„Aber was, wenn sie lügt?“ – Warum Betroffene sexueller Gewalt so oft angezweifelt werden und wie selten Männer tatsächlich zu Unrecht verurteilt werden.
„Hoffen wir nur, dass sie nicht lügt. Damit kann sie ganz schnell das Leben von einem Mann zerstören.“ Es ist dieser Satz, der in den letzten Wochen und Monaten oft in verschiedenen Familienkonstellationen gesagt wurde. Von meiner Mutter, dem Onkel, der Schwiegermutter. Beim Kuchenessen, im Vorbeigehen, beim Telefonat. Wird über sexuelle Übergriffe gesprochen, lautet das Resümee der Menschen in meinem Umfeld häufig: „Schlimm. Wenn es denn wirklich passiert ist.“ Sei es in Bezug auf die Fälle rund um Roland Weißmann, Christopher Seiler oder auch die neu aufgedeckte Rape Academy. Denn laut neuesten Ermittlungen gibt es Foren und Webseiten, wo sich Männer gegenseitig Tipps geben, wie sie ihren Frauen Schlafmittel verabreichen und sie dann vergewaltigen können.
Mit diesen Ängsten und Meinungen ist mein Umfeld nicht allein. Sie decken sich auch mit zahlreichen Social-Media-Kommentaren. Im Falle Seiler beispielsweise heißt es auf Instagram unter einem Beitrag über die Vorwürfe, „die Frau soll nicht schwierig sein und er soll zurück auf die Bühne, man braucht seine Musik“.
