Im Nordosten Perus enden Geburten häufig tödlich. Im Regenwald, wo die nächste Klinik oft nur per Boot erreichbar ist, setzt sich eine Gruppe engagierter Frauen für Schwangere ein.
Nach zwei Fehlgeburten sollte beim dritten Kind alles gut gehen. Jhoana German sitzt auf der Terrasse ihrer Holzhütte in Nuevo Horizonte, einem Sieben-Hütten-Dorf im Norden Perus, und streicht dem schlafenden Baby in ihrem Schoß eine dunkle Locke aus der Stirn. Bunte Vögel singen, drei Hunde jagen bellend zum Ufer des Putumayo, des Grenzflusses zu Kolumbien. Fünf Tage ist die Geburt ihres Sohnes her. Der Bub ist gesund, sie selbst überlebte nur knapp. Eigentlich wollte die 19-Jährige in der Klinik der nächsten Kleinstadt entbinden, doch die Wehen setzten zu früh ein. Als sich die Plazenta nicht löste, drohte sie zu Hause zu verbluten. „Gott sei Dank lag gerade ein Krankenschiff in der Nähe“, sagt sie.
Peruanische und kolumbianische Bootkliniken befahren regelmäßig die über 2.000 Flusskilometer des Putumayo, leisten Erste Hilfe und bringen Medikamente. Ohne sie müssen Patient:innen stunden- oder tagelange Fahrten in ihren Peke Peke auf sich nehmen. Die kleinen Kanus mit knatterndem Außenbordmotor sind hier und auch im übrigen Loreto, der größten von Flüssen durchzogenen Regenwaldregion Perus, das wichtigste Verkehrsmittel.
Medizinische Versorgung für Schwangere
Während sich die Mütter- und Säuglingssterblichkeit in dem südamerikanischen Land in den vergangenen zwei Jahrzehnten fast halbierte und heute weit unter dem globalen Durchschnitt liegt, hängen die abgelegenen Regenwaldgebiete zurück. Schwangere entbinden dort oft daheim – ohne Strom, sauberes Wasser, fachliche Begleitung. Komplikationen und Infektionen werden schnell lebensgefährlich.
