Von Passionsspielen über Kaninchenhasenbeutler bis hin zu Holzschaukeln: Ostern wird weltweit ganz unterschiedlich gefeiert. Ein Blick auf bemerkenswerte österliche Traditionen.
Ostern ist das höchste christliche Fest, an dem die Auferstehung Jesu nach seiner Kreuzigung gefeiert wird. Die bunt gefärbten Eier, die in unseren Breitengraden traditionellerweise versteckt und gesucht werden, sind eng damit verbunden. So verbirgt sich unter der Schale des Eis neues Leben, und das Ei steht als Fruchtbarkeitssymbol für den Sieg des Lebens über den Tod. Ursprünglich waren Ostereier rot gefärbt, um an das Blut Jesu zu erinnern, erst viel später kamen andere Farben und kunstvolle Bemalungen dazu.
Wie der Hase ins Spiel kommt? Genau wie das Ei symbolisiert auch er Fruchtbarkeit, Leben und Neuanfang. Schließlich ist er im Frühling besonders aktiv und kommt auf der Suche nach Nahrung in die Nähe von Siedlungen. Das wurde ihm vermutlich als Akt der heimlichen Eiablage angedichtet.
Ostern extrem auf den Philippinen
Der Inselstaat ist mit über 90 Millionen Katholik:innen das einzige vorwiegend christliche Land Asiens. Für viele dort ist die Karwoche eine Zeit der Besinnung und des Gebets. Die Familien kommen zusammen, besuchen Kirchen, die Leidensgeschichte Jesu wird gemeinsam besungen und rezitiert.
Es geht aber auch ins Extreme. So gibt es Gläubige, die das Leiden Christi am eigenen Leib nachempfinden wollen. Dafür werden am Karfreitag Passionsspiele abgehalten, bei denen Menschen schwere Kreuze auf einen Hügel schleppen, dabei Dornenkronen tragen und sich von als Römer:innen verkleideten Menschen beschimpfen oder sogar auspeitschen lassen. Einige besonders fanatische Gläubige lassen sich mit Nägeln durch die Handflächen tatsächlich ans Kreuz nageln. Sie verharren dort einige Minuten, werden dann wieder abgenommen und medizinisch versorgt. Die Provinz Pampanga nahe Manila gilt als Zentrum dieser Rituale, die auch Zuschauer:innen und Tourist:innen anlocken – und in ihrer extremen Form von der katholischen Kirche offiziell abgelehnt werden.
Auch Salubong („Begegnung“) findet an diesem Tag statt: Zwei Prozessionen – eine Männerprozession für Jesus und eine Frauenprozession für Maria – starten an verschiedenen Orten, treffen aufeinander und symbolisieren so die Wiedervereinigung des auferstandenen Jesus und seiner trauernden Mutter. Danach ziehen alle gemeinsam in die Kirche ein und feiern Gottesdienst, bevor es nach Hause zum Eiersuchen geht.
Schaukel-ei in Lettland
In dem baltischen Staat gibt es eine besonders schwungvolle Tradition zu Ostern: In den Dörfern werden große Schaukeln aus Holz aufgestellt, mancherorts wird ein regelrechtes Schaukel-Festival veranstaltet. Wer am Osterwochenende hoch in die Lüfte schaukelt, hat nicht nur ein beschwingtes Osterfest, sondern auch einen entspannten Sommer vor sich. Das Schaukeln soll nämlich einer alten Überlieferung zufolge vor Mückenstichen schützen. Auch für die Landwirtschaft ist es, so der Glaube, von Vorteil – es sorgt demnach dafür, dass Getreide und Vieh gut gedeihen. Je höher man schwingt, desto höher wächst das Getreide und desto größer werden die Lämmer der Schafe.
Die Schaukeln selbst sind unterschiedlich groß. Manche sind wie Schiffsschaukeln gebaut, sodass ganze Familien gemeinsam Platz finden. So weit, so lustig – es gibt aber auch einen Haken: Die Holzschaukeln müssen nach Ostern verbrannt werden, sonst könnten böse Hexen ihr Unwesen treiben.
Eine weitere lettische Tradition ist es, sich auf die Suche nach einem fließenden Bach oder einer Quelle zu machen, um sich dort zu waschen – meist geht es am Ostermorgen noch vor Sonnenaufgang los. Das Ritual verspricht Gesundheit, Schönheit und Energie für das ganze Jahr. Idealerweise fließt der Bach nach Osten in Richtung aufgehende Sonne. Eine Tradition mit uralten, vorchristlichen Wurzeln.
