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Sag’ meinen Namen!

Mit Riesenkugel genüsslich durch einen Hinterhofflohmarkt in München schlendernd quatschte mich letzten Samstag ein Halblustiger an. Ob ich schon wisse, was es werde. „Ähm, ja, ein Mädchen?“ Dann müsse ich unbedingt dieses Namensbuch kaufen, da stünden ganz tolle Namen drinnen. Empört teilte ich dem Kerl mit, dass wir schon längst einen Namen haben. Angesehen davon, dass ich Verkäufer, die sich vor mir aufbauen um mir etwas unter direkter Ansprache andrehen zu wollen, grundsätzlich nicht leiden kann, hat diese Begegnung etwas in mir ausgelöst. Wie kommt es, dass wir uns so felsenfest schon lange vor der Geburt für Elisabeth als Namen entschieden haben ohne die Kleine überhaupt zu kennen und ohne sie je gesehen zu haben? Was, wenn sie den Namen einmal überhaupt nicht leiden können wird, oder aus irgendwelchen Gründen dafür gehänselt wird? Jemandem einen Namen geben zu dürfen empfinde ich als eine äußerst große Verantwortung, die mit der Elternschaft einhergeht. Ich muss an die unendliche Geschichte denken und die kindliche Kaiserin, die Atréju anfleht ihr einen neuen Namen zu geben, weil sonst das ganze Phantásia unterzugehen droht. Wer bist du, kleiner Mensch, der so lange schon in meinem Bauch residiert? Wirst du dich mit deinem ausgewählten Erstnamen anfreunden können und wirst du dich bei erster Gelegenheit etwa umbenennen? Du wirst noch einen Zweit- und Drittnamen haben nach deinen Omas – vielleicht spürst du, dass du weit eher eine Monika oder eine Margot bist und legst Elisabeth ab, wie eine Kleidungsstück, das nicht passt. Oder du wählst deinen eigenen Namen nach ganz anderen Gesichtspunkten und es wird Teil deiner Identität, dass du dir selbst einen Namen gegeben hast. Man könnte unsere Namenswahl vielleicht als konservativ bezeichnen. Auch Michael ist ein, wenn man so will, eher gewöhnlicher als ungewöhnlicher Name. Mir ist es tatsächlich wichtig, dass mit einem Namen auch ein gewisser Spielraum einhergeht und das Gefühl, dass genug weiße Leinwand übrig ist um sie von dem neuen Menschen gestaltet zu werden. Ich hatte nie das Bedürfnis einen einmaligen Namen auszuwählen mit hohem Wiedererkennungswert. Gleichzeitig fühlt es sich für uns richtig an mit der Namenswahl einen kulturellen Kontext zu zitieren, der der Selbe ist, den wir einst von unseren Eltern mitbekommen haben. So viele gute Wünsche, so viele Hoffnungen und Träume gehen mit der Namenswahl einher. Jetzt freue ich mich einfach auf unser Schätzchen und hoffe nach der Geburt auch wirklich das Gefühl zu haben eine Elisabeth im Arm zu halten, ansonsten – wer weiß – vielleicht werden wir doch noch unsere Meinung ändern.

Marlene Stossier