Kinderwunsch hin oder her: Mehr als jede zehnte Frau wird nicht auf natürlichem Wege schwanger. Aber was dann? Über Möglichkeiten, Hürden und das große Glück – mit und ohne Kind.
Als ich zum zweiten Mal schwanger war, mit Ende 30 und Zwillingen, hörte ich immer wieder diesen einen Satz: „Das war sicher künstliche Befruchtung, oder?“ Ich fragte mich, was eigentlich so schlimm daran wäre. Bei der Frage schwang ein leiser Vorwurf mit, fast, als hätte ich geschummelt. Meine Kinder sind ohne medizinische Hilfe entstanden, und trotzdem konnte ich plötzlich erahnen, mit welchen Schwierigkeiten Frauen und Paare zu kämpfen haben, bei denen eine Schwangerschaft nicht von alleine klappt. Eine gute Freundin steckte in dieser Zeit mitten in ihrer zweiten Kinderwunschtherapie, und ich bekam alles mit: ihr Hoffen, ihr körperliches Leiden, ihre finanziellen Sorgen wegen der teuren Behandlung und ihre Tränen, als von den beiden Kindern, die schließlich in ihrem Körper heranwuchsen, eines starb.
Von einer ähnlichen Odyssee erzählt auch die Kolumnistin Marie von den Benken in ihrem aktuellen Buch „Das Leben ist kein Kinderwunschkonzert“. Sie schreibt: „Nach dem letzten der drei Inseminationsversuche, als man Alex’ Samen in meine Gebärmutter einbrachte, habe ich mich einige Tage tatsächlich anders gefühlt als bei den Versuchen davor. Mal wieder habe ich wie eine Wahnsinnige in mich hineingehorcht und versucht, jede kleinste Änderung in mir herbeizuspüren. Ich war sensibler, meine Brust spannte. Und das sind doch eigentlich typische Anzeichen für eine Schwangerschaft, oder?“ Aber auch dieser dritte Versuch scheitert, sie ist wieder nicht schwanger. Liest man ihr Buch, in dem auch viele andere Frauen zu Wort kommen, die unterschiedliche Strategien wählen, kann man nachfühlen, wie lebensbestimmend ein unerfüllter Kinderwunsch werden kann.
