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Sinnstiftende Dreckmagneten

Selten habe ich etwas gelesen, was mich so nachhaltig beschäftigt hat. Neueste Studien haben ergeben, dass Kinder zu haben die ersten Jahre nicht glücklicher macht. Das hat gesessen, ich wollte sofort mehr darüber wissen. Erst im Alter, wenn die Kinder (und Eltern) die Pubertät überstanden haben und flügge geworden sind stellt sich eine möglicherweise ausgeglichenere Glücksbalance ein, aber bis dahin sind Kinderlose im Durchschnitt subjektiv sogar glücklicher! Trotzdem stiftet es Sinn Kinder zu haben, ein Familienleben zu pflegen und bedingt dadurch wird natürlich auch das subjektive, momentane Glück beeinflusst. Macht ein als sinnvoll empfundenes Leben nicht automatisch glücklicher? Befreiend finde ich, dass man folglich Kinder als Sinnstifter und nicht primär als Glücksgarant bezeichnen könnte. Es nagt immer noch an mir, dass ich die naiv erwartete Glückseligkeit, die mir eine Familiengründung bringen sollte, selten empfinde und wenn dann in den kleinen, spontanen, geteilten Momenten oder in Situationen, in denen mir mein Glück und meine Dankbarkeit mit etwas Distanz bewusst werden. Für mich war es nie so, dass ich empfand, dass Kinder „dazu gehören“ zu einem erfüllten Leben, aber ein Teil von mir dachte, dass alles einfacher, konstant befriedigender und eben glücklichmachender werden würde mit Kindern. Seien Sie ehrlich, das hatten Sie doch auch insgeheim gedacht? Das ist halt das Teuflische an Erwartungen – sie versperren den Blick auf das, was sich tatsächlich Neues und Positives entwickelt und produzieren Enttäuschungen. Meine Aufgabe für diesen Sommer – hochschwanger und mit einem bezaubernd ungestümen und unendlich neugierigen Jungen an meiner Seite – Erwartungen, wie sich das Leben bald zu viert ändern wird, direttissimo das Klo hinunterspülen. Außerdem im großen Stil Nabelschau auf die eigenen Bedürfnisse abseits der Familienmühle betreiben und einfach offen sein, mir selbst verzeihen und zugestehen, dass für mich der Familienalltag oft alles andere als glücksspendend oder erfüllend ist. So ist die Welt, aber das hätte mir echt mal jemand erzählen können vorab.

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com