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Stammzellenspende: Nächstenliebe schenken

Elisabeth Gann hatte ein ganz besonderes Geschenk zu geben – eine lebensrettende Stammzellenspende.

„Ich denke relativ oft an sie“, sagt Elisabeth Gann. Sie, das ist für die 21-jährige Studentin eigentlich eine Unbekannte. Als sie an einem der ersten Frühlingstage des Jahres in der Klinik an eine Maschine angeschlossen wurde, die über Stunden hinweg Stammzellen aus ihrem Blut filterte, wusste die Oberösterreicherin nicht, für wen sie diesen Eingriff auf sich nahm. Erst Tage später erfährt sie, dass ihre lebensrettende Spende an eine junge Mitteleuropäerin ging.

Elisabeth Gann ist eine der 292 StammzellenspenderInnen, die bisher über die Leukämiehilfe Österreich vermittelt wurden. In Österreich sind laut dem Österreichischem Stammzellregister aktuell knappe 200.000 potentielle SpenderInnen registriert, weltweit sind es über 30 Millionen.

Wieso das Spenden von Stammzellen so wichtig ist

Rund 1.000 Menschen erkranken in Österreich jährlich an Leukämie. Eine Stammzellenspende ist für PatientInnen mit einer bösartigen Blutkrankheit oft die einzige Aussicht auf Hilfe oder Heilung, wenn Strahlen- oder Chemotherapie nicht anschlagen. Bei erfolgreicher Transplantation bilden die gespendeten Zellen schon nach wenigen Wochen gesunde Blutzellen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass für eine Person ein passender Spender oder eine passende Spenderin gefunden wird, liegt dabei lediglich bei einem Verhältnis von 1 zu 500.000, so die Information vom Roten Kreuz. Selbst unter Geschwistern bestünde nur eine 25-prozentige Chance, als StammzellspenderIn infrage zu kommen. Für eine erfolgreiche Spende müssen die Gewebemerkmale des Spendenden und der Patientin beziehungsweise des Patienten aber fast zu einhundert Prozent übereinstimmen. Was gesucht wird, ist ein „genetischer Zwilling“. Die Registrierung möglicher FremdspenderInnen – sogenannte allogene SpenderInnen – ist wesentlich, um diese ausfindig zu machen.

Wie läuft eine Stammzellenspende ab?

So wurde auch Elisabeth Gann zur Lebensretterin. Bis ihr im März 2021 via Blutwäsche Stammzellen entnommen wurden, ging es überraschend schnell. Erst im Vorjahr hatte sich die Oberösterreicherin bei einer Typisierungsaktion in ihrer Heimatgemeinde registrieren lassen: „Weil ich etwas Gutes tun wollte und ich wollen würde, dass jemand für mich spendet!“ Fünf Monate später wurde der damals 20-Jährigen mitgeteilt, dass Ihre Hilfe benötigt werde. Was folgte? Blutabnahmen, Lungenröntgen, Ultraschall der inneren Organe: „Eigentlich sehr praktisch, immerhin erhält man einen kostenlosen Rundum-Gesundheits-Check.“

Zur Vorbereitung auf die Spende musste sich Gann außerdem zweimal täglich über vier Tage ein Medikament spritzen, um die Stammzellproduktion anzukurbeln: „Am Anfang hatte ich schon Respekt, dank der ausführlichen Aufklärung wurde mir die Angst aber großteils genommen.“ Selbst die Nebenwirkungen der Spritzen – Rückenschmerzen, Schwäche, Kopfweh – nahm die Innviertlerin bereitwillig in Kauf: „Ich hielt mir immer vor Augen, wie es dem Menschen gehen muss, der meine Spende bekommt.“

Es fühlt sich sehr gut an, jemandem die Chance auf Leben zu geben. Ich würde es jeder und jedem empfehlen, sich typisieren zu lassen.

Vom Tag der Spende weiß Gann ebenfalls nur Gutes zu berichten: „Ich durfte nebenher einen Film anschauen und wurde gut umsorgt.“ Die Entnahme an sich erfolgt über das periphere Blutsystem mittels zweier Kanülen und einem dazwischen geschaltetem Zellseparator, einer Zentrifuge, die das Blut in seine Bestandteile trennt und die Stammzellen herausfiltert. Dieser Vorgang dauerte bei Elisabeth Gann „keine drei Stunden“, wurde ambulant durchgeführt und ist mit einer Dialyse vergleichbar. Noch am selben Tag konnte sie die Entnahmeklinik verlassen.

In 80 Prozent aller angeforderten Spenden wählen die Transplanteure dieses Verfahren zur Blutstammzellgewinnung. Bei 20 Prozent der Fälle brauche es nach Angaben von Geben für Leben aber eine Knochenmarkspende (nicht zu verwechseln mit dem Rückenmark). Bei dieser Methode erfolgt die Entnahme der Zellen durch eine Punktion des Beckenkamms – unter Vollnarkose. „Auch einer solchen Spende hätte ich vermutlich zugestimmt. Immerhin benötigen insbesondere Babys oder Kleinkinder häufig eine derartige Spende“, sagt Elisabeth Gann.

Was passiert nach einer Stammzellenspende?

Nach der Entnahme muss es schnell gehen: Die Stammzellen müssen innerhalb von 72 Stunden bei der Patientin oder beim Patienten ankommen. Wie bei einer Bluttransfusion werden die flüssigen Zellen anschließend mittels Injektion direkt in die Venen übertragen. Es sind die Wochen danach, die schwierig sind. Infolge der vorausgegangenen Chemo- oder Strahlentherapie ist der Körper des Empfängers oder der Empfängerin geschwächt. Es braucht eine intensive Betreuung im Krankenhaus, um Nebenwirkungen zu reduzieren und ein Glücken der Transplantation zu sichern: das Anwachsen der Spender-Stammzellen im Knochenmark und die Bildung neuer Blutzellen.

Die Heilungschancen sind individuell, dank moderner Therapien ist die Lebenserwartung der PatientInnen mit Blutkrebs in den letzten Jahrzehnten jedoch enorm gestiegen. In Deutschland überleben rund 95 Prozent der Kinder mit akuter lymphatischer Leukämie die Erkrankung, gibt Geben für Leben an. Und auch bei der akuten myeloischen Leukämie sei die Prognose recht gut. Hier besagen die Informationen aus Deutschland, dass der Anteil der Langzeitüberlebenden bei über 70 Prozent liegt.

Wie es „ihrer“ Empfängerin heute geht, weiß Elisabeth Gann nicht, doch ist sie dankbar für die „einzigartige Erfahrung“, die sie durch die Spende erleben durfte: „Es fühlt sich sehr gut an, jemandem die Chance auf Leben zu geben. Ich würde es jeder und jedem empfehlen, sich typisieren zu lassen!“

So können Sie StammzellenspenderIn werden

Geben für Leben – Leukämiehilfe Österreich

ist ein gemeinnütziger Verein mit der Mission, lebensrettende StammzellspenderInnen für Menschen mit Leukämie und anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen zu finden.

Dies wird erst durch Ihre Hilfe möglich, indem Sie sich typisieren lassen und sich somit als StammzellspenderIn zur Verfügung stellen – das ist allen gesunden Menschen zwischen 17 und 45 Jahren möglich.

Aktuell können Sie beispielsweise dem kleinen Paul und seiner Familie neue Hoffnung schenken. Bei dem Dreijährigen ist das passiert, wovor sich jede von Leukämie betroffene Familie fürchtet: Nach Chemotherapien und einer geleisteten Stammzellspende ist die Leukämie bei ihm erneut ausgebrochen.

>> Alle Infos finden Sie hier

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