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Über das Loslassen

Unser elterliches Repertoire zur Babybespaßung, Babyberuhigung und zum logistischen Familienmanagement hat sich in den letzten Wochen vervielfacht. Ich fühle mich nur mehr selten wie der Ochs vorm Berg, wenn ich unser phasenweise herzerweichend weinendes Bündel in Händen halte, sondern versuche erst alle Facetten des Trosts aus um dann einfach für ihn da zu sein.

Anpassungsschwierigkeiten nennt man das neuerdings. Früher sprach man immer von 3-Monats-Koliken aber heute geht die Forschung davon aus, dass übermäßiges Schreien nicht unbedingt von Darmkrämpfen verursacht wird, sondern einfach dadurch, dass manchen Babys der Sprung vom Mutterleib in die Welt besonders schwer fällt. Als ob die besonders Sensiblen unter den Babys sich erst langsam auf die vielen neuen Ansprüche und Eindrücke der Welt um sie herum gewöhnen müssen – verbunden mit einer tiefen Trauer um das Schlaraffenland Mutterleib.

Es ist so hart zu akzeptieren, dass ich dem Kleinen manchmal wirklich nicht helfen kann, da kann ich tonnenweise Bücher lesen und zahllose Internetforen durchforsten. Manchmal ist er einfach untröstlich und ich kann sein Händchen halten, ihn tragen und ihm gut zureden aber direkt helfen kann ich ihm nicht. Das ist die schwierigste Lektion bisher und vielleicht ein Vorgeschmack auf den immer stärker und dominant werdenden Beschützerinneninstikt. Wenn er dann endlich friedlich in seinem Bettchen schlummert starre ich oft minutenlang auf den Monitor. Er ist so winzig, so klein, so hilflos – selbst unser Familienbett mit Anbau scheint neben ihm so gigantisch. Trotzdem schläft er tapfer schon phasenweise alleine – immer unter den Argusaugen von uns im Nebenzimmer. Wir haben unseren kleinen Heuler schon so ins Herz geschlossen, dass ein Leben ohne ihn völlig undenkbar wäre.