Das Smartphone ist unser ständiger Begleiter und übernimmt oft die Kontrolle, erklärt Kommunikationsexpertin Sanem Keser-Halper. Sie verrät, wie Nutzer:innen bewusster damit umgehen können.
In Ihrem neuen Buch „Wieder mehr vom Leben. Du hast es in der Hand!“ widmen Sie sich dem achtsameren Umgang mit dem Smartphone. Wie kam es zu dieser Idee?
Durch meinen Beruf in Marketing und Kommunikation habe ich die digitalen Medien kennengelernt, diese aktiv eingesetzt und deren fortschrittliche Entwicklung – wie etwa beim Smartphone – erlebt. Die Vorteile in der Kommunikation, Organisation und Informationsbeschaffung sowie die Erleichterung im Alltag schätze ich auch in der privaten Nutzung sehr. Ich habe aber gleichzeitig auch festgestellt und in meinem Umfeld beobachtet, dass die Smartphonenutzung Auswirkungen auf unsere Aufmerksamkeit, unseren Fokus, unsere sozialen Beziehungen und vor allem unser Wohlbefinden hat. Diese Erfahrungen wollte ich weitergeben und zu einem reflektierten Umgang mit digitalen Medien anregen.
Wie erkennen wir, dass wir unser Smartphone zu häufig verwenden? Was sind typische negative Anzeichen?
Mögliche erste körperliche Anzeichen sind Verspannungen im Nacken- und Handgelenksbereich, Ermüdungserscheinungen der Augen oder Schlafstörungen. Auch unser Verhalten kann uns verraten, dass wir zu oft zum Smartphone greifen. Beispielsweise, wenn wir automatisch danach greifen, um nur kurz nachzuschauen, aus Langeweile keine Alternative haben, es mit anderen Aktivitäten vermischen – beim Essen, Fernsehen oder während der Arbeit – oder wenn wir unsere echten sozialen Kontakte oder unseren Job vernachlässigen.
Die Auswirkungen auf die mentale Gesundheit zeigen sich in Stimmungsschwankungen, emotionaler Erschöpfung durch den Overload an Inhalten, die uns nicht guttun, sowie in Unruhe, Nervosität und dem Gefühl, etwas zu verpassen, auch FOMO, Fear of Missing Out, genannt.
Wie kann ein bewussterer Umgang mit dem Telefon aussehen?
Wir müssen darauf achten und lernen, es gezielt, mit einem klaren Zweck und vor allem reflektiert zu nutzen. Das heißt, es geht darum, zunächst das eigene Nutzungsverhalten zu erkennen, um eine positive Verhaltensänderung bewirken zu können. Vor allem dann, wenn ich schon die Auswirkungen spüre.
Welche Tipps können Sie uns verraten, um dies umzusetzen?
Ich würde damit beginnen, den Fokus auf echte soziale Interaktionen zu legen und beispielsweise öfter Freunde zu treffen. Außerdem geht es darum, an der eigenen Selbstdisziplin zu arbeiten, zeitliche Begrenzungen einzurichten und diese auch einzuhalten sowie bildschirmfreie Zeiten, also Erholungsphasen, einzuplanen. Wichtig ist, dass wir unsere Aktivitäten nicht vom Smartphone unterbrechen lassen und Inhalte bewusst nutzen, anstatt sie passiv zu konsumieren, also nur zu scrollen. Besonders im eigenen Umfeld sollte man bewusster umgehen, Familie und Freunde einbeziehen und mit dem eigenen Verhalten ein Vorbild für andere, vor allem für Kinder, sein.
Zur Person
Sanem Keser-Halper ist als Marketing- und Kommunikationsexpertin tätig und beschäftigt sich intensiv mit digitalen Medien. Weitere Infos zum Buch: lifebiz20verlag.com.
