: Stadt Linz/Deimling
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  • Veröffentlicht: 02.10.2025
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Welche Herausforderungen erleben Frauen mit Migrationsbiografie, welche Angebote bieten Unterstützung? Das erklärt Expertin Ana Andrade.

Sie arbeiten für Proges in Einrichtungen in Wels und Haslach, wo sie unter anderem Frauen mit Migrationsbiografie betreuen. Was sind häufige Anliegen, mit denen sich diese an Sie wenden?
Die Migrantinnen, die zu uns kommen, fühlen sich oft völlig hilflos. Neben den alltäglichen Belastungen sind sie mit weiteren Herausforderungen konfrontiert, die sich negativ auf ihre Gesundheit auswirken können: Häufig erleben sie soziale Isolation, haben Sprachschwierigkeiten oder finden sich im Gesundheitssystem schwer zurecht. Zudem sind sie oft mit Vorurteilen oder Diskriminierung konfrontiert.

Welche Schritte folgen nach dem ersten Orientierungsgespräch, um den Frauen zu helfen?
Am Anfang geht es uns immer darum, den Frauen zu zeigen, dass sie mit ihren Anliegen willkommen sind. Dass sie zu uns gekommen sind, ist der erste Schritt, ihr Leben jetzt selbst in die Hand zu nehmen. Im nächsten Schritt schauen wir, welche Form der Beratung im Frauengesundheitszentrum oder in anderen Einrichtungen für sie infrage kommt. Das können zum Beispiel Selbsthilfegruppen sein, aber auch Workshops oder offene Frauentreffs wie das „Lern- und Lachcafé“ im Frauengesundheitszentrum, an dem viele Migrantinnen teilnehmen. Es kann aber auch sein, dass manche Frauen einfach nur Informationen brauchen, zum Beispiel darüber, wo sie therapeutische Hilfe bekommen können. Oder sie benötigen Unterstützung beim Verstehen eines Befundes sowie bei der Suche nach einem Deutschkurs. Das bedeutet, dass neben der Gesundheitsförderung auch die Netzwerkarbeit im Vordergrund steht.

„Niemand sollte mit seinen Sorgen alleine bleiben.“
Ana Andrade

Was raten Sie Frauen, die sich isoliert fühlen?
Isolation und in der Folge Einsamkeit können gesundheitsrelevante Folgen haben. Ich empfehle, bestehende Angebote zu nutzen, um sich zu vernetzen. Niemand sollte mit seinen Problemen alleine sein. Es gibt Beratungsstellen, Sprachkurse, Selbsthilfegruppen und vieles mehr. All diese Angebote können den Frauen helfen, sich in der Gesellschaft besser zurechtzufinden und selbstbestimmter zu leben. Generell würde ich empfehlen, sich einer Gemeinschaft anzuschließen, die einem das Gefühl gibt, nicht allein zu sein. Und ich würde den Frauen raten, sich nicht entmutigen zu lassen. Es ist entscheidend, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.

Was braucht es für eine gelungene Integration auch von der Gesellschaft und vom Staat?
Ich wünsche mir mehr Offenheit. Wenn man die Frauen näher kennenlernt, merkt man, dass sie gar nicht so anders sind, und die Gemeinsamkeiten treten in den Vordergrund. Und von staatlicher Seite: Die Frauen wissen, wie wichtig es für ihre Gesundheit und vor allem für erfolgreiche Integration ist, Deutsch zu lernen. Leider ist es jedoch für viele vom System her nicht vorgesehen, Deutschkurse zu besuchen, weil sie nur für bestimmte Länder gefördert werden. Ich unterstütze betroffene Frauen aus Venezuela oder Kolumbien, die Deutsch lernen wollen. Oft können sie sich die kostenpflichtigen Kurse einfach nicht leisten, weil diese sehr teuer sind. Die niederschwelligen Lerngruppen der Proges Frauengesundheitszentren sind somit systemrelevant.

Ana Andrade ist Expertin für Frauengesundheit bei Proges. Sie selbst stammt ursprünglich aus Mexiko und zog 2007 nach Österreich.

Weitere Infos: proges.at

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