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Taufkleid

Wir lassen unser Mädchen in meinem Heimatdorf taufen und zwar in wenigen Tagen. Schon während der Schwangerschaft habe ich mir zur Zeremonie und zum Fest so manchen Gedanken gemacht, da ich schon vermutet habe, dass nach der Geburt wenig Ressourcen bleiben für Derartiges. In der Kirche, in der wir vor gut sechs Jahren (wie die Zeit vergeht!) geheiratet haben, wird die Taufe im Kreis der engsten Familie stattfinden.
In geistiger Umnachtung hatte ich die Vision, mein cremefarbenes standesamtliches Brautkleid in das Taufkleid für Elisabeth verwandeln zu wollen. Als sich grundsätzlich selbstüberschätzende Hobbynäherin ersten Ranges war das natürlich sehr waghalsig, denn mehrere Lagen Chiffon, Satin, Stickereien und Raffungen so zu zähmen, dass sie unserer zwei Monate jungen Goldmaus auch passen würden, war rückblickend wirklich ein weit komplexeres Unterfangen als gedacht. Zwei gebrochene Nadeln, drei oder vier panische Schweißausbrüche und einige aufgetrennte Nähte später ist es vollbracht: Es ist so wunderschön geworden! Dazu auch noch ein herziges Häubchen genäht – ich kann es kaum erwarten sie am Tag der Taufe darin zu sehen! Eine Mischung aus 80 Prozent Können, 15 Prozent Glück und 5 Prozent Pfusch. Nicht perfekt, dafür einzigartig und mit einem Hauch zu viel Bling-Bling, ganz wie die Mama halt. Mir gefällt die Idee jetzt dieses besondere Taufkleid in der Familie zu haben. Ich hoffe viele Kinder werden es sich noch ausleihen!

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com