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So schmeckt der Frühling

Ein Ausflug in die Donau-Auen hat mir reiche Ernte beschert. Seit Tagen ernähren wir uns vorzugsweise von Brennnesseln.

Wenn ich hinaus in die Natur gehe, habe ich immer Hintergedanken. Ich verlasse das Haus nie ohne ein Messer, Schere, Handschuhe und mehrere Sackerln im Gepäck. Man weiß ja nie, was einem da draußen alles unterkommt. Mein Mann fand es anfangs noch mühsam bis peinlich, inzwischen hat er vor meinem Sammelgen kapituliert und wartet geduldig, bis ich meinen Auftrag erledigt habe. Letztens waren wir also in den Donau-Auen nahe Mannswörth, wo sich mir Unmengen von prächtigen jungen Brennnesseln in den Weg stellten. Ausreichend, um geschätzt die halbe Stadt damit zu versorgen. Wenn man liest, wofür und wogegen die Pflanze alles gut ist, muss sie ein wahres Wundermittel sein. Man kann mit ihr Arthritis, Depression, Husten, Gicht und Insektenstiche genauso behandeln wie Haarausfall und unreine Haut. Aber das Beste: Die Brennnessel schmeckt richtig gut und man kann sie auf unglaublich viele Arten zubereiten. Ich blanchiere sie immer kurz, wegen der schöneren Farbe und weil sie mir dann ungefährlich sind. Das Blanchierwasser könnte man als Tee trinken, ich gieße damit meine Tomatenpflänzchen.

Frühlingskräuter-Tortellini

Teig:
200 g universal Mehl
3 Dotter
1 Ei
1 EL Olivenöl
1–2 EL Wasser
1 Prise Salz

Fülle und Garnitur:
300 g junge Brennnesseln (oder gemischt mit anderen Kräutern, z.B. etwas Giersch, Taubnessel, Vogelmiere, etc.)
80 g Parmesan
50 g Semmelbrösel
Salz
Ca. 100 ml Olivenöl
Parmesan zum Bestreuen,
frische Kräuter, Salz


Für den Teig Mehl mit Dottern, Ei, Olivenöl, Wasser und Salz kräftig verkneten, bis er glatt ist; der Teig soll relativ fest sein. Teig in Frischhaltefolie gewickelt mindestens 2 Stunden rasten lassen.
Kräuterblättchen waschen und in Wasser kurz überkochen. Kalt abschrecken und ausdrücken. Kräuter in einem Zerkleinerer pürieren. Mit Parmesan und Bröseln vermischen, wenig salzen.
Teig in 2–3 Portionen nacheinander dünn ausrollen, Scheiben (ca. 7 cm Durchmesser) ausstechen. Je 1 TL Fülle in die Mitte setzen, Ränder mit Wasser benetzen, zusammenklappen. Die Halbmonde über die gerade Seite schließen, die Enden gut zusammendrücken.
Die Tortellini in sanft wallendem Salzwasser kochen (3–4 Minuten), herausheben, abtropfen lassen, mit Olivenöl beträufelt anrichten, mit gehobeltem Parmesan bestreuen und mit Kräuterblättchen garnieren.

Ein paar Ideen, was man aus Brennnesseln alles kochen kann: eine Suppe, Spinat, Knödel, Nockerln, eine Quiche, einen Auflauf. Man kann auch einfach die Blätter in Backteig tauchen und in Öl backen. Am besten erntet man nur die oberen zarten Blattpaare. Köstlich schmecken Crostini: Dafür junge Blätter mit wenig Knoblauch in Olivenöl braten. Getoastete Brotscheiben mit Zitronen-Ricotta (Ricotta mit Zitronenzesten verrührt) bestreichen, die gebratenen Brennnesseln darauf legen. Als vielseitigen Vorrat empfiehlt es sich, eine Paste zu mixen. Dafür die Brennnesseln blanchieren, kalt abschrecken und ausdrücken. Dann unter Zugabe von wenig Salz und etwas Öl pürieren. Das Püree kann man in Teige mischen, für Saucen und Suppen verwenden. Oder man friert es, portioniert, für spätere Verwendung ein. Nicht zuletzt sollte man aus den jungen Brennnesseln auch köstliches Pesto fabrizieren. Das schmeckt pur auf Brot oder mit warmen Erdäpfeln, mit Nudeln, zu gebratenem Fleisch und Fisch.

Brennnessel-Pesto

100 g Brennnesseln, blanchiert und ausgedrückt
1 Knoblauchzehe
40 g Mandeln oder Haselnüsse, geröstet und grob gehackt
2 EL Parmesan, gerieben
100 g Olivenöl
1 EL Zitronensaft
Schale von 1 Bio-Zitronen, gerieben
Salz

Brennnessel-Pesto

Die Brennnesseln grob schneiden, mit Knoblauch und Mandeln bzw. Nüssen in einem elektrischen Zerkleinerer fein hacken. Olivenöl zugeben und zu einer groben Paste mixen. Mit Zitronensaft, -schale und Salz abschmecken.

Barbara Haiden

Barbara Haiden

kocht gerne mit Gemüse und fragt sich
beim Blick in den Vorratsschrank:
Wer soll das alles essen?

Foto: Alexandra Grill

„Welt der Frauen kocht“

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