Geburten sind das natürlichste der Welt – und doch so individuell wie wir Menschen. Barbaras* zweite Tochter kam vaginal in Beckenendlage zur Welt. Die „Steißgeburt“ forderte eine große Entourage an Personal im Kreißsaal.
Die Geburt meiner zweiten Tochter war auf vielen Ebenen anders als die der ersten. Tochter eins wurde zu Hause in unserer Wohnung geboren, im Beisein meines Mannes und meiner Wahlhebamme. Tochter zwei hatte bei ihrer Ankunft auf dieser Erde eine große Entourage: zwei Hebammen, die diensthabende Gynäkologin, einen Kinderarzt, einen Anästhesisten, meine Wahlhebamme und meinen Mann. Sie kam 2014 im einzigen Krankenhaus in Wien zur Welt, in dem es damals Gynäkolog:innen gab, die eine Geburt wie die meiner Tochter betreuen konnten: Bei einer Beckenendlage oder „Steißgeburt“ verlässt der Kopf des Babys als Letztes den Körper der Mutter. Eine gefährliche Situation, die diese (ärztliche) Intervention erforderlich macht.
Dauert es zu lange, bis der Kopf geboren wird, kann das Kind ersticken. Es war ein heißer Mai, ich war 13 Tage über dem errechneten Geburtstermin. In der Nacht kamen endlich die ersten Wehen – ein Glück, sonst hätte die Geburt eingeleitet werden müssen. Wir fuhren ins Krankenhaus. Dort: Stillstand. Ich marschierte im Morgengrauen durch die umliegenden Straßen, wanderte den Geburtsfortschritt herbei. Zurück im Krankenhaus hatte ich genau zum Schichtwechsel um 7 Uhr Blasensprung. Ich hatte starke Wehen und keine Ahnung, ob meine Wahlhebamme es rechtzeitig schaffen würde, oder ob jemand vom Fach mir helfen könnte. Es wurde erstaunlich wenig mit mir, der Gebärenden, geredet. Im Kreißsaal war zum Glück eine kundige Frauenärztin im Dienst.