Kein Hase in Australien
Es klingt wie ein Aprilscherz, ist aber wahr: In Australien bringt tatsächlich nicht der Hase die Ostereier, sondern der Bilby, ein kleines hasenähnliches Tier mit langer Nase und großen Ohren. Er gehört zur Gattung der Kaninchenhasenbeutler, will heißen: Die Minikängurus sind mit den großen Hüpfern artverwandt. Das sieht man nicht nur optisch, es ist auch durchaus praktisch: Schließlich kann der Bilby die Ostereier in seinem Beutel transportieren.
Dass der Osterhase in Down Under ersetzt wurde, ist kein Marketing-Gag, sondern hat tiefer liegende Gründe. Kaninchen gelten in Australien als Landplage und haben sich zu einer Bedrohung für Tierarten wie den Bilby entwickelt. Naturschützer:innen begannen daher in den 1990er-Jahren, für die Minikängurus zu werben. 1993 schrieb die Kinderbuchautorin Jenni Bright das Buch „Burra Nimu, the Easter Bilby“ und verhalf dem tapferen Nasentier, das sein Land gegen die Übermacht der Hasen retten will, zu landesweiter Aufmerksamkeit. Inzwischen stehen Schokoladenbilbys in den Supermarktregalen, und manche Firmen spenden regelmäßig einen Teil ihrer Einnahmen für den Schutz einheimischer Tiere. Da kann man sich den Schokobilby also mit gutem Gewissen schmecken lassen!
Mexiko: Feiern zur Semana Santa
Im streng katholischen Mexiko wird die Semana Santa, die Heilige Woche, wie die Karwoche dort genannt wird, intensiv begangen. Wie so oft in Südamerika sind die Feierlichkeiten zum Teil sehr bunt. Im ganzen Land finden Prozessionen und Passionsspiele statt, spektakuläre Inszenierungen kann man in Ixtapalapa, Taxco, San Cristobal de las Casas und Oaxaca erleben.
Am Gründonnerstag ist es in Mexiko Brauch, gleich sieben Kirchen zu besuchen und in jeder zu beten. In manchen führen Priester Fußwaschungen an zwölf Männern aus der jeweiligen Gemeinde durch, die die zwölf Apostel symbolisieren sollen. Der Karfreitag ist von Prozessionen geprägt, bei denen der Leidensweg Christi zur Kreuzigungsstätte, die Via Crucis, nachgestellt wird. Nachts wird dabei schweigend gegangen, die Menschen tragen Bilder von Jesus vor sich her.
Am Höhepunkt der Osterzeit wird es dann richtig laut: Am Karsamstag werden auf öffentlichen Plätzen Judas-Figuren rituell verbrannt, die die Gläubigen aus Pappmaché anfertigen und mit Feuerwerks- und Knallkörpern bestücken. Am Ostersonntag kommen die Menschen nach der Feiertagsmesse noch einmal zusammen, um gemeinsam zu essen und zu tanzen. Dabei wird unter anderem Capirotada kredenzt, eine Art Brotauflauf oder Brotpudding. Das Brot steht für den Leib Christi, die Rosinen für die Nägel, mit denen Jesus ans Kreuz genagelt wurde, überkreuzte Zimtstangen erinnern an das Kreuz selbst.
Griechenland: Ein Land sieht rot
In Griechenland ist Ostern – nach der Besinnlichkeit und dem Fastenende am Karfreitag – ein ausgelassenes Fest. Nach der Mitternachtsmesse am Karsamstag feiern die Gläubigen auf öffentlichen Plätzen mit gegrilltem Lamm am Spieß, Musik, Tanz und – vor allem auf dem Land – mit großem Feuerwerk und dem traditionellen Judasverbrennen, bei dem eine Strohpuppe angezündet wird. Traditionelle Gerichte sind neben einer Innereiensuppe auch der Osterstriezel Tsoureki, der mit roten Eiern geschmückt wird.
Überhaupt sind alle griechischen Ostereier rot: Die Farbe soll das Blut Christi, die Wiedergeburt und das ewige Leben symbolisieren. Üblicherweise färbt man sie am Gründonnerstag ein. Eierpecken gehört natürlich auch dazu: Jedes Familienmitglied schnappt sich ein Ei und schlägt es gegen das Ei eines Tischnachbarn oder einer Tischnachbarin. Wer am Ende mit einem unversehrten Ei übrig bleibt, hat im kommenden Jahr besonders viel Glück.
Die orthodoxen Griech:innen feiern Ostern an einem anderen Tag als die anderen Christ:innen, da sie sich seit dem Jahr 325 am Julianischen und nicht am Gregorianischen Kalender orientieren. Alle paar Jahre fallen beide Termine auf den gleichen Tag. Dann feiern zum Beispiel auf der Insel Syros Katholik:innen und Orthodoxe gemeinsam. Mit einer Riesenparty – und mit dem Pecken roter Eier.
